Huawei FreeBuds 4 im Test: Was die neue Kopfhörer-Generation kann

Die neuen Kopfhörer von Huawei versprechen eine hohe Soundqualität mit dazugehörigem Tragekomfort: Wir haben die FreeBuds 4 auf Herz und Nieren getestet. Neben überzeugender Features gibt es aber auch kleinere Schwächen.

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Die neuen FreeBuds 4 von Huawei gibt es in der Farbe Silver Frost (Bild) und Ceramic White.
© TT/Perktold

Innsbruck – Aus dem Alltag sind kabellose Kopfhörer mittlerweile kaum noch wegzudenken. Egal ob im Büro, in Bahn und Bus oder auf der Joggingstrecke: Überall tummeln sich Menschen mit den kleinen Steckern in den Ohren. Mittlerweile bekommt man die praktischen Kopfhörer in allen Preis- und Qualitätsklassen. Der Trend geht in Richtung In-Ear: Namhafte Hersteller setzen wegen der Soundqualität und der Geräuschunterdrückung fast nur noch auf die kleinen Knöpfe im Ohr.

Umso erstaunlicher, dass sich der Hersteller Huawei dem entgegensetzt und seine neuesten Kopfhörer – die vierte Generation der FreeBuds – in halboffener Hörer-Bauform produziert. Nur soviel vorweg: Das ist kein Nachteil. Huawei bewirbt die FreeBuds 4 mit hoher Soundqualität und Tragekomfort – und beides lässt sich auch mit der halboffenen Form erzielen.

Mit dem richtigen Sound im Ohr

Die Soundqualität der FreeBuds 4 ist im Test tatsächlich besser als erwartet. Sowohl bei Musik als auch bei Hörspielen lässt das Klangerlebnis nicht zu wünschen übrig, zumindest, solange man bei normalen/leiseren Klängen bleibt. Der 14,3 Millimeter große Treiber in jedem Kopfhörer versorgt die Buds mit immersivem Klang und bietet durch einen Frequenzbereich von bis zu 40 kHz einen abgerundeten Sound. Die Bassverstärker sind ausreichend. Wenn man bei seinem Lieblingssong aber mal etwas lauter aufdreht, müssen sich die Kopfhörer gegen die In-Ear-Konkurrenz geschlagen geben.

Überzeugend ist dafür die Qualität bei der Aufnahme von Nachrichten oder bei Sprachnachrichten über das Smartphone: Die Stimme ist klar zu vernehmen. Dafür sorgt nicht zuletzt die 48 kHz HD-Aufnahmefunktion der Buds. Mit dem Umgebungsmodus können beliebige Hintergrundumgebungen geschaffen werden, egal wo man sich selbst befindet. Im Alltag kann die Aufnahmefunktion auf einem Spielplatz durchaus überzeugen, die Nachricht kommt trotz der lauten Umgebungsgeräusche verständlich beim Adressaten an.

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Leicht in der Hand und im Ohr

Überraschend leicht liegen die FreeBuds 4 nicht nur in der Hand sondern sitzen so auch im Ohr: Man merkt kaum, dass man sie trägt. Dennoch halten sie bombenfest, was im Testzeitraum über mehrere Wochen auch beim Laufen, Mountainbiken und Gewichteheben auf Herz und Nieren getestet wird. Während sich vergleichsweise Produkte vor allem nach längeren oder intensiveren Sporteinheiten gerne mal lockern, bleiben die FreeBuds, wo sie hingehören. Sie sind dabei wirklich bequem. Nachteilig bei den Leichtgewichten ist allerdings, dass man sie schon mal vergisst und sie daraufhin hinunterfallen können, wenn man sich umzieht oder die Haare hinters Ohr streichen will.

Die Kopfhörer sind richtige Leichtgewichte.
© TT/Perktold

Huawei wirbt mit einer Adaptive Ear Matching (AEM) Technologie, was nichts anderes heißen soll, als dass die Buds so geformt sind, dass sie sich ergonomisch an die Ohrform des Nutzers anpassen. Außerdem soll durch die Form ein optimaler Druckausgleich herrschen, was sich im Test nur bestätigen lässt. In-Ear-Kopfhörer sorgen mitunter dafür, dass der Druckausgleich nicht mehr stattfinden kann. Das kann ein großer Kritikpunkt sein, vor allem wenn man beim Sport oder im Straßenverkehr unterwegs ist. Durch die Bauform der FreeBuds ist die Geräuschunterdrückung nicht so stark gegeben wie bei den In-Ear-Modellen. Gerade im Alltag ist das aus Sicherheitsgründen aber sicherlich kein Nachteil.

Je enger der Sitz der Ohrhörer ist, desto größer übrigens der Effekt der Geräuschunterdrückung. Es wird empfohlen, beim Tragen der Ohrhörer einen engen Sitz beizubehalten, um den Geräuschunterdrückungseffekt zu maximieren.

Laufzeit über mehrere Stunden

Praktisch an den Kopfhörern: Sie sind sehr leicht und sitzen bequem im Ohr.
© TT/Perktold

Eine der wichtigsten Eigenschaften von guten In-Ear-Kopfhörern ist die Laufzeit. Was bringt einem die beste Soundqualität, wenn der Kopfhörer schon nach kurzer Zeit aufgibt, weil der Akku leer ist? Die Laufzeiten von Bluetooth-Kopfhörern auf dem Markt weisen hier aktuell schon gute Werte auf. Auch Huawei will da mithalten: Mit bis zu vier Stunden dauerhafter Wiedergabe bei deaktivierter ANC-Funktion und bis zu 22 Stunden Akkulaufzeit im kompakten Auflade-Case sollen die FreeBuds der ideale Begleiter für den Alltag sein. Tatsächlich geben die kleinen Soundhelfer im Test nicht so schnell auf wie billigere Produkte, allerdings sind die Laufzeiten doch nur mittelmäßig. Als besonders praktisch erweist sich hier aber die Schnellladetechnologie: Sind die Kopfhörer doch einmal leer, reicht eine Ladezeit von einer Viertel Stunde, um sie für weitere 2,5 Stunden aufzuladen.

