Geliebt und kritisiert: Reizfigur Herzogin Meghan wird 40

Sie gilt als die etwas andere Royal: Herzogin Meghan. Für britische Medien trägt sie Schuld am Riss innerhalb der Royal Family, in ihrer Heimat USA wird sie hingegen als Rassismusopfer und Vorkämpferin für Frauenrechte unterstützt. Nun wird die Ex-Schauspielerin 40.

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Meghan Markle wird am Mittwoch 40 Jahre alt.
© MICHELE SPATARI

Von Benedikt von Imhoff und Benno Schwinghammer, dpa

Santa Barbara (Kalifornien)/London – Nur wenig mehr als zwei Jahre war Meghan Markle aktives Mitglied des britischen Königshauses – dennoch war es der wohl folgenreichste Abschnitt der jüngeren Geschichte für die Royal Family. Spätestens seit dem „Megxit", wie der royale Abschied von Meghan und ihrem Mann Prinz Harry genannt wird, tobt die Debatte über die Deutungshoheit von Meghans Zeit im Palast. Am Mittwoch (4. August) wird die engagierte Kämpferin für Frauenrechte 40 Jahre alt.

Seit der royalen Hochzeit 2018 ist viel passiert.
© BEN STANSALL

Verkündung der Verlobung mit Queen-Enkel Harry am 27. November 2017, Hochzeit am 19. Mai 2018, Geburt von Söhnchen Archie am 6. Mai 2019 – und Auszug aus dem Palast im Jänner 2020: Meghans kurze Zeit in der Royal Family wirkt wie ein Wirbelsturm. Schon früh begeisterte die dynamische junge Frau die Royals-Fans mit ihrem selbstbewussten, frischen Auftreten. Gemeinsam mit Harrys Bruder Prinz William und dessen Frau Herzogin Kate wurde das Paar in der Öffentlichkeit als „Fab Four" gefeiert, als fantastische Vier. Auf dem Quartett ruhten die Hoffnungen für eine Modernisierung des Königshauses.

Klare Fronten zwischen Team Meghan und Team Windsor

Doch mittlerweile könnte der Graben kaum tiefer sein. Die Ex-Schauspielerin („Suits") wohnt bereits seit einiger Zeit mit Harry (36) und den Kindern Archie (2) und Baby Lilibet weit weg von Windsor, in Kalifornien. Mit ihrem Auszug in Meghans Heimat USA haben der Herzog und die Herzogin von Sussex bei Harrys geliebter Großmutter Queen Elizabeth II. für Ärger gesorgt, zwischen den einst vertrauten Brüdern soll eisige Stimmung herrschen. Dass Meghan und Harry seitdem in aller Öffentlichkeit, etwa im viel beachteten TV-Interview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey, regelmäßig die Royal Family kritisieren, hat die Spannungen deutlich verstärkt. Meghan wiederum, mit Harry eng an ihrer Seite, fühlt sich von den Royals allein gelassen, im Oprah-Interview beklagte sie unmenschlichen Druck und Rassismus und sprach über Suizidgedanken.

Auf den „Fab Four" ruhten viele Hoffnungen, nun könnten die Graben kaum tiefer sein.
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Team Meghan oder Team Windsor – die Fronten sind klar verteilt. Dabei kommt es zu einer interessanten geografischen Verteilung, denn die Wahrnehmung ist in den USA und Großbritannien völlig konträr. „Amerikaner nehmen Meghan Markle als Rassismusopfer wahr", sagt die Promi-Expertin Ashley Pearson in der Dokumentation „Meghan at 40: The Climb to Power", die der britische Sender Channel 5 kurz vor dem Geburtstag ausstrahlte. Für Briten wiederum sei Meghan eine Narzisstin, die den geliebten Harry entführt habe.

Das Oprah-Interview hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt.
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Das spiegelt sich in den Reaktionen wider: Sängerin Beyonce bedankte sich bei Meghan für deren Mut. „Wir alle sind gestärkt und inspiriert von Dir", schrieb sie auf ihrer Webseite. Auch die frühere First Lady Michelle Obama stärkte Markle den Rücken. In Großbritannien waren solche Stimmen kaum zu hören, aus dem Palast kamen höchstens Verteidigungsbotschaften.

