Radeln fürs Klima und weitere Aktionen: Tirols Jugend engagiert sich verstärkt

Fridays For Future, freiwilliges Umweltjahr, regionaler Einsatz. Tirols Jugend engagiert sich immer mehr für Klimaschutz. Eine Bilanz vor dem aktionsreichen Herbst.

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Im März fand in Innsbruck eine Raddemo statt. Fridays For Future plant mehr davon.
© De Moor

Von Sabine Strobl

Innsbruck – Während der Corona-Pandemie war der Einsatz der Jugendlichen für den Klimaschutz weniger sichtbar. Aktiv waren sie trotzdem.

Am 24. September startet Fridays For Future weltweit und auch in Innsbruck mit Aktionen in den Herbst. In Tirol wird zudem das Thema Mobilität im Mittelpunkt stehen, informiert Organisatorin Anna Perktold. So werden gerade die Vorbereitungen für einen Parking Pay am 9. Oktober in Innsbruck getroffen. Infostationen und Radwerkstätten werden kurzerhand parkende Autos ersetzen. Am 22. Oktober soll eine Fahrraddemo auf der Inntalautobahn folgen. Die Gespräche mit den Behörden laufen. „Während der Corona-Pandemie mussten wir alles zurückfahren. Jetzt kommt der Klimawandel wieder als dringendes Thema zurück“, erklärt Perktold. Über ein Jahr lang war das Team online unterwegs. „Es ist aber erstaunlich, wie viele Leute über den Winter dazugekommen sind.“ Das durchschnittliche Alter der Fridays-Aktivisten reicht in Tirol etwa von 15 Jahren bis Ende 20.

Schon vor der Corona-Pandemie hat das Institut für Jugendkulturforschung in einer Studie die Zukunftsorientierung als Teil des Lebensstils untersucht und dabei Babyboomer und die Generation Y verglichen. Ein Fazit: Bei der Generation der jungen Erwachsenen steht die Umwelt eher im Vordergrund als soziale Themen. Derer nehmen sich dann die älteren Generationen an. Jugendforscherin Beate Großegger kritisiert aber, dass beim Engagement für den Klimaschutz vor allem bildungsnahe junge Menschen wahrgenommen werden. Gebraucht werden aber alle.

Bei der österreichischen Jugend Umwelt Plattform Jump sind heuer 350 Bewerbungen für ein freiwilliges Umweltjahr, das im September wieder beginnt, eingegangen. 100 konnten aufgenommen werden. Im Startjahr 2012 absolvierten 25 junge Menschen ein Umweltjahr bei verschiedenen Einrichtungen. Seit 2013 ist die Zeit als Zivildienstersatz anrechenbar. Wie Gudrun Redl (Jump) ausführt, war die Einführung des Freiwilligengesetzes 2012 ein wichtiger Schritt, um das freiwillige soziale und Umweltjahr sowie Auslandsdienste in geregelte Bahnen zu lenken (Versicherungen, Taschengeld). Mittlerweile sind neben dem Umweltministerium auch die Bundesländer im Boot der Förderer. „Es hat sich viel getan“, erklärt Redl. Das Angebot nimmt langsam, aber stetig zu. Noch reiche es aber nicht für alle Interessierten.

Auch regional herrscht Tatendrang vor. Konstant 18.000 Mitglieder zählt die Tiroler Landjugend, die sich sozial und regional engagiert. Die Lienzer Bezirksleiterin Barbara Preßlaber freut sich, dass ein Aufforstungsprojekt, das nach Sturmschäden initiiert wurde, im Juni zum Abschluss kam. 25 Gruppen pflanzten bei 30 Landwirten Bäume. „Klimafitte Wälder brauchen Pflanzenvielfalt. Wir haben zum Beispiel Vogelbeeren, Ahorn und Lärchen gesetzt.“ Gleichzeitig konnte für den Sozialfonds gesammelt werden. Beim Treffen dieses Wochenende vernetzt man sich wieder, es werden neue Ideen für Projekte gesammelt. „Die Wetterextreme nehmen zu. Wenn jeder eine Kleinigkeit für den Klimaschutz tut, ist das viel wert“, sagt Preßlaber. Sie fährt, wenn möglich, mit dem Rad oder nimmt das Öffi. Viele Produkte seien in der Nachbarschaft erhältlich, vieles könne man wiederverwerten. Bezüglich Klima könnten sich auch die älteren Generationen nicht aus der Verantwortung stehlen. „Umwelt und Natur sind schon noch ihr Kaffee.“

In Innsbruck packt inzwischen Rebekka Forcher die letzten Arbeiten ihres freiwilligen Jahres bei der Organisation Südwind an. Sie war vor allem mit dem Social-Media-Bereich betraut. Bei der Jugendredaktion möchte sie neben ihrer Ausbildung weiterhin mitarbeiten. Forcher setzt auf Second-Hand-Kleidung und regionales Essen. Wie sie erzählt, rückten auch in ihrem Freundeskreis die jüngsten Unwetter in den Gesprächsfokus. „Wenn man sich Sorgen um die Zukunft macht, hilft es, sich zu engagieren. Und wenn es im Kleinen ist.“


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