Ein weiterer Kritikpunkt, den Huawei bei der Entwicklung berücksichtigen hätte können: Bei den FreeBuds weist keine Ansage darauf hin, bis zu welchem Stand die Kopfhörer jeweils geladen sind. Diese Infos sind zwar in der App einsichtlich, der knappe Akkustand zeigt sich zudem am Ladecase mit einem wechselndem Licht, aber selbst billige China-Produkte bieten derartige praktische Features via Ansage über die Kopfhörer bereits an. Es wäre also durchaus wünschenswert, dass hier nachgerüstet wird.

Intuitive Bedienung mit kleinen Schwächen

Seien wir ehrlich: Einfache intuitive Bedienung macht Produkte erst so richtig interessant. Huawei hat bei den FreeBuds 4 mit einer Touch-Funktion mitgedacht. Die Kopfhörer lassen sich wirklich einfach steuern: Schiebt man entlang des Stils nach oben oder unten, kann man die Lautstärke regeln, tippt man einmal drauf, kann man den laufenden Track pausieren bzw. bei neuerlichem Draufklicken wieder einschalten (bzw. auch Anrufe annehmen oder ablehnen). Mit Doppelklick lässt sich das Noice-Cancelling (ANC) aktivieren. Soweit, so gut.

Im Test reagiert die Funktion sehr sensibel und gut, allerdings nicht unfehlbar: So funktioniert die Bedienung mit schwitzigen, feuchten Händen nicht immer auf Anhieb. Während sportlicher Betätigung ist die Funktion dann wieder übersensibel: Mitunter kommt es vor, dass sich die Kopfhörer selbst umschalten, obwohl man nicht einmal in die Nähe fasst. Auch das Noice-Cancelling aktiviert und deaktiviert sich manchmal von selbst, wenn man etwa mit dem Bike über holprige Wege fährt oder beim Laufen über Hindernisse springt. Selbiges passiert mit der Laut-/Leise-Funktion.

Dafür bieten die FreeBuds eine intelligente Trageerkennung, die sich im Alltag als sehr praktisch erweist: Ist die Funktion aktiviert, pausiert das abgespielte Musik- oder Hörspiel-Stück, sobald man die Hörer aus dem Ohr nimmt. Setzt man sie innerhalb von drei Minuten wieder auf, spielt der Track nahtlos weiter.

Aus dem Case nehmen und loslaufen

Die Inbetriebnahme der FreeBuds 4 ist unkompliziert: Es ist empfehlenswert, die neueste Version der Huawei AI Life App herunterzuladen und die Buds damit zu koppeln. Dann laufen die Programme automatisch im Hintergrund und die Kopfhörer lassen sich sofort nutzen. Durch verschiedene Verbindungsformen, wie Proximity Pairing, Dual-Device-Pairing2 oder Pairing über gemeinsam genutzte Cloud-Informationen können die Huawei FreeBuds 4 bereits mit zwei Geräten gleichzeitig gekoppelt werden. In der App können alle gekoppelten Geräte an einer zentralen Stelle verwaltet und Audiosignale zwischen ihnen übertragen werden. Die Buds wurden im Test mit einem iOS-System gekoppelt, was keinerlei Probleme verursacht hat. Auch mit anderen Android-Geräten lassen sich die Buds unkompliziert und schnell koppeln. Aber Achtung: Bei Tablets und Mobiltelefonen ist die Pop-up-Pairing-Funktion nur auf Huawei-Geräten verfügbar, auf denen EMUI 10 (oder höher) läuft. Für Laptops ist die Funktion derzeit nur auf dem Huawei MateBook 16 mit PC Manager 11.0.9 (oder höher) verfügbar.

Fazit

Die FreeBuds 4 sind durchaus eine Überlegung wert, vor allem, wenn man mit den Trageeigenschaften von In-Ear-Kopfhörern nicht klarkommt und dennoch auf guten Klang nicht verzichten will. Die Klangqualität ist für diese Preisklasse gut, der Tragekomfort überragend. Sowohl Auflade-Case als auch Kopfhörer sind so leicht, dass man sie bedenkenlos überall hin mitnehmen kann. Auch wenn die Touch-Bedienung im Alltag noch Schwächen aufweist, überwiegt das Praktische daran. Die Steuerung über den Stil der Kopfhörer ist eines der stärksten Kaufargumente für die FreeBuds 4. Schade ist nur, dass Huawei keine längere Akkulaufzeit hinbekommen hat: Denn durch die bequeme Konstruktion hat man die Buds schon mal länger im Ohr als geplant. Häufiges Nachladen wird da wohl die Folge sein. (TT.com/rena)

Nähere Informationen zu den FreeBuds 4

Verkauf. Die Huawei FreeBuds 4 sind bereits im Handel erhältlich. Im Aktionszeitraum bis zum 22. August gibt es beim Kauf der Huawei FreeBuds 4 zusätzlich den smarten Aktivitätstracker Huawei Band 4 dazu.

Preise. Der unverbindliche Richtpreis liegt in Österreich laut Hersteller bei 129 Euro.

Farben. Die Huawei FreeBuds werden in den Farben Silver Frost und Ceramic White angeboten. Ohrstöpsel und Ladecase sind aus Kunststoff.

Verfügbarkeit. Die Buds sind ab sofort im Handel erhältlich.

Zusätzliche Informationen unter: https://consumer.huawei.com/at/audio/freebuds4/


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