Otto Waalkes: „Natürlich scheint der Otto immer durch“

Im aktuellen Kinofilm „Catweazle“ schlüpft der 73-jährige Komiker Otto Waalkes in eine für ihn ganz neue Rolle.

  • Artikel
  • Diskussion
Bei einem Wien-Besuch stellt Otto seinen neuen Film „Catweazle“ vor und plaudert wie immer gestenreich dahin, auch über seine früheren Österreich-Besuche oder Tabubrüche beim Humor, die ihm nicht so liegen: „Unter der Gürtellinie geht’s irgendwann nicht weiter“, meint der Parade-Ostfriese.
© APA

Wien –Vor wenigen Tagen feiert Otto Waalkes seinen 73. Geburtstag und im Kino mit der Komödie „Catweazle“ Erfolge. Der deutsche Starkomiker spielt in der Adaption der britischen Serie aus den 70ern den titelgebenden Magier aus dem Mittelalter, den es in die Neuzeit verschlägt. Aus diesem Anlass sprach der Parade-Ostfriese über Humor unter der Gürtellinie, Buchteln in Wien und die Frage, wie man die Queen amüsiert.

Die britische Originalserie „Catweazle“ ist heute nur mehr wenigen ein Begriff. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Otto Waalkes: Ich hatte die Serie vor vielen Jahren gesehen und fast vergessen. Und ich habe nie daran gedacht, dass ich eines Tages in diese Rolle schlüpfen würde. Aber dann kam der Regisseur Sven Unterwaldt vor sieben Jahren mit einem Bild von Catweazle in der Badewanne an und meinte: Das könntest du sein! Das konnte ich nicht abstreiten – und schon ging’s los.

Und das hat sieben Jahre gedauert?

Julius Weckauf spielt an der Seite von Otto Waalkes.
© imago

Otto: Wir mussten zunächst mal die Rechte klären, was eine Weile gedauert hat. Die lagen in England, und da brauchte man offenbar die Akzeptanz vom Buckingham-Palast, die Queen hat sich offenbar Zeit gelassen, ehe sie amused war. (lacht)

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahre-Vignetten 2021 gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Was wiederum neu für Sie ist, dass Sie nicht dezidiert Otto spielen, sondern eine Rolle ...

Otto: Das war so gesehen tatsächlich etwas Neues für mich und die Balance zu halten, war das Schwierigste. Umgeben von Schauspielern wie Katja Riemann! Ich habe mich klarerweise bemüht, Catweazle zu spielen. Aber natürlich scheint der Otto immer durch, das geht nicht anders. Ich bin ja kein Schauspieler.

Zugleich hätte ich den Eindruck, dass Sie für „Catweazle“ den Körperhumor klar reduziert haben.

Otto: Sonst wäre es ja ein Otto-Film, mit Hollereidi und Otto-Gang. Dafür habe ich alle Stunts selbst gespielt! Auch den Zeitsprung durch tausend Jahre und aus sechs Metern Höhe. Ich hing nur an zwei dünnen Seilen. Da fragt man sich zuvor schon: Warum drehen die das jetzt eigentlich als letzte Einstellung? Und von unten schreit noch ein Ausstatter: „Ich würde es nicht machen!“ Das macht richtig Mut.

Apropos nie machen: Eigentlich heißt es für einen Star doch immer: Nie mit Kindern drehen. Und jetzt hatten Sie den beeindruckenden Julius Weckauf an Ihrer Seite ...

Otto: Ach, das war wunderbar! Der hat ja Filmerfahrung: „Der Junge muss an die frische Luft“. Das einzige Problem ist, dass Kinder eben nur drei Stunden am Tag drehen dürfen, danach waren wir auf Double angewiesen. Aber ich habe unheimlich viel von den Kindern gelernt: Textfestigkeit, Spontanität, Disziplin ...

Wie war für Sie der Dreh, der voriges Jahr ja vollkommen in die Corona-Zeit gefallen ist?

Otto: Kunterbunt! Das ganze Kamerateam hatte schwarze Masken, die Ausstattung blaue, die Lichtmenschen grüne etc. Wir waren 90 Leute, die dreieinhalb Monate wie in einer Blase beieinander waren. Das schweißt natürlich zusammen!

Wenn Sie sich nun das Ergebnis anschauen: Ist „Catweazle“ für Sie eher ein Beispiel für deutschen oder für englischen Humor?

Otto: Ach, das ist zu national gedacht. Catweazle ist die klassische Fish-out-of-the-Water-Konstellation: der Außenseiter und die neue Realität, ein Cartoon.

Sie sind seit über 50 Jahren im Geschäft. Was macht Ihren Humor zeitlos?

Otto: Na ja, ich hatte schon früh ein tolles Team mit der Neuen Frankfurter Schule um den leider zu früh verstorbenen Robert Gernhardt. Die drei kamen ja von der Hochkomik, die ich dann erstmal massenkompatibel machen musste! (lacht) Und dann hatte ich später Glück, mit den „Zwergen“-Filmen oder der Synchronisation von Faultier Sid in den „Ice Age“-Filmen mir immer neue Publikums-Generationen zu erschließen. Ohne Glück geht gar nichts – man darf sich bloß nicht darauf verlassen.

© imago

Hat sich denn über die Jahrzehnte das Humorverständnis der Gesellschaft in Ihren Augen überhaupt nicht verändert?

Otto: Eigentlich nicht – sonst wäre ich nicht mehr mit dabei! Bewährtes wie Hollereidi oder „Hallo Freunde! – Hallo Otto!“, das funktioniert nach wie vor tadellos. Das habe ich vor 40 Jahren gemacht, und das geht immer noch. Manche setzen vielleicht mittlerweile mehr auf den „Tabubruch“, das Untergriffige, wie ihr hier in Österreich sagt. Das finde ich nicht so prickelnd, das ist nicht nachhaltig und verschleißt sich schnell. Auch unter der Gürtellinie geht’s irgendwann nicht weiter bzw. tiefer. Ich bleibe lieber bei Bewegungskomik, gestisch und mimisch, dazu ein wenig Gitarrenbegleitung – das ist unerschöpflich!

Stehen Sie eigentlich lieber auf der Bühne oder vor der Kamera?

Otto: Auf der Bühne bin ich im direkten Kontakt mit den Menschen. Da kann ich Gags ausprobieren und wieder weglassen, wenn’s nicht ankommt. Beim Film wird alles einzeln produziert, aneinander geschnitten, und dann erst erfährt man beim Gucken, ob es funktioniert. Das ist immer ein Experiment, ein Glücksspiel. Als Darsteller hast du da keinen Überblick und wenig Einfluss.

Otto als Hamlet wird es also nicht geben in Zukunft?

Otto: Wer weiß. „Faust“ wollte ich gerne mal verniedlichen, als „Fäustchen“. Ich als Mephisto „On the Highway to Hell“, das wäre doch nett.

Wie ist eigentlich Ihre Beziehung zu Österreich?

Otto: Ich bin schon in den 70er-Jahren in Wien aufgetreten. In den ganzen Bluesclubs damals mit Musikern wie Vince Weber. Germknödel, Ottakringer oder ein paar Buchteln im Hawelka. Das war exotisch! Das hat richtig Spaß gemacht. Und die Mädchen waren auch sehr nett damals.

Nur damals?

Otto: Damals, da waren sie schon nett. Heute sind sie hoffentlich noch netter. (lacht) (APA)


Kommentieren


Schlagworte