Reine Nervensache: Tiroler Schubert klettert heute im Olympia-Finale um Gold

Das Olympia-Finale der Kletterer am Donnerstag in Tokio (ab 10.30 Uhr MESZ) verspricht eine Hängepartie zu werden. Der Tiroler Jakob Schubert darf hoffen und bei der Premiere seiner Sportart bei Sommerspielen mit Edelmetall spekulieren.

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Jakob Schubert klettert in Tokio um eine Medaille.
© JEFF ROBERSON

Tokio – Reine Nervensache! Der Titel des US-amerikanischen Spielfilms mit Robert De Niro und Billy Crystal in den Hauptrollen könnte stellvertretend für das Olympia-Finale der Kletterer stehen. Die Hauptrolle übernimmt aus heimischer Sicht der Tiroler Jakob Schubert. Der Weltmeister stieg am Dienstag als Gesamtvierter der Qualifikation problemlos auf und spekuliert in der Kombination aus Speed, Bouldern und Vorstieg (Lead) zu Recht mit einer Medaille.

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Rückblickend war wohl auch der Vorkampf eine Nervensache für Schubert, musste er doch in seiner Paradedisziplin Lead abliefern. Denn nach dem starken Auftritt im Speed mit persönlicher Bestzeit lief es in der „extrem unangenehmen“ Boulderrunde überhaupt nicht. „Nichts, wo man mal ein paar Züge machen konnte, immer alles gleich bamm“, ärgerte er sich.

🧗‍♂️⌚ Kletter-Finale Männer - Zeitplan

  • 10.30 Uhr Speed
  • 11.30 Uhr Bouldern
  • 14.10 Uhr Vorstieg

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Dadurch seien die Pausen extrem kurz gewesen, er habe immer nur versucht, sich rasch abzukühlen. „Am zweiten Boulder hat man auf einem kleinen Tritt stehen müssen, der Fuß war schon so unglaublich heiß, dass man einen viel schlechteren Halt hatte. Da hatte ich zu kämpfen.“ Nach dem Top am letzten Boulder habe er etwas aufatmen können. Denn auf seine Lead-Leistung könne er sich normalerweise verlassen. Und dem war auch am späten Dienstagabend so. „Das war die Megaerleichterung. Es taugt mir, dass ich mit so einer guten Performance den Tag beenden konnte.“

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Nun fängt alles wieder bei Null an

Bis zum Ende des Bewerbs habe er aber nicht gewusst, ob er die Zone am ersten Boulder gutgeschrieben bekam, was nach Einspruch der Trainer passierte.

Nun fange es wieder von null an. „Das ist speziell bei uns, denn das Finale ist komplett was anderes. Denn auf einmal kann man nur noch schlechtestenfalls Achter werden in einer Disziplin. Und das Bouldern kann eine ganz andere Runde sein und mir viel mehr entgegenkommen.“ Wie beispielsweise bei Qualifikationssieger Mickael Mawem aus Frankreich, der mit dem Boulder-Erfolg überraschte. „Er gewinnt nicht jeden Tag die Boulderrunde, es ist ihm enorm gelaufen.“

Das ist speziell bei uns, denn das Finale ist komplett was anderes. Denn auf einmal kann man nur noch schlechtestenfalls Achter werden in einer Disziplin. Und das Bouldern kann eine ganz andere Runde sein und mir viel mehr entgegenkommen.
Jakob Schubert, Kletterprofi

Mit Blick auf das Ergebnis stellte Schubert fest, dass es die „ganz großen Favoriten alle geschafft haben, auch wenn sich alle ein bisserl ein Hoppala geleistet haben“. Zu den Goldanwärtern zählt er den Japaner Tomoa Narasaki und den Tschechen Adam Ondra. Dass er diese im Vorstieg hinter sich lassen habe können, gebe Auftrieb. Jetzt sei es enorm wichtig, sich von dem Tag zu erholen. „Er war mental extrem zäh und physisch natürlich auch. Vor allem wegen der Hitze.“

Zudem habe man erst wenige solcher Kombibewerbe gehabt. „Es ist auch für uns ein neue Disziplin, ich habe gemerkt, wie zäh es ist, diese drei Runden zu klettern. Und bei Olympia ist es nochmals zäher, weil man mental die ganze Zeit so unter Anspannung ist. Ich war schon sehr nervös, wollte unbedingt die Quali überstehen und der Welt zeigen, dass ich ein guter Kletterer bin.“ Wahrscheinlich sei es der nervöseste Tag seiner Karriere gewesen.

Er freue sich auch, dass die „allerbesten Kletterer“ im Finale mit dabei sind und die ersten olympischen Medaillen gewinnen. „Am liebsten wäre mir, wir würden alle eine kriegen.“ Für das Finale wünscht er sich längere Boulder. „Das hat man in der Qualifikation nicht wirklich gesehen. Anscheinend wollten sie, dass unser Sport so präsentiert wird. Das passt, aber ein bisserl was Simples wäre auch lässig.“ (TT, APA)

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Das Format: Das so genannte „Olympic combined“ setzt sich aus den Disziplinen Speed, Bouldern und Vorstieg zusammen.

Die Disziplinen:

  • Speed: Hier geht es ausschließlich um die Zeit. Geklettert wird auf einer genormten Wand mit genormten Routen. Die Wand ist 15 Meter lang, fünf Grad geneigt, und zählt 25 Griffe und Tritte.
  • Bouldern: Klettern auf Absprunghöhe. Ein Boulder besteht aus wenigen, aber oftmals technisch oder körperlich anspruchsvollen Zügen. Vier Minuten bleiben pro Aufgabe für die Lösung Zeit. Je weniger Versuche, desto besser.
  • Vorstieg (Lead): Hier sind die Athleten durch ein Seil und einen Sicherungspartner gesichert. Die Athleten haben sechs Minuten Zeit, um im besten Fall das Top der Wand mit den verschiedensten Schwierigkeiten zu erreichen.

Medaillenarithmetik: Die Disziplinen-Ergebnisse der acht Finalisten werden miteinander multipliziert. Das erste Olympia-Gold der Geschichte geht an jenen Kletterer, der die geringste Punktezahl aufweist. Zwei konkrete Beispiele: Kletterer A kommt im Achter-Finale auf die Plätze 7 (Speed), 7 (Bouldern) und 1 (Vorstieg). Das bedeutet 7x7x1 = 49 Punkte. Kletterer B belegt die Ränge 4, 4, 4. Das bedeutet 4x4x4 = 64 Punkte. Das heißt, Kletterer A würde im Ranking vor Kletterer B liegen. Disziplinensiege (Multiplikator 1) könnten also buchstäblich Gold wert sein.


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