Enorme Unwetterschäden in der Kelchsau: Hopfgarten hofft auf Hilfe vom Land

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Hopfgartens Bürgermeister beim Lokalaugenschein in der Kelchsau.
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Von Harald Angerer

Hopfgarten i. Br. – Es ist eine Mischung aus Hoffnung und Sorge, die sich im Gesicht von Hopfgartens Bürgermeister Paul Sieberer bei einem Lokalaugenschein in der Kelchsau ablesen lässt. Vor drei Wochen wurde das Seitental des Brixentaler Ortes von einem Unwetter heimgesucht. „Die Schäden an der Infrastruktur sind enorm. Ein solches Ausmaß an Verwüstung gab es über 60 Jahre nicht mehr“, schildert Sieberer.

Straßen wurden an gleich mehreren Stellen unterspült und weggerissen. Auch eine Brücke wurde zerstört. Die Zufahrt ist nun dank einer Behelfsbrücke und der Ausweichstrecke über den Glantersberg wieder möglich. Immer in Blöcken können die Kelchsauer raus und rein ins Tal. „Das funktioniert sehr gut“, betont der Bürgermeister auf der Fahrt in die Kelchsau. Und nicht nur hier funktioniert es. Auch die Aufräumarbeiten gehen zügig voran. „Es ist wirklich großartig, was hier geleistet wird“, betont der Bürgermeister. Doch auch drei Wochen danach ist das komplette Ausmaß der Zerstörung noch nicht klar. „Es werden uns immer noch Schäden gemeldet und vor allem im Kurzen Grund sieht es schlimm aus“, führt Sieberer weiter aus.

Die Arbeiten an der Landesstraße in die Kelchsau werden noch bis November dauern.
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Neben dem Aufräumen beginnt nun das Rechnen. Wie hoch sind die Schäden, welche Kosten muss die Gemeinde tragen? „Wir haben einmal eine erste Schätzung auf Basis dessen erstellt, was uns die Fachleute gesagt haben“, erklärt der Bürgermeister. Der größte Posten ist der Wasserbau mit geschätzten Kosten in der Höhe von 3,6 Millionen Euro. „Hier trifft es die Gemeinde Hopfgarten mit 1,2 Millionen Euro“, sagt Sieberer und meint weiter: „Der nächste große Brocken ist die Wildbachsache.“

Im Gemeindegebiet waren und sind elf Wildwassersperren zu räumen. Laut Wildbach- und Lawinenverbauung liegen hier die Kosten bei knapp einer Million Euro. „Da hätte ich auf etwas weniger gehofft“, sagt der Gemeindechef. Ein Drittel der Summe muss von der Gemeinde aufgebracht werden. Das Material aus den Sperren wird gleichzeitig zum Aufbau der Böschungen und zum Ausbessern der Flurschäden verwendet. „Hier sparen wir uns Lkw-Fahrten und Zeit“, blickt der Bürgermeister auf jenen Platz, wo die Glantersbergbrücke weggerissen wurde. Hier müssen mehrere hundert Quadratmeter Feld wieder hergestellt werden. Strom, Wasser und Kanal schlagen mit weiteren 300.000 Euro zu Buche.

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Zum Teil musste und muss der Hochwasserschutz neu aufgebaut werden.
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„Dann haben wir noch den großen Brocken des Glantersbergbrücke-Neubaus“, bemerkt Sieberer. Hier liegt die Schätzung bei knapp 700.000 Euro. Inklusive Diverses rechnet der Bürgermeister mit einer Summe von mindesten 2,2 Millionen Euro. „Das ist für eine Gemeinde wie Hopfgarten nicht alleine zu stemmen“, sagt Sieberer und hofft auf Hilfe vom Land Tirol.

Und wann ist die Kelchsau wieder über die Landesstraße erreichbar? „Hier hoffen wir, dass die Straße bis Ende November wieder befahrbar sein wird“, erklärt Sieberer. Bis dahin bleibt die Ersatzstraße über den Glantersberg die einzige Möglichkeit. Die Zufahrt in den Kurzen Grund ist bis auf Weiteres nur eingeschränkt möglich, auch wenn die Straße wieder befahrbar ist. „Es laufen gerade die Überlegungen, wann wir den Kurzen Grund wieder öffnen können“, schließt der Bürgermeister. Er will eine Verordnung erwirken, die zumindest eine Zufahrt zu den Anrainern möglich macht.


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