Bronze-Party nach dem Kletter-Krimi: Schubert hat bereits Lust auf mehr

Mit Bronze im Gepäck blickt Jakob Schubert bereits auf die nächsten Olympischen Spiele voraus. 2024 in Paris hat der Tiroler eine andere Medaillenfarbe im Visier. Auch, weil der ungeliebte Speedbewerb dann nicht mehr in die Kombination einfließt. Bei der Schlussfeier am Sonntag soll der Innsbrucker Österreichs Fahne ins Stadion tragen.

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Jakob Schubert will sich mit Olympiabronze nicht begnügen.
© GEPA pictures/ Jasmin Walter

Tokio – Nachdem er nach dem Bouldern mit einem Medaillengewinn praktisch schon abgeschlossen hatte, ist Jakob Schubert durch Bronze bei der olympischen Sportkletter-Premiere erst so richtig auf den Geschmack gekommen. 2024 in Paris will der Tiroler nachlegen, dann soll es eine andere Medaillenfarbe geben. Zugute wird ihm und auch einigen anderen da kommen, dass die Kombination dann nur noch als Bouldern und Vorstieg (Lead) bestehen, der ungeliebte Speed-Bewerb ausgeklammert wird.

🔴⚪🔴 Schubert als Fahnenträger für Österreich

Jakob Schubert soll für Österreich am Sonntag bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Tokio als Fahnenträger in das Stadion einmarschieren. Der Tiroler muss dafür aber noch seinen für Samstag geplanten Flugantritt verschieben.

Viele Athletinnen und Athleten werden bei der Zeremonie aber nicht mehr anwesend sein, denn laut Corona-Protokoll müssen sie spätestens 48 Stunden nach Beendigung ihres Bewerbes aus dem Olympischen Dorf ausziehen.

Schubert hatte die nächsten Spiele schon vor dem Japan-Trip in den Fokus genommen, unabhängig vom Tokio-Abschneiden. "Hätte ich Gold gewonnen, wäre ich auch motiviert für Paris. Hätte ich nichts gewonnen, wäre ich wahrscheinlich noch heißer auf Paris. Jetzt ist es eine Bronzene. Das ist dazwischen, da kann man noch etwas verbessern. Aber ich werde dann nicht so viel Druck in Paris haben, weil jetzt habe ich schon eine Medaille in meinem Kasten hängen."

"Habe Usain Bolt gesehen, als er auf das Podium raufgeklettert ist"

Sein Traum sei, dass einmal der Vorstieg als Einzel-Disziplin bei Olympia geklettert wird. Das ist frühestens 2028 in Los Angeles möglich. "Ich weiß nicht, ob ich das in meiner aktiven Karriere noch erlebe." Grundsätzlich mache ihm Klettern noch enorm viel Spaß. "Nicht nur das Klettern, sondern auch das harte Training, das Wettkämpfe machen - von dem her sehe ich keinen Grund, solange es mir so gut geht, aufzuhören. Paris ist ein super Ziel, auf das ich noch weiter hinarbeiten kann."

📽️ Video | Feierlicher Empfang für Schubert im Olympischen Dorf

Und dass Sportklettern nun Olympia-Status hat, taugt Schubert ungemein. An Sommerspielen habe er freilich schon vorher immer Gefallen gefunden. "Ich bin ein extrem sportbegeisterter Mensch, habe immer schon die Spiele mitverfolgt", verriet der achtfache WM-Medaillengewinner. "Ich habe Usain Bolt gesehen, als er auf das Podium raufgeklettert ist. Dann selbst einmal so einer zu sein, der da raufklettert, das ist einfach ein Riesentraum, der in Erfüllung geht."

Das gilt es natürlich zu feiern, und damit wurde gleich im Olympischen Dorf begonnen. Als Schubert um 1.00 Uhr (Ortszeit) dort rund drei Stunden nach Ende des Bewerbs ankam, wurde er von einem großen Aufgebot des "Olympic Team Austria" in Empfang genommen. Schubert: "Das war echt eine tolle Überraschung. Einfach cool, dass so viele Leute wach geblieben sind und mir gratuliert haben." Zudem freute er sich über mehr als 100 Nachrichten auf WhatsApp sowie an die 1000 auf Instagram. (APA, TT.com)

🥇🥈🥉 Kletterpremiere: Zwischen Spannung und Kritik

Die olympische Premiere des Sportkletterns ist in seinem ersten Finale am Donnerstag in Tokio nicht nur im Zeichen der Medaillengewinner mit Jakob Schubert als Drittem gestanden, sondern auch das Format selbst war im Mittelpunkt. Im Modus der Kombination erwies es sich nach mehr als vierstündiger Wettkampfdauer erneut als bis zum Schluss kaum prognostizierbar, wer welche Medaillenfarbe erhält. Neben dieser Spannung wurde aber auch vereinzelt Kritik laut.

Die bezog sich primär auf das Nichtnachbesetzen des verwaisten Finalplatzes von Bassa Mawem, nachdem der Franzose wegen einer Verletzung nicht antreten konnte. Dadurch hatte mit dem Tschechen Adam Ondra der schwächste Speed-Kletterer im Finalfeld ein Erstrunden-Freilos und so einen leicht erarbeiteten Punktevorteil. "Die fairste Entscheidung wäre gewesen, dass der schnellste Athlet den Freilauf erhält, nicht der langsamste", sagte der als Athletenvertreter fungierende Schubert.

Unter den Aktiven sei klar gewesen, dass dieses Prozedere nicht mega-fair sei. "Man muss dem internationalen Verband vorwerfen, dass man auf die Situation nicht perfekt vorbereitet war. Sie haben eineinhalb Tage gebraucht, um zu entscheiden", sagte Schubert. Denn Mawem hatte sich schon zwei Tage davor in der Qualifikation verletzt. Schubert: "Es hat in den Speed-Bewerb ein brutales Gewurschtel reingebracht." Im Speed siegte Alberto Gines Lopez, es war der Grundstein für Gold.

Mit erst 18 Jahren ist er der jüngste spanische Goldmedaillengewinner in der Olympia-Geschichte. "Alberto war im Vorstieg und Lead nicht bei den Besten. Aber im Speed hat ihm alles reingespielt und jetzt ist er Olympiasieger", merkte Schubert an. "Ich bin megahappy für ihn, er ist ein cooler Typ." Und mit einem Augenzwinkern: "Er hat ja noch Spiele vor sich. Er hätte den alten Eisen die Goldene überlassen können. Aber das wollte er nicht, das verstehe ich auch."


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