Die Tops und Flops von Olympia: Fünffach-Gold und Corona-Dämpfer

Die Sommerspiele in Japan brachten Überraschungs-Olympiasieger, einen fünffachen Goldmedaillengewinner, aber auch große Sportler, die leer ausgingen. Die Tops und Flops der XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio aus internationaler Sicht:

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Caeleb Dressel avancierte mit fünf Goldmedaillen zum König von Olympia.
© GEPA pictures/ Michael Meindl

Die Tops der Olympischen Spiele in Tokio:

👍 Der US-Amerikaner Caeleb Dressel kürte sich wie erwartet zum erfolgreichsten Schwimmer der Sommerspiele in Tokio. Der 24-Jährige sicherte sich im Aquatics Centre die 50 m und 100 m Kraul, die 100 m Delfin sowie Gold mit der US-Lagenstaffel und der kurzen Kraulstaffel. Bei den Frauen sorgte Emma McKeon für eine Medaillenflut. Die 27-Jährige bilanzierte mit Gold über 50 und 100 m Kraul sowie mit den beiden 4-x-100-m-Staffeln der Australierinnen als auch mit Bronze über 100 m Delfin sowie in der langen Kraul- und der Mixed-Lagenstaffel. McKeon ist damit die erfolgreichste Australierin bei einer Olympia-Austragung. Die US-Amerikanerin Katie Ledecky wiederum wurde mit ihrem sechsten Individual-Gold zur erfolgreichsten Schwimmerin in Individual-Bewerben.

👍 Österreichs Olympioniken räumten gleich sieben Mal Edelmetall in Tokio ab. Alle Medaillengewinner auf einen Blick und weitere statistische Highlights der rot-weiß-roten Abordnung gibt es hier: Sieben auf einen Streich: Österreich übertraf alle Olympia-Erwartungen

👍 Debüt-Sieger I: Der Nachfolger von Usain Bolt kommt überraschend aus Italien. In einem famosen Wettkampf rannte Lamont Marcell Jacobs allen davon und holte die erste italienische Olympia-Medaille in der Sprint-Königsdisziplin. Der 26-Jährige knackte den Europarekord (9,80 Sek.) und ist der erste 100-m-Champion vom alten Kontinent seit Linford Christie 1992. Neeraj Chopra bescherte Indien das erste Olympia-Gold in der Leichtathletik - er siegte überraschend im Speerwurf mit 87,58 Metern.

👍 Debüt-Sieger II: Im Gewichtheben sorgten Fares Ibrahim Elbakh für Katar und Hidilyn Diaz für die Philippinen für das jeweils erste Olympia-Gold ihres Landes. Und auch Artem Dolgopyat ist in seinem Land wohl ein neuer Nationalheld, holte er doch im Turnen am Boden das erste Olympia-Gold für Israel. Im Dreisprung errang Hugues Fabrice Zango Bronze und sorgte für den ersten Eintrag von Burkina Faso in der Medaillenwertung in der Olympia-Geschichte. Handballer Johan Hansen ist der erste olympische Medaillengewinner von den Färöern. Die Färöer sind weitgehend autonom, gehören aber offiziell zum Königreich Dänemark. Trap-Schützin Alessandra Perilli holte mit Bronze die erste Olympia-Medaille für San Marino.

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👍 Allyson Felix holte mit der 4 x 400-m-Staffel der USA ihr schon siebentes Olympia-Gold. Die 35-Jährige hat nun seit den Sommerspielen 2004 in Athen insgesamt elf Medaillen gewonnen und übertrumpfte damit Carl Lewis als bisher erfolgreichsten US-Medaillensammler in der Leichtathletik.

🥇🥈🥉 Medaillenspiegel der Olympischen Spiele in Tokio:

© APA

👍 US-Turn-Superstar Simone Biles hätte nach vier Mal Gold in Rio ihr Medaillenkonto kräftig aufstocken sollen, doch der Druck von innen und außen wurde zu viel. Mutig äußerte sie sich ähnlich wie einige Wochen zuvor Tennis-Star Naomi Osaka zu ihren mentalen Problemen. Sie zog sich aus dem Mannschaftsfinale zurück, durfte sich dennoch Silber um den Hals hängen und strich ihr Antreten im Einzel-Mehrkampf. Es gab ein Happy End: Biles entschied sich zum Antreten auf dem Schwebebalken und gewann Bronze.

