Einer der "Väter der Atombombe": Russischer Physiker Trutnew tot

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Moskau – Der in Russland als einer der "Väter der Atombombe" verehrte Kernphysiker Juri Trutnew ist im Alter von 93 Jahren in seinem Wohn- und Arbeitsort Sarow gestorben. "Juri Alexejewitsch (Trutnew) war einer jener, die an den Ursprüngen der Schaffung der atomaren und thermonuklearen Waffen standen", teilte der Chef des russischem Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschjow, mit.

Trutnew, der erst vor kurzem sein 70-jähriges Dienstjubiläum gefeiert habe, starb demnach am Freitag in der für ihr Kernforschungszentrum bekannten Stadt Sarow, wo er auch beerdigt werden soll. "Seine Errungenschaften helfen bis jetzt, die Verteidigungskraft unserer Heimat auf höchstem Niveau zu erhalten", sagte Lichatschjow. Trutnew, der am 2. November 1927 in Moskau geboren wurde, habe in den 1950er und 1960er-Jahren mit Wissenschaftern wie Andrej Sacharow und Jakow Seldowitsch an der Entwicklung von Kernwaffen gearbeitet und sei bis zuletzt tätig gewesen, hieß es.

Trutnew bleibe als "schillernder und bodenständiger Wissenschafter mit hohen moralischen Prinzipien" in Erinnerung und für immer mit der Atomwissenschaft des Landes verbunden, sagte Lichatschjow.

Trutnew trug im Kalten Krieg nach russischen Angaben maßgeblich dazu bei, dass die Sowjetunion im Wettlauf mit den USA ein nukleares Schutzschild aufbauen und letztlich ein strategisches Kräftegleichgewicht anstreben konnte.

Nach Angaben der russischen Staatsagentur Ria Nowosti machte sich Trutnew auch um die friedliche industrielle Nutzung der Atomkraft verdient. Demnach war der Wissenschafter 1965 am ersten für die kommunistische Volkswirtschaft veranlassten Kernwaffentest in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan in Zentralasien beteiligt. Dort entstand damals durch die Sprengung der künstliche See Tschagan, in dem Trutnew auch gebadet habe, um zu zeigen, dass die radioaktive Verschmutzung seiner Gesundheit nicht schade. (APA, dpa)


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