Brände in Griechenland außer Kontrolle, zwei Tote in Italien

Waldbrände wüten in Italien, Griechenland, Bulgarien und der Türkei. Besonders in Athen sorgen Westwinde für eine prekäre Lage. In der Türkei hofft man auf nachlassende Luftströmungen in den nächsten Tagen. Regenfälle entspannen die Lage in Bulgarien, während eine Hitzewelle in Süditalien zu erwarten ist.

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Die Lage in Griechenland spitzt sich zu. (Im Bild: Peloponnes).
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Athen/Istanbul/Rom – ie Waldbrände in Griechenland und der Türkei wüten weiter - vor allem die Lage nahe Athen spitzte sich zu, auch Stromausfälle wurden vermeldet. Seit den Morgenstunden fachten starke Westwinde die zahlreichen Feuer in Griechenland am Freitag an, am Nachmittag nahm deren Stärke weiter zu. Nördlich der Hauptstadt wurden Menschen mehrerer Ortschaften aufgerufen, die Region zu verlassen. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwor die Bürger auf harte Tage ein.

In der Türkei wird den zehnten Tag in Folge gegen die schwersten Waldbrände seit Jahren gekämpft. Besonders betroffen sind die süd-und westtürkischen Küstenregionen Antalya, Marmaris, Bodrum und Milas. In Milas verschlangen die Flammen in der Nacht mehrere Viertel, die zuvor evakuiert worden waren. Mindestens acht Menschen kamen in der Türkei schon ums Leben. Zwei Großbrände in der türkischen Urlaubsregion Antalya sind nach offiziellen Angaben unter Kontrolle.

Wegen der unkontrollierten Waldbrände im Norden von Athen fällt in der griechischen Hauptstadt zunehmend der Strom aus. Bereits am Donnerstag war in der betroffenen Region vorsorglich ein Verteilerknoten abgeschaltet worden. Der staatliche Netzbetreiber kündigte am Freitagmittag an, einzelne Athener Stadtteile vorübergehend und planmäßig vom Netz zu nehmen, um die Versorgung insgesamt aufrechtzuerhalten zu können. In einem Vorort der griechischen Hauptstadt Athen wurde indessen ein 38-Jähriger von einem umstürzenden Strommast getötet, berichtete das Krankenhaus, in dem er behandelt wurde

Bewohner mehrerer griechischen Ortschaften wurden aufgrund der Feuer Evakuiert.
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"Gehen Sie nicht aus dem Haus"

Der griechische Zivilschutz-Chef Nikos Chardalias informierte unterdessen über 56 aktive Brände im ganzen Land. Nördlich von Athen breitete sich das Feuer in Richtung der Gemeinde Marathon aus, die Evakuierung von weiteren 13 Siedlungen laufe. Chardalias konnte keine Entwarnung geben; stattdessen rechnet die Feuerwehr am Nachmittag mit noch stärkeren Winden. In der Region ist die Sicht derzeit wegen der Rauchentwicklung stark eingeschränkt; Videos in sozialen Netzwerken dokumentieren zahlreiche Explosionen von brennenden Lager- und Produktionshallen sowie von Gasflaschen in brennenden Häusern.

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Vor Gefahren wegen der Luftverschmutzung warnte die Chefin der Pneumologischen Klinik des Athener Krankenhauses Sotiria, Nina Gaga. "Gehen Sie nicht aus dem Haus", warnte sie. Normale Schutzmasken gegen Corona helfen nicht. Wer ausgehe, müsse sich mit einer Maske vom Typ P95 und höher schützen, sagte die Ärztin.

Auch auf der Insel Euböa und auf dem Peloponnes wüten die Feuer teils unkontrolliert. Dort mussten die Bewohner der Ortschaft Agia Anna im Nordosten der Insel mit Booten über das Meer in Sicherheit gebracht werden. Auch im Nordwesten brennt es, dort wurden ebenfalls zahlreiche Ortschaften evakuiert.

Hoffnung auf Entspannung in der Türkei

In der Türkei wurden nach offiziellen Angaben seit Beginn der Brände vor etwa zehn Tagen mehr als 36.000 Menschen aus rund 12.000 Häusern in Sicherheit gebracht. In Antalya flaute der Wind unterdessen ab, und die Behörden hofften, die im Bezirk Manavgat lodernden Brände bald unter Kontrolle zu bringen. Die Zerstörungen in der Türkei sind schon jetzt immens. Schätzungen zufolge fielen mindestens 1000 Quadratkilometer Wald und Felder den Flammen zum Opfer – eine Fläche etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

Waldbrände in Bulgarien unter Kontrolle

In Bulgarien sind die Waldbrände nach offiziellen Angaben indes unter Kontrolle gebracht worden. Nach Trockenheit und einer tagelangen Hitzewelle brachten Regenfälle in der Nacht zum Freitag Abkühlung und Entspannung in den Brandgebieten.

Zwei Todesopfer in süditalienischer Region Kalabrien

Bei schweren Bränden in der süditalienischen Region Kalabrien sind am Freitag zwei Personen ums Leben gekommen. Die Feuerwehrteams, die gegen die Flammen in San Lorenzo in der Provinz Reggio Calabria kämpften, entdeckten die Leichen von zwei Personen - einem Mann und einer Frau im Alter von 53 und 34 Jahren.

In der Gegend waren fünf Löschflugzeuge gegen die Feuer im Einsatz, berichteten italienische Medien. Die Flammen zerstörten den Wald, in dem sich das Haus und der Stall der beiden Opfer befanden. Die beiden hatten vergebens versucht einen Olivenhain in ihrem Besitz zu retten.

Der Bürgermeister der Stadt Reggio Calabria rief wegen der schweren Bränden, die seit Tagen in der Gegend toben, den Ausnahmezustand aus. Hunderte Hektar Wald seien zerstört worden. Die Brände wüteten weiter auf Sizilien. Die Regionalbehörden riefen freiwillige Helfer aus ganz Italien auf, bis zum 17. August im Einsatz gegen die Brände zu helfen.

Alleine in Marmaris wurden mehr als 16.000 Hektar vom Feuer verschlungen. (Bild: Orhaniye).
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Für die nächsten Tage sagen Meteorologen wieder große Hitze für den Süden voraus. Die Temperaturen könnten von Sonntag an die 40 Grad erreichen und dann bis zu 45 Grad steigen, teilte der Wetterdienst meteo.it mit. Für den Norden sind ab dem Wochenende dafür erneute Unwetter vorhergesagt. Zu Überschwemmungen kam es schon zuletzt unter anderem am Comer See oder in Südtirol. Dort stabilisierte sich die Lage am Freitag allerdings. Ab Samstag sollen jedoch neue Gewitter in den Alpenregionen kommen.

Brände in mehreren Staaten der Balkanregion

Auch in mehreren Staaten in der Balkanregion kam es zu Bränden: In Nordmazedonien hatte die Regierung am Donnerstag den Krisenzustand ausgerufen angesichts von acht aktiven Bränden. Der Wind ändere ständig seine Richtung und entfache dadurch von immer wieder neue Brandherde, berichtete das Portal "vesti.mk". Am Morgen waren die ersten Konvois einer Hilfsmission aus Österreich eingetroffen. Insgesamt schickt das Alpenland 136 Helfer, 16 Löschfahrzeuge, 24 Lastwagen und einen Krankenwagen nach Nordmazedonien. Hilfe kam zudem aus Serbien, Bulgarien und Slowenien.

Im Nachbarland Albanien gab es am Freitag immer noch etwa zehn Waldbrände, erklärte Verteidigungsminister Niko Peleshi. Insgesamt habe man 163 Brände gelöscht. Während der letzten Woche hatten Brände im Süden sowie in der Küstenregion Vlora neben Vegetation auch einige Bauernhäuser zerstört.

Kosovo wurde in dieser Zeit von fast 500 Waldbränden heimgesucht, auch hier brannten mehrere Bauernhöfe. Die Brände konnten mit Unterstützung der im Kosovo stationierten KFOR-Truppe der NATO gelöscht werden. Doch fürchten die Behörden weitere Ausbrüche.

Koordinierung der Notfalldienste via Satellitenbilder

Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen der EU arbeitet in diesen Tagen auf Hochtouren. Nach Angaben aus Brüssel vom Freitag waren in Griechenland zuletzt Löschflugzeuge aus Zypern, Schweden, Frankreich, Kroatien und Rumänien im Einsatz. Zudem unterstützen mehr als 200 von EU-Staaten gestellte Feuerwehrleute und Rettungskräfte die griechischen Einsatzkräfte. In der Türkei helfen drei Flugzeuge aus Kroatien und Spanien sowie ein Hubschrauber aus Polen bei der Brandbekämpfung.

"Das rund um die Uhr besetzte Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen steht in ständigem Kontakt mit den Katastrophenschutzbehörden der von den Bränden betroffenen Länder, um die Lage genau zu überwachen und die EU-Hilfe zielgerichtet zu verteilen", heißt es aus der EU-Kommission. Bei der Koordinierung der Notfalldienste kämen auch Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Dienstes zum Einsatz. Neben der Türkei und Griechenland werden derzeit auch Italien, Nordmazedonien und Albanien von der EU bei der Bekämpfung verheerender Brände unterstützt. (APA dpa)


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