Aufatmen nach Hochwasser in Süd- und Nordtirol, Wetterlage entspannt sich

Flüsse traten über die Ufer, Keller wurden überschwemmt und Straßen verlegt: Hunderte Helfer waren nach heftigen Regenfällen in Südtirol im Einsatz. Eine Mure ging gestern auch im Valsertal ab. Jetzt entspannt sich die Wetterlage.

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In Klausen trat der Eisack über die Ufer ...
© Dolomiten

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Vals, Bozen, Klausen – Enorme Mengen Regen, mancherorts bis zu 80 Liter pro Quadratmeter, gingen in der Nacht auf gestern in Südtirol nieder. Es kam wie erwartet, manche Bäche traten über die Ufer, Keller wurden geflutet, Schlammlawinen verlegten Straßen. Die Behörden waren allerdings darauf vorbereitet, hatten die Bevölkerung bereits am Mittwoch gewarnt, enorme Schäden blieben aus. Auch in Tirol regnete es teilweise heftig, eine Mure verschüttete die Landesstraße ins Valsertal auf einer Länge von rund 20 Metern. Für die kommenden Tage sagen Meteorologen Entspannung, ab kommender Woche sogar eine sehr stabile Wetterlage voraus.

... und schwemmte Treibgut an.
© Böhm

Die Pegel aller großen und mehrerer kleiner Flüsse in Südtirol stiegen ab Mittwochabend dramatisch an. In Klausen überschwemmte der Eisack Straßen und Wege, das Wasser drang in einige Keller ein, wie die Südtiroler Landespresseagentur (LPA) gestern mitteilte. Die Bewohner der zwischen Brixen und Bozen gelegenen Stadt wurden gegen 5.50 Uhr alarmiert und aufgefordert, tiefer gelegene Räumlichkeiten zu meiden. Im Laufe des gestrigen Nachmittages beruhigte sich die Situation endgültig. Auch die Rienz im Pustertal trat über die Ufer. In Blumau ging ein Erdrutsch auf die Brennerstaatsstraße und -bahnlinie ab, verschüttete beide. Bis die Schäden aufgeräumt sind, kann es dauern. Es ist mit Verzögerungen zu rechnen.

📽️ Video | Hochwasser in Klausen:

Auch die Rienz im Pustertal führte Hochwasser.

Insgesamt standen rund 1000 Mitglieder von zirka 60 Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, auch zahlreiche weitere Helfer waren vor Ort. Zwischen Mittwochabend, 19 Uhr, und gestern Vormittag, 11 Uhr, waren 85 Vorfälle abzuarbeiten – die meisten davon, nämlich zehn, im Großraum Bozen. Bis heute hat die Südtiroler Landeswarnzentrale die so genannte „Aufmerksamkeitsstufe“ verlängert. „Da die Böden gesättigt sind“, seien weitere Erdrutsche oder Steinschläge nicht ausgeschlossen, erklärt deren Leiter Willigis Gallmetzer. Der Direktor des Südtiroler Landesamtes für Hydrologie und Stauanlagen, Roberto Dinale, erklärte, alle Verantwortlichen seien auf die Ereignisse vorbereitet und dafür „gut gerüstet“ gewesen. Die Wettersituation sei ideal prognostiziert, die Hochwasserwelle genau eingeschätzt worden. Das habe Schlimmeres verhindert. „Die Schutzeinrichtungen, auch die mobilen, haben ihren Dienst getan und waren notwendig“, betonte auch der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Klaus Unterweger.

Bei Blumau, unweit von Bozen, wurde eine Straße verlegt.

Ebenfalls starker Regen ging in der Nacht auf gestern in Teilen Tirols nieder. Gegen 4.35 Uhr meldete ein Verkehrsteilnehmer, dass die Landesstraße in Vals vermurt wurde. Als die Einsatzkräfte eintrafen, war die Fahrbahn auf einer Länge von rund 20 Metern mit Geröll bedeckt, wie die Polizei mitteilte. Das Geschiebe habe zu diesem Zeitpunkt ständig nachgedrückt, was Absicherungsmaßnahmen durch die Feuerwehr notwendig macht. Das hintere Valsertal war über mehrere Stunden abgeschnitten, am frühen Donnerstagnachmittag waren die Aufräumarbeiten dann so weit fortgeschritten, dass die Straße wieder eingeschränkt befahrbar war.

„Weitere Unwetter sind derzeit in Tirol nicht in Sicht“, sagt Michael Winkler von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck. Heute sei es landesweit sonnig, auch warm. Morgen bleibt der Himmel auch quasi wolkenlos, was am Föhn liegt. „Dieser weht kräftig, wird im Wipptal und Innsbruck besonders am Nachmittag heftig spürbar sein“, sagt der Meteorologe. Während in der Nacht zum Sonntag eine Kaltfront über das Land hinwegziehe und auch Regen mitbringe, werde es ab Montag trocken bleiben und sich das Wetter zur Wochenmitte hin „generell stabilisieren“.

Die Landesstraße in Vals wurde auf einer Länge von 20 Metern mit Schlamm und Geröll bedeckt, ist aber bereits wieder befahrbar.

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