Der Unterschied in der Wahrnehmung auf beiden Seiten des Atlantiks dürfte vielfältige Gründe haben. Auffallend ist dabei vor allem, dass die Zeiten des royalen Aufruhrs in die Zeit der größten Rassismus-Debatte in den USA seit Jahrzehnten fielen. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai 2020 führte zu einer Sensibilisierung bezüglich alltäglicher und struktureller Diskriminierung. So auch bei der Behandlung der US-Amerikanerin Markle in Teilen der britischen Presse, deren Berichte von vielen Amerikanern als rassistisch wahrgenommen wurden. Meghans Mutter ist schwarz.

Meghan setzt sich für Frauenrechte und gegen Rassismus ein.
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Zudem sind Vorbehalte gegen das britische Königshaus als ewig gestrige Institution in den Vereinigten Staaten, die ihren Unabhängigkeitskrieg gegen das Vereinigte Königreich führten, weit verbreitet. Das ist für viele ein weiterer Grund, sich auf die Seite derer zu schlagen, die Windsor den Rücken zudrehen und Amerika als modernere Heimat bevorzugen. In Kalifornien kommen Meghan und Harry gut an, sie wirken locker und zugleich bescheiden.

Versöhnung möglich, aber neue Aufregung in Sicht

Der Zusammenprall zwischen den Traditionen des Palastes und Meghan, die Wert auf Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit legt und dafür anfangs vom Palast gelobt wurde, war vermutlich unausweichlich. Sie sei aber nicht die Böse, gibt Royals-Expertin Emily Andrews zu bedenken – und auch der Begriff „Megxit" sei falsch, weil er Meghan als Drahtzieherin verurteile. „Die Samen waren schon gepflanzt, Harry wollte raus", sagt Andrews. Die teils rassistischen Angriffe gegen Meghan gaben ihm lediglich einen Grund. Harry wollte mit dem Auszug vor allem seine Familie beschützen. Das ist eine Konsequenz aus den Erfahrungen seiner Mutter Prinzessin Diana, die 1997 von Paparazzi verfolgt tödlich verunglückte.

Harry und Meghans Ebenbilder in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett.
© TOLGA AKMEN

Eine Versöhnung zwischen Windsor und Kalifornien ist nach wie vor möglich, die Queen selbst soll daran interessiert sein. Angeblich will sie Harry und Meghan zu ihrem Platin-Jubiläum 2022 einladen, dann sitzt sie seit 75 Jahren auf dem Thron. Fraglich ist nur, ob Störfeuer bis dahin ausbleiben. Neue Aufregung ist aber bereits in Sicht: Harry hat für 2022 seine Memoiren angekündigt.

Meghan startet zum Geburtstag Mentoring-Programm

Zu ihrem 40. Geburtstag hat Herzogin Meghan ein Mentoring-Programm ins Leben gerufen. „Beim Nachdenken über meine 40. Runde um die Sonne habe ich mich gefragt: Was wäre, wenn wir alle 40 Minuten aufbringen würden, um jemand anderem zu helfen oder jemanden in Not zu betreuen? Und was wäre, wenn wir unsere Freunde bitten würden, das Gleiche zu tun?", schrieb sie am Mittwoch in einem Beitrag auf der Internetseite der mit Prinz Harry gegründeten Organisation „Archewell".

Sie habe 40 Freunde, Aktivisten, Athleten, und Künstler gebeten, 40 Minuten ihrer Zeit zu investieren und damit Frauen zu helfen, wieder in die Arbeitswelt einzutreten. Millionen Frauen – darunter mehr als zwei Millionen in den USA – hätten durch die Corona-Pandemie ihre Jobs verloren. Für sie sei es oft schwieriger als für Männer, wieder ihren Platz im Arbeitsmarkt zu finden. Außerdem schulterten viele von ihnen den Großteil der unbezahlten Arbeit. Auf der „Archewell"-Seite können Freiwillige sich als Mentoren oder Mentorinnen eintragen und angeben, wie sie ihre 40 Minuten investieren möchten. (APA/dpa)


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