Marktschreiber lebt wieder auf: Flüchtling schreibt über St. Johann

Der Literaturverein lässt den traditionellen Marktschreiber wieder aufleben. Ein Syrer wird einen Monat St. Johann (er-)leben.

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Marktschreiber für das Jahr 2022: Omar Khir Alanam.
© Griletz

Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Es ist schon an die 15 Jahre her, dass es in der Marktgemeinde St. Johann einen Stadtschreiber gegeben hat, erinnert sich Beatrix Mitterweissacher, Obfrau des Literaturvereins St. Johann, zurück. „Die Idee des traditionellen Stadt- bzw. Marktschreibers des Mittelalters, der bei Ratssitzungen als Protokollführer diente, wird seit einigen Jahren wieder vermehrt aufgegriffen und neu definiert“, heißt es seitens des Literaturvereins St. Johann.

Auf dessen Einladung sollen nun wieder Schriftstellerinnen oder Schriftsteller einen Monat lang als Gäste in St. Johann verweilen. Ziel sei die Förderung von Literaten, die in ihren Arbeiten Innovationsfähigkeit und Gegenwartsbezug, ästhetische und sprachliche Qualitäten, Authentizität und künstlerische Eigenständigkeit beweisen. Ihre Anwesenheit in St. Johann soll dem kulturellen Austausch sowie der Interaktion mit der Literaturszene vor Ort dienen.

Für die Marktschreiberschaft, die im April 2022 beginnt, hat man den syrischen Schriftsteller Omar Khir Alanam ausgewählt. Er war aus Syrien zunächst in den Libanon, dann in die Türkei und danach nach Österreich geflüchtet. Er lebt mit seiner österreichischen Frau und seinem Sohn in Graz. In St. Johann ist er kein Unbekannter, war er am 8. Juni dieses Jahres doch zu Gast beim Literaturverein und hat aus seinem Buch „Sisi, Sex und Semmelknödel“ gelesen. Alanam ist Autor, Poetry-Slammer, Schauspieler und leitet Workshops, bei denen er Jugendlichen das Thema Integration näherbringt.

Das Stipendium kostet 2600 Euro netto (1200 bekommt der Literat) und ist an etliche Kriterien gebunden: u. a. an die Bereitschaft, Kontakte zur St. Johanner Bevölkerung zu knüpfen und eine Lesung und einen Workshop zu absolvieren. Gefordert ist aber auch eine kulturelle, persönliche oder sprachliche Affinität zu St. Johann.

„Ich hoffe, dass sich bis zum April auch noch ein Sponsor für das Stipendium bzw. ein Quartiergeber findet“, sagt Mitterweissacher.


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