Schiffe mit mehr als 800 Migranten erreichten Sizilien

Die Crew hatte zuvor tagelang darauf warten müssen, dass italienische Behörden ihr einen sicheren Hafen zuwiesen, während sich die Zustände an Bord verschlechterten.

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Die „Ocean Viking" traf mit rund 550 geretteten Menschen an Bord in Pozzallo ein.
© AFP/Tucat

Pozzallo – Zwei Rettungsschiffe mit mehr als 800 Bootsmigranten aus dem zentralen Mittelmeer haben am Wochenende Sizilien erreicht. Die „Ocean Viking" traf mit rund 550 geretteten Menschen an Bord in Pozzallo im Südosten der italienischen Insel ein, wie eine Sprecherin der Organisation SOS Mediterranee am Sonntag mitteilte. Die Crew hatte zuvor tagelang darauf warten müssen, dass italienische Behörden ihr einen sicheren Hafen zuwiesen, während sich die Zustände an Bord verschlechterten.

Das Schiff „Sea-Watch 3" des in Berlin ansässigen Vereins Sea-Watch mit knapp 260 Menschen an Bord erreichte Samstag früh den Hafen von Trapani an der Westküste Siziliens. Beide Schiffe hatten die Menschen in jeweils mehreren Einsätzen in den vergangenen Wochen aus Seenot gerettet.

Die Migranten waren in teils überfüllten Booten unterwegs von Nordafrika in Richtung EU. Die meisten Menschen legen von den Küsten Libyens oder Tunesiens ab, geraten bei der gefährlichen Überfahrt allerdings immer wieder in Seenot. Die Küstenwache hatte in den vergangenen Tagen mehrmals Menschen wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes von Bord der „Ocean Viking" geholt. Viele waren seekrank oder erschöpft, zuletzt gingen auch Medikamente zur Neige, wie die Crew berichtete.

Am Sonntag wollten Menschen in Hamburg für die Rettung von Migranten im Mittelmeer auf die Straße gehen. Bereits am Samstag demonstrierten nach Angaben der Veranstalter Tausende unter dem Motto „Seenotrettung ist unverhandelbar" in Berlin, München und einem Dutzend weiterer Städte. Aufgerufen hatte ein Bündnis mit Organisationen wie Sea-Watch, SOS Mediterranee, Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen.

Organisationen: Mehr als 1100 Menschen heuer im Mittelmeer ertrunken

Die Organisatoren verwiesen darauf, dass dieses Jahr bereits mehr als 1100 Menschen im Mittelmeer ertrunken seien. Mehr als 14.000 seien völkerrechtswidrig von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht worden. Die EU finanziere diese Küstenwache mit. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex sei an Rückführungen beteiligt.

In Italien registrierte das Innenministerium in diesem Jahr bisher rund 30.300 Migranten, die in Booten auf dem Staatsgebiet ankamen – etwa doppelt so viele wie im selben Vorjahreszeitraum. Immer wieder landen viele Flüchtlinge auch auf der zwischen Malta und Tunesien gelegenen italienischen Insel Lampedusa an. Italien sieht sich mit den Migranten von der EU allein gelassen und möchte mit einem Sondertreffen der EU-Innenminister eine Umverteilung von Migranten auf die