Impfgipfel fixiert: Offensive in den Tiroler Gemeinden gegen die Impf-Müdigkeit

Beim Impfgipfel mit dem Gemeindeverband werden am Dienstag niederschwellige Impf-Aktionen in Kommunen mit besonders niedriger Durchimpfung geplant.

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Großer Aufholbedarf besteht auch in der jüngeren Altersgruppe, hier sind erst 27 Prozent der 12- bis 30-Jährigen vollständig geimpft.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Seit Wochen gibt es in Tirol mit den Impfungen ohne Anmeldung ein niederschwelliges Angebot. Doch zuletzt hat sich das Tempo deutlich verlangsamt, vom Ziel einer 70-prozentigen Vollimmunisierung der impfbaren Bevölkerung ist das Land noch ein großes Stück entfernt. Derzeit trifft das auf 55 Prozent zu. Das alles bereitet der Politik doch ziemliche Sorgenfalten, hat das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen ja wieder zugelegt. Zuvor waren die Zahlen der Neuansteckungen kontinuierlich gesunken.

„Wir merken, dass mit dem Rückgang der Infektionszahlen auch die Motivation zurückgegangen ist, sich impfen zu lassen. Nun geht es darum, in allen Teilen Tirols ein niederschwelliges, wohnortnahes Impfangebot zu schaffen und alle zu motivieren, sich impfen zu lassen“, betont Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Vor allem in den Gemeinden gibt es große Unterschiede. Angesichts der Durchimpfung im Bezirk Schwaz sind die Impfzahlen noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn Schwaz hat die Impfquote erhöht, diese ist aber mehr als ausbaufähig.

Aufholbedarf bei den Jungen

Gemessen an der Gesamtbevölkerung liegt die Vollimmunisierung – beide Corona-Schutzimpfungen – in 19 Gemeinden unter 40 Prozent, in 41 zwischen 40 und 45 Prozent und in 81 auch noch unter 50 Prozent. Lediglich in 58 Kommunen sind mehr als 55 Prozent der Gemeindebürger vollständig geimpft. Nimmt man die impfbare Bevölkerung ab zwölf Jahren als Maßstab, ist die Impfrate natürlich höher.

Trotzdem: Vor allem in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen gibt es noch viel Nachholbedarf. Darüber soll jetzt auch bei einem Impfgipfel mit dem Gemeindeverband am Dienstag gesprochen werden. Im Mittelpunkt des Treffens steht deshalb eine Analyse der Gemeinden mit anschließender Planung der Impfaktionen und Sensibilisierung der Gemeinden. In Dörfern mit besonders niedriger Durchimpfung wird ein Impfangebot geplant. Platter: „Nur so kann man sich und seine Umgebung am besten gegen das Virus schützen.“

💉 Tirol impft

Flexible Impftermine: Ab Mitte August können Erst- und Zweit­impftermine sowie der gewünschte Impfstoff auf www.tirolimpft.at individuell flexibel gebucht werden – ähnlich dem aktuellen System von „Tirol testet“ für Antigen-Testungen.

Zusammenlegung der Impfzen­tren: Ab 1. September werden die aktuell zehn Impfzentren auf fünf zusammengeführt. Impfmöglichkeiten stehen dann in Innsbruck, Imst, Wörgl, Reutte und Lienz zur ­Verfügung. Terminbuchungen auf www.tirolimpft.at sind ab jetzt nur noch für die neuen Standorte möglich.

Informationen zum Impfen: Alle Informationen zum Impfen ohne Anmeldungen sind auf go.tt.com/impfen-tirol zu finden.

Differenziert beurteilt Gesundheits-LR Annette Leja (ÖVP) die Entwicklung: „Die Durchimpfungsrate bei der Altersgruppe über 60 Jahre ist tirolweit mit rund 84 Prozent schon sehr gut. Bei den Jüngeren gibt es durchaus noch Potenzial.“ Das Land nehme die Situation sehr ernst und werde künftig auch vermehrt auf gezielte regionale Initiativen, besonders in Gemeinden mit bisher niedriger Durchimpfungsrate, setzen. „Das Land Tirol wird auch weiterhin den Weg der Aufklärung und Motivation innerhalb der Bevölkerung forcieren“, fügt Leja hinzu.

Martin Schmidt, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Lienz, appelliert an die jungen, noch nicht geimpften Tirolerinnen und Tiroler, sich impfen zu lassen. „Aktuell sehen wir, dass sich in den nicht-geimpften Bevölkerungsgruppen die Covid-19-Infektion rasant ausbreitet. Betroffen sind dabei insbesondere junge, nicht-geimpfte Personen.“


📽️ Video | Diskussion im TT-Studio: Gegen generelle Impfpflicht, aber für Impfung


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