Verhaftungswelle vor Nicaragua-Wahl: Vize-Kandidatin unter Hausarrest

Quezada hatte sich erst am Montag als Kandidatin der Alianza CxL für das Amt des Vizepräsidenten eingetragen.

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Präsidentschaftskanidadt Oscar Sobalvarro und Berenice Quezada, die sich als Kandidatin der Alianza CxL für das Amt der Vizepräsidentin eingetragen hat.
© OSWALDO RIVAS

Managua – Erneut ist in Nicaragua eine Vertreterin der Opposition verhaftet und von der bevorstehenden Präsidentenwahl ausgeschlossen worden. Beamte des Justizministeriums und der Staatsanwaltschaft seien am Dienstagabend in Begleitung der Polizei zur Wohnung von Berenice Quezada gegangen und hätten erklärt, dass diese unter Hausarrest stünde, teilte das Parteienbündnis Alianza CxL (Allianz Bürger für die Freiheit) in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) mit.

Quezada, die 27 Jahre alte Siegerin des Schönheitswettbewerbs Miss Nicaragua 2017, hatte sich erst am Montag als Kandidatin der Alianza CxL für das Amt des Vizepräsidenten eingetragen. Als Präsidentschaftskandidat des rechtsgerichteten Bündnisses tritt an ihrer Seite Oscar Sobalvarro an, der in den 1980er Jahren als Contra-Kommandant "Ruben" gegen die linken Sandinisten des Präsidenten Daniel Ortega kämpfte, der seit 2007 erneut regiert.

300 Tote bei Demonstrationen 2018

Quezada wird laut Staatsmedien die Förderung terroristischer Handlungen vorgeworfen. Sie war demnach angezeigt worden, weil sie Demonstrationen gegen die Regierung 2018 verherrlicht haben soll.

Ab April 2018 hatten Hunderttausende Menschen zunächst gegen eine Sozialreform protestiert, später wurde unter anderem auch eine Neuwahl gefordert. Die Proteste wurden niedergeschlagen – es gab mehr als 300 Tote und Hunderte Festnahmen; mehr als 100.000 Nicaraguaner flüchteten ins Ausland. Die Regierung bezeichnet die Demonstrationen als Putschversuch.

Vor der am 7. November geplanten Wahl sind seit Juni sieben Präsidentschaftskandidaten und weitere Oppositionelle verhaftet worden. Bei fast allen beriefen sich die Sicherheitskräfte auf ein neues Gesetz. Wer demnach einen Staatsstreich anführt, zu ausländischer Einmischung anstiftet oder Sanktionen gegen Nicaragua gutheißt, wird als "Vaterlandsverräter" gebrandmarkt und darf nicht für ein gewähltes Amt kandidieren. Die Opposition wirft der autoritären Regierung vor, mögliche Rivalen und Kritiker aus dem Weg räumen zu wollen. (APA/dpa)


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