Massive Einschränkungen für den lokalen Zugverkehr

Von 20. August bis 13. September fallen wegen Weichenarbeiten zwischen Innsbruck und Hall 30 Prozent der Züge aus. ÖBB setzen auf breite Information.

  • Artikel
  • Diskussion
Mit einem speziellen Gleiskran werden die je 70 Tonnen schweren Weichen in Position gebracht (Symbolbild). In den Bahnhöfen Rum und Hall-Thaur halten fast einen Monat lang keine Züge (außer der Nacht-S-Bahn).
© ÖBB

Von Michael Domanig

Hall, Rum, Innsbruck – Rein technisch betrachtet sind es Routinearbeiten, die da in knapp zwei Wochen auf der Bahnstrecke zwischen Hall und Innsbruck starten werden. Aber weil sie einen äußerst sensiblen, neuralgischen und stark frequentierten Bereich betreffen, sind die tirolweiten Auswirkungen auf den Zugverkehr massiv.

Nach 35 Jahren werde eine so genannte „Überleitstelle“ mit vier je 70 Tonnen schweren Weichen erneuert, erläutert Christian Wieser, Regionalleiter der ÖBB-Infrastruktur AG, ebenso 800 Meter Gleisanlagen samt Schotterbett und Untergrund. Dazu setzen die ÖBB neue Oberleitungsmasten und errichten ein Schalthaus. Die Investitionen belaufen sich auf ca. 5 Mio. Euro.

Wegen der „Weichenneulage“, wie es im Bahnjargon heißt, steht zwischen Freitag, 20. August, 20 Uhr, und Montag, 13. September, 5 Uhr, zwischen Hall und Innsbruck jeweils nur ein Gleis zur Verfügung. Wenn man bedenkt, dass dieser Abschnitt an jedem Werktag im Schnitt von bis zu 300 (!) Zügen befahren wird, kann man erahnen, was für eine gewaltige logistische Herausforderung die Arbeiten an diesem Nadelöhr bedeuten.

„Um die betrieblichen Einschränkungen so gering wie möglich zu halten“, werde rund um die Uhr gearbeitet, ergänzt Wieser. Die lärmintensivsten Arbeiten wolle man möglichst am Tag abwickeln, doch auch in der Nacht werden Belastungen für Anrainer nicht ganz zu vermeiden sein – wofür die ÖBB um Verständnis bitten.

Pendler stark betroffen

Gut aufpassen heißt es vor allem für Pendler: Im Nahverkehr (wie auch im Güterverkehr) fallen während der Arbeiten rund 30 % der Züge aus, wie René Zumtobel, ÖBB-Regionalleiter für den Personenverkehr, erklärt.

An den beiden Bahnstationen Hall/Thaur und Rum halten in dieser Phase (mit der einzigen Ausnahme der Nacht-S-Bahn am Wochenende) überhaupt keine Züge. Es gibt teilweise einen Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen, die ÖBB verweisen zudem auf das bestehende Linienangebot der Buslinien 504 (IVB) und 4123 (Postbus).

Alle Züge der S-Bahn-Linie von Kufstein über Innsbruck nach Telfs enden in Hall. Sie verkehren zwischen Hall und Innsbruck ohne Zwischenhalt als SEV mit Bussen. Für die „Frühspitze“ zwischen 6 und 13 Uhr werden die Halte Hall-Thaur und Rum im Halbstundentakt mit einem eigenen SEV angefahren.

Die S-Bahn-Linie von Jenbach bis Ötztal wiederum fährt in den betreffenden Wochen nur im Abschnitt Ötztal–Innsbruck, zwischen Innsbruck und Jenbach fällt sie komplett aus. Um einen Ersatz zu bieten, wird die S-Bahn-Linie Steinach–Hall vorübergehend bis Jenbach verlängert (wobei auch diese Züge in Rum und Hall–Thaur nicht halten). REX-Züge verkehren täglich im Stundentakt, auch am Wochenende (kein Halt in Rum).

Fernverkehr kaum betroffen

Kaum betroffen ist der Fernverkehr: Alle Railjets, Inter- und Eurocity-Züge fahren. Allerdings entfallen mit wenigen Ausnahmen alle Halte dieser Fernverkehrszüge am Bahnhof Jenbach. Hier gilt es also, nach Wörgl oder Innsbruck auszuweichen.

Man erwarte „knackige Wochen“, bilanziert Zumtobel. Die Arbeiten würden aber bewusst zu diesem Zeitpunkt erledigt, damit zu Schul- beginn – wenn noch der Schüler-Pendelverkehr hinzukommt – alles fertig ist. Und man informiere die Kunden bewusst schon jetzt.

Zumtobel appelliert an Pendler und alle anderen Zug- reisenden, sich bereits vorab zu informieren – über die ÖBB Scotty- bzw. VVT Smart Ride-Apps, die Kundenservice-Hotline 05-1717 oder die Info-Schalter am Bahnhof Innsbruck. Eigene Fahrplanfolder werden in den Stadt- bzw. Gemeindeämtern von Hall, Rum und Thaur aufgelegt, ebenso an den Bahnhöfen und in den Zügen, wo auch Verteilaktionen geplant sind. Am Haller Bahnhof wird anfangs zudem ein „Kundenlenker“ vor Ort sein.

Allgemein werde die Bahn wieder rege genützt, freut sich Zumtobel: Die Auslastung liege bereits bei 70 bis 75 % des Vor-Corona-Niveaus.


Kommentieren


Schlagworte