58,5 Prozent der Tannheimer gegen neues Gasthaus am Vilsalpsee

Die Gemeinde Tannheim rief am Sonntag zur Volksbefragung. Für den Gemeinderat ist sie nicht bindend, für den Dorfchef „der Käse gegessen“.

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Reger Andrang zur Volksbefragung in Tannheim: GR Andreas Reinstadler, GR Miriam Ruepp und Vize-BM Harald Kleiner (v.r.) halfen das Bürgervotum zu administrieren.
© Helmut Mittermayr

Von Alexander Paschinger

Tannheim – Das Volk hat gesprochen: Mit einer deutlichen Mehrheit von 58,5 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde das Siegerprojekt für den Um- und Neubau des gemeindeeigenen Gasthauses am Vilsalpsee abgelehnt. Bei einer Wahlbeteiligung von 52 Prozent sprachen sich am gestrigen Sonntag 282 Tannheimer dagegen aus. 200 Bürger (41,5 Prozent) befürworteten die Pläne des Innsbrucker Architekten Mari­o Gasser, die mit 3,75 Millionen Euro auch als günstigste der 33 eingereichten Varianten hervorgegangen waren.

Während man sich bei den Gegnern naturgemäß über das sonntägliche Votum freut, ist die Enttäuschung speziell bei Bürgermeister Markus Eberle groß. Es stecke viel Zeit, Engagement und Herzblut im abgelehnten Projekt. „Für mich ist der Käse gegessen“, meint er und betont, „Demokrat genug zu sein, um diese Entscheidung zu akzeptieren“. Nun sei der Gemeinderat am Wort – die Volksbefragung hat keinen bindenden Charakter.

Thomas Gropp, der Sprecher der Gegner, die eine Volksbefragung erzwungen hatten, sieht in erster Linie „das Ziel erreicht, dass die Bevölkerung mitredet“. Das demokratische System werde nun einmal von Mehrheiten getragen. Es wäre seitens des Gemeinderats sinnvoll, dieses deutliche Zeichen der Bevölkerung „zur Kenntnis“ zu nehmen und „die Maßnahmen trotz der entstandenen Vorkosten auf Eis zu legen“. Zumindest, bis nach den Wahlen im Februar 2022 ein neuer Gemeinderat feststeht.

„Mir tut es unendlich leid“, sagt BM Eberle, der nach 24 Jahren an der Spitze nicht mehr zu den Gemeinderatswahlen antreten wird. Für ihn persönlich ist die Sache „erledigt. Das heißt nicht, dass es gestorben ist – das ist jetzt Sache des Gemeinderates.“

Die Wahlleitung der Volksbefragung hatte übrigens nicht Eberle, sondern sein Vize Harald Kleiner über. Der freute sich prinzipiell über die überraschend hohe Wahlbeteiligung. Das Interesse der Tannheimer am Vilsalpsee sei jedenfalls bestätigt.

Tatsächlich wurde in den vergangenen Wochen viel mobilisiert. Der Bürgermeister etwa schickte einen Postwurf an alle Haushalte. Und auch die Gegner waren mit Hausbesuchen sehr aktiv. Dieses Aufrütteln der Bevölkerung von beiden Seiten zeigte augenscheinlich auch Wirkung. Kleiner betont allerdings, dass es im Gemeinderat eine Mehrheit für das Projekt gibt. Auch die Jury-Vertreter der Gemeinde waren für die Pläne Gassers.

Man darf gespannt sein, wie der Gemeinderat mit dem Ergebnis umgehen wird.


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