Gut zu wissen: Die Corona-Maßnahmen für das neue Schuljahr auf einen Blick

Das neue Schuljahr startet größtenteils so, wie das letzte geendet hat: In einer drei wöchigen „Sicherheitsphase" müssen alle Schüler dreimal testen und abseits der Klasse Maske tragen. Danach sollen die 3G-Regel sowie eine dreistufige Sicherheitsregelung greifen. Alle Maßnahmen im Überblick.

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Zu Schulbeginn wird drei Wochen lang dreimal wöchentlich getestet: Sowohl mittels Antigen- als auch PCR-Test – unabhängig davon, ob die Schüler geimpft sind.
© Julian Stratenschulte

Wien – Großflächige Schulschließungen und Schichtbetrieb sind für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) trotz erneut steigender Corona-Infektionszahlen im kommenden Schuljahr keine politische Option mehr. Die ursprünglich zweiwöchige „Sicherheitsphase" zu Schulbeginn wird von zwei auf drei Wochen verlängert. In dieser Zeit müssen alle Schüler und Lehrkräfte unabhängig vom Impfstatus dreimal pro Woche einen Corona-Test absolvieren. Anschließend hängt die Testpflicht von der Risikolage ab, und es gilt bei entsprechendem Risiko die 3G-Regel. Zudem geplant sind ein Frühwarnsystem, niederschwellige Impfangebote per Impfbus und die Installation von Luftfiltern.

📽 Video | Faßmann präsentiert Schul-Maßnahmen

💦 TESTEN

In den ersten drei Schulwochen müssen alle Schüler und Lehrer unabhängig von ihrem Impfstatus dreimal wöchentlich testen. Ein Test davon muss ein PCR-Test sein. Typisches Testregime: Am Montag werden sowohl ein anterio-nasaler Antigentest (Ergebnis gleich nach rund 15 Minuten) als auch ein PCR-Test (Ergebnis am Dienstag) absolviert. Nach Ablauf der 72-stündigen Gültigkeit des PCR-Tests folgt am Donnerstag wieder ein Antigentest.

Bei geimpften Lehrern reichen drei Antigen-Tests an der Schule, ungeimpfte müssen neben zwei Antigentests einmal pro Woche einen externen PCR-Test bringen.

Schüler können sowohl ihre PCR-Tests als auch die Antigentests an der Schule machen, Lehrer müssen externe PCR-Tests bringen. Die PCR-Tests werden durch Spülen absolviert. Dabei wird mit einer Kochsalzlösung rund 30 Sekunden gespült – die Lösung wird dann in die Eprouvette zurückgespuckt, der Behälter verschlossen und mit einem QR-Code beklebt. Die Eprouvette kommt dann in ein Sackerl, dieses wiederum in ein Klassensackerl und letzteres in ein Schulsackerl.

Die Rückmeldung über die Testergebnisse geht an den Schulleiter, der wiederum die Klassenvorstände bzw. Klassenlehrer informiert und diese die jeweiligen Schüler. Negative Testergebnisse werden wieder in den Ninjapass eingetragen, der weiter als Zutrittsberechtigung für Gastro und Co. gilt. Dieses System soll Datensicherheit garantieren: Zu welcher Person der jeweilige QR-Code gehört, verbleibe an der Schule, so Faßmann.

⚠️ Drei Sicherheitsstufen

Nach Ende der Sicherheitsphase wird es drei unterschiedliche „Sicherheitsstufen" geben, die auf Basis der bundesländerweisen Empfehlungen der Corona-Kommission erfolgen. Darüber hinaus kann das Bildungsministerium auf Schul- oder Bezirksebene weitere Maßnahmen erlassen.

  • Liegt die risikoadjustierte 7-Tage-Inzidenz (einbezogen werden neben den Infektionszahlen auch die Zahl der Tests, die Aufklärungsrate, die Symptomatik und Dynamik des Infektionsgeschehens) unter 100 (geringes Risiko), müssen Schüler nur freiwillig testen – in diesem Fall gilt also die 3G-Regel für sie nicht. Maskenpflicht besteht keine, ungeimpfte Lehrer müssen aber immer ein gültiges Testzertifikat vorweisen, wobei einmal pro Woche ein externer PCR-Test gebracht werden muss. Regional können aber bei entsprechend hohen Infektionszahlen Tests für Schüler auch verpflichtend angeordnet werden.
  • Bei einer Inzidenz zwischen 100 und 199 (mittleres Risiko) müssen ungeimpfte Schüler dreimal wöchentlich zum Test, wobei einer ein PCR-Test sein muss. Ungeimpfte Lehrer müssen wie bei geringem Risiko immer ein gültiges Testzertifikat vorweisen, wobei einmal pro Woche ein externer PCR-Test gebracht werden muss. Außerdem müssen alle Schüler und Lehrer (unabhängig vom Impfstatus) außerhalb der Klasse Mund-Nasen-Schutz tragen.
  • Bei einer risikoadjustierten Inzidenz über 200 (hohes Risiko) muss zusätzlich ab der neunten Schulstufe die Maske auch im Unterricht getragen werden, gleiches gilt für Lehrer.

Schulveranstaltungen können bei geringem Risiko durchgeführt werden, ab mittlerem Risiko nur nach Risikoanalyse. Bei hohem Risiko sind Schulveranstaltungen untersagt, Konferenzen und Sprechstunden dürfen nur digital stattfinden.

Singen und Turnen muss ab mittlerem Risiko möglichst im Freien stattfinden – ist das nicht möglich, müssen Sicherheitsabstände eingehalten werden.

Schulfremde Personen, also etwa Sportvereine, brauchen für das Betreten des Schulgebäudes einen 3G-Nachweis und müssen durchgehend eine Maske tragen, bei hohem Risiko sind Kooperationen mit Externen überhaupt untersagt.

🏠 QUARANTÄNE

Einheitliche Quarantäneregeln bei Infektionsfällen wird es laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) nicht geben. Die Entscheidung, welche Schüler bei einer Corona-Infektion in der Klasse daheimbleiben müssen, treffe die lokale Gesundheitsbehörde. Es gebe aber die Empfehlung, geimpfte Schüler als K2-Personen einzustufen – diese könnten also trotz Corona-Infektion eines Klassenkollegen weiter in die Schule gehen. Es werde allerdings einen Unterschied machen, ob es nur eine Infektion in der Klasse gebe oder 18 von 20 Kindern infiziert seien, so Mückstein.

🚨 FRÜHWARNSYSTEM

Das Ministerium setzt hier auf zwei Schienen: Von Technischer Uni (TU) Wien und Uni Innsbruck werden bei 116 Kläranlagen Abwasseranalysen durchgeführt, um das Virus bereits vor statistischer Erfassung der Infektionen nachzuweisen. Vom Einzugsgebiet der Kläranlagen sind 75 Prozent der Schüler umfasst. Gibt es ein erhöhtes Risiko, werden Schulen und Kindergärten vorgewarnt, um regional reagieren zu können, etwa mit Tests oder Maskenpflicht.

📽 Video | Abwasseranalysen sollen Beitrag zu offenen Schulen leisten

Zusätzlich werden an 300 „Sentinel-Schulen" („Wächterschulen") regelmäßig PCR-Tests durchgeführt. Zeigen diese eine ansteigendes Risiko, werden Einzeltestungen bei allen Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Diese ersetzen die bisherige Gurgelstudie, Ergebnisse sollen deutlich schneller vorliegen.

💉 IMPFEN

Um ein niederschwelliges Angebot für Schülerinnen und Schüler ab 12 zu schaffen, sollen die Standorte von Impfbussen angefahren werden. Die ersten 30 Busse sollen bereits während der Sommerschule in den letzten beiden Ferienwochen im Einsatz sein.

😷 MASKEN

Bereits fix ist, dass Schülerinnen und Schüler in den ersten drei Schulwochen abseits des Klassenzimmers Maske tragen müssen – also sobald sie in Bewegung sind. Ungeimpfte Lehrer müssen während der Sicherheitsphase auch im Klassenraum Maske tragen. Bei Gruppenarbeiten können Lehrer aber wie schon bisher zeitlich begrenzt MNS anordnen.

💨 LUFTFILTER

Wo Lüften nicht oder nur schwer möglich ist, sollen Luftreinigungsgeräte zum Einsatz kommen. Derzeit wird erhoben, an welchen Standorten Lüften aufgrund der baulichen Gegebenheiten oder der Fensterkonstruktion nicht möglich ist. Auch etwa in Musikzimmern sind Luftfilter eine Option. Der Bund wird die Anschaffung der Geräte durch die Schulerhalter subventionieren, bis zu 10 Mio. Euro stehen dafür zur Verfügung.

Die Luftfilter würden aber weder Testen, Masken noch Impfungen ersetzen können, meinte Faßmann – „und schon gar nicht das Lüften". Da sie keine Frischluft zuführen und auch den CO2-Gehalt nicht senken, seien sie auch „keine Dauerlösung". Mittelfristig sollen daher bei allen Sanierungen und Neubauten mechanische Raumluftanlagen in Schulgebäuden installiert werden.

Das Interesse der Schulerhalter an den mobilen Lufreinigungsgeräten sei laut Faßmann „geringer als erwartet" gewesen. Bei einer Erhebung wurde nur Bedarf nach rund 4000 Geräten angemeldet. Deren Auslieferung soll nun im September beginnen. (TT.com, APA)


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