👍 Die Organisation war perfekt, die Freundlichkeit der vielen Helfer grenzenlos: Aus der Not geboren, erwiesen sich gewisse Regelungen als deutliche Verbesserungen für die Medienvertreter gegenüber vorherigen Spielen. Die regelmäßig geforderte Angabe von PCR-Tests, das Fiebermessen bei den Zutrittskontrollen zu Sportanlagen und Pressezentren wurde zur rasch erledigten Routine. Die vielen freiwilligen Helfer sprachen großteils nicht oder nur schlecht Englisch, bedienten sich aber auch Übersetzungsprogrammen.

Die Flops der Olympischen Spiele in Tokio:

👎 Corona I: Die fehlende Stimmung in den Stadien wegen des Zuschauerbanns ließen das Flair ebenso fehlen wie vielen Sportlern das Gefühl des Miteinanders u.a. im Olympischen Dorf. Die Sportler mussten 48 Stunden nach Beendigung des Bewerbes wieder abreisen und durften auch andere Sportstätten zum Zuschauen und Anfeuern ihrer Landsleute nicht besuchen. Trotzdem reisten viele mit einem weit besseren Gefühl als befürchtet ab.

Den Ärger von Novak Djokovic über die Niederlage im Spiel um Platz drei musste dessen Schläger büßen.
© TIZIANA FABI

👎 Corona II: Die Pandemie führte zu zahlreichen Absagen. Positive Coronatests gab es u.a. von den Golfern Jon Rahm (ESP) und Bryson DeChambeau (USA), aber auch von Stabhochsprung-Doppelweltmeister Sam Kendricks (USA) und dem deutschen Rad-Profi Simon Geschke. Zudem entschieden sich viele Weltstars, auf Tokio zu verzichten. Im Tennis beispielsweise waren dies Roger Federer, Rafael Nadal, Matteo Berrettini, Dominic Thiem (der dann auch rekonvaleszent gewesen wäre), Serena Williams und Simona Halep.

👎 Deutsche Zurufe aus der Distanz sorgten für großen Aufschrei: Der deutsche Rad-Sportdirektor Patrick Moster feuerte im olympischen Einzelzeitfahren Nikias Arndt mit den Worten "Hol' die Kameltreiber, hol' die Kameltreiber, komm", an und meinte damit den vor Arndt fahrenden Algerier Azzedine Lagab. Verstörende Bilder gab es im Modernen Fünfkampf der Frauen: Annika Schleu schlug verzweifelt mit der Gerte auf das verängstigte Pferd Saint Boy ein. Dabei rief ihr die deutsche Bundestrainerin Kim Raisner zu. "Hau mal richtig drauf! Hau drauf!" Beide Betreuer wurden von den Spielen ausgeschlossen.

👎 Ashleigh Barty war mit großen Gold-Hoffnungen nach Tokio gekommen, doch dann kam für die Tennis-Weltranglistenerste schon in Runde eins das Aus. Novak Djokovic, haushoher Favorit auf Gold und nach drei Major-Siegen 2021 auf dem Weg zum Golden Slam, scheiterte im Halbfinale am späteren Olympiasieger Alexander Zverev und verlor auch das Duell um Bronze.

👎 Eine Blamage erlitten die niederländischen Radfahrerinnen, auch wenn sie ihren Aussetzer später im Einzelzeitfahren ausbesserten: Im Straßenrennen hatten sie beim Zieleinlauf nicht mitbekommen, dass Außenseiterin Anna Kiesenhofer längst Gold gewonnen hatte. Annemiek van Vleuten fuhr als vermeintliche neue Olympiasiegerin jubelnd über die Ziellinie. Sie hielt sich mit dem Titel im Einzelzeitfahren schadlos.


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