Kein Ende bei verheerenden Bränden in Südeuropa, Österreich sagt Hilfe zu

Wohnhäuser, Flüchtlingslager, Gefängnisse– in Griechenland wird alles evakuiert, sobald das Feuer näher rückt. Am Freitag war den Flammen wegen starker Winde nicht beizukommen. Auch in der Türkei und in Süditalien geht der Kampf gegen das Feuer weiter. In Russland droht gar die größte Waldbrandkatastrophe dieses Jahrhunderts.

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Die riesigen Feuer in Griechenland dauerten auch am Samstag weiter an.
© Karvountzis/Imago

Athen, Palermo, Istanbul, Krasnojarsk – Die andauernden Brände haben auch am Samstag in Südeuropa, Russland und der Türkei weiter gewütet. In Griechenland wurden weitere Orte evakuiert, zumindest die Großbrände im Norden der Hauptstadt Athen konnten teilweise eingedämmt werden. Die Lage blieb aber dramatisch. Österreich bot am Samstag Hilfe an. Anderorts war die Situation kaum besser: Auf der italienischen Insel Sizilien wurde der Notstand erklärt. In Russland droht die größte Waldbrandkatastrophe des Jahrhunderts.

📽 Video | „Bericht über die Brände in Griechenland“

Österreich bietet Hilfe an

In Griechenland toben schon seit Tagen Waldbrände, allein in den vergangenen 24 Stunden sind 400 ausgebrochen. Grund dafür ist auch die anhaltende Hitze im Land - schon die ganze Woche über wurden Temperaturen von 40 Grad Celsius erreicht. Besonders kritisch war die Lage am Samstag einmal mehr im Großraum Athens, auf der Insel Euböa und auf der Halbinsel Peloponnes. Zehntausende Hektar Waldfläche, zahlreiche Häuser und Geschäfte wurden bereits zerstört. Am gestrigen Freitag kam ein Mann in der Nähe von Athen ums Leben.

Österreich bot am Samstagabend Hilfe an, die laut Innenministerium, das die internationale Katastrophenhilfe koordiniert, umgehend angenommen wurde. Somit wird sich ein Kontingent der Freiwilligen Feuerwehr aus Salzburg am Sonntag auf den Weg machen. "Die Bilder, die uns derzeit aus Griechenland erreichen, machen sehr betroffen", ließ Innenminister Nehammer (ÖVP) am Samstagabend per Aussendung wissen. Athen habe über den Europäischen Zivilschutz-Mechanismus um Hilfe gebeten. "Daher ist es für uns keine Frage, dass wir der griechischen Bevölkerung in diesen schweren Stunden zur Seite stehen." Insgesamt seien derzeit 43 Helferinnen und Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Salzburg für einen Unterstützungseinsatz bereit, hieß es. Auch elf Spezialfahrzeuge, sogenannte "ground forest fire fighting using vehicles", seien abfahrbereit.

"Ich danke den Feuerwehrleuten, die sich sofort bereiterklärt haben, den griechischen Einsatzkräften zur Hilfe zu eilen", so Nehammer.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) teilte mit: "Bei den verheerenden Waldbränden lassen wir Griechenland nicht im Stich. Ich wünsche dem Salzburger Kontingent alles Gute für den gefährlichen Einsatz und eine gesunde Rückkehr nach Salzburg." Bereits seit Donnerstag stehen laut Innenministerium 136 Feuerwehrleute mit 43 Fahrzeugen aus Niederösterreich und der Steiermark in Nord-Mazedonien im Einsatz. Das Land ist ebenfalls schwer von Waldbränden betroffen.

Am Samstag sollen auch internationale Helfer in Aktion treten.
© LOUISA GOULIAMAKI

Kleiner Hoffnungsschimmer in Griechenland

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es in Griechenland allerdings: Die Großbrände im Norden der Hauptstadt konnten am Samstag größtenteils eingedämmt werden. "Erstmals können wir sagen, dass die Situation etwas besser ist - es gibt aktuell nur noch zwei Feuerfronten", sagte Nikos Peppas, Vize-Gouverneur der Region Attika. Es bestehe Hoffnung, die Brände bis zum Abend unter Kontrolle zu bringen. "Die vergangene Nacht war wirklich die Hölle, ein Alptraum. Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, damit das Feuer nicht auf bewohntes Gebiet übergreift", berichtete er. Die vielen tausend evakuierten Menschen könnten bald zurückkehren - sofern ihre Häuser nicht abgebrannt seien. "Aber das muss langsam und mit großer Vorsicht geschehen", sagte er. Jene, die in den vergangenen Tagen vor den Feuern flohen, wohnen momentan auf Staatskosten in Hotels oder bei Bekannten und Verwandten. In den vom Feuer betroffenen Gegenden gibt es vielfach noch keinen Strom und kein Wasser.

Die Feuer haben sich längst bis in die Wohngebiete vorgefressen.
© LOUISA GOULIAMAKI

Weil sich die Rettungskräfte auf Athen konzentrierten, brannte es andernorts umso stärker – etwa auf der Halbinsel Peloponnes und auf der zweitgrößten Insel Euböa: Dort breiteten sich die Feuer fast ungehindert aus. Zivilisten und Zivilistinnen sowie Anrainer und Anrainerinnen kämpften mit Gartenschläuchen, Plastikeimern, Traktoren und Baggern gegen das Inferno, immer mehr Orte wurden evakuiert. Allein auf Euböa waren es bisher 39 Ortschaften, für weitere Dörfer gab es Samstagnachmittag entsprechende Anweisungen per Notfall-SMS. Fanis Spanos, der für Euböa zuständige Gouverneur von Mittelgriechenland, setzte am Samstag über Facebook einen verzweifelten Hilferuf ab. "Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen, die wir seit dem ersten Tag fordern! Und mehr Löschzüge!" Nach ersten Schätzungen liegen in Griechenland mindestens 60.000 Hektar Fläche in Schutt und Asche.

Menschen werden vor den Feuer in Sicherheit gebracht.
© Sotiris DIMITROPOULOS / Eurokinissi / AFP

Waldbrände in Balkanländern weitgehend unter Kontrolle

Feuerwehren und Sicherheitskräfte in Albanien, im Kosovo und in Nordmazedonien haben die Waldbrände weitgehend unter Kontrolle gebracht. In Albanien löschten die Brandbekämpfer allein am Freitag 15 Feuer, teilte das Verteidigungsministerium in Tirana in der Nacht von Freitag auf Samstag mit. Zehn Brandherde seien noch aktiv, seien aber keine Bedrohung für nahe gelegene Dörfer oder Nationalparks, hieß es in der Mitteilung.

Auch im Kosovo gelang es den Sicherheitskräften, nahezu alle Brände zu löschen, erklärte Verteidigungsminister Armend Mehaj laut Portal "zeri.info". In Nordmazedonien waren in den letzten 24 Stunden noch 616 Polizeikräfte im Einsatz, berichteten Medien am Samstag. Ein Brand, der das Dorf Budinarci im Osten des Landes bedroht hatte, stelle keine Gefahr mehr da, teilte der Katastrophenschutz mit.

Auf der Insel Sizilien erklärte die Regionalregierung für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Seit Ende Juli brenne es auf Sizilien, und auch in den kommenden Wochen herrsche ein permanentes Risiko durch die außergewöhnliche Wetterlage auf Sizilien, begründete Regionalpräsident Nello Musumeci die Entscheidung in einer Facebook-Nachricht. Auf Sardinien meldete die Feuerwehr in der Provinz Oristano einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Verletzte gab es demnach nicht. In Oristano an der Westküste der Ferieninsel wüteten bereits unlängst zahlreiche Waldbrände und richteten enorme Schäden an.

In Oristano wüten seit Wochen immer wieder schwere Brände.
© Handout / Vigili del Fuoco / AFP

Massive Waldbrand-Ausmaße im Nordosten Russland

Massiv ist mittlerweile auch das Ausmaß der Brände in Russland – es droht die größte Waldbrandkatastrophe dieses Jahrhunderts, wenn es weiter brennt. Im flächenmäßig größten Land der Erde meldeten die Behörden mehr als 250 Brände mit einer Gesamtfläche von mehr als drei Millionen Hektar. Löscharbeiten liefen bei 180 Feuern mit einer Fläche von rund 1,3 Millionen Hektar, teilte die für den Forstschutz zuständige Behörde Avialesoochrana mit. Die anderen Brände in schlecht zugänglichen Regionen würden nicht gelöscht, weil keine Gefahr für Menschen bestehe. Vor allem betroffen war die sibirische Region Jakutien im Nordosten Russlands.

In Russland haben die Brände schon riesige Waldflächen zerstört.
© Russia Emergencies Ministry/TASS

Weitere Evakuierungen in der Türkei, Entwarnung für Antalya

In der Türkei, die wie Griechenland derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle durchlebt, loderten nach offiziellen Angaben in Nähe der Städte Aydin und Mugla noch sechs unkontrollierte Feuer. Es wurde auch die Evakuierung mehrerer Nachbarschaften angeordnet. In der Gemeinde Köycegiz in Mugla schliefen die Feuerwehrkräfte in den Einsatzwagen, erzählte der Leiter Bahattin Yavuz. Andauernd kämen Nachrichten aus den umliegenden Dörfern über neue Brände - gleichzeitig reisten aus dem ganzen Land viele freiwillige Helfer an. Für die Regionen Antalya, Marmaris und Bodrum gab es hingegen Entwarnung: Die Brände seien unter Kontrolle. Die Brände haben große Zerstörung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Asche gelegt. Nichtregierungsorganisationen halfen Betroffenen unter anderem mit Notunterkünften. (TT.com, APA/dpa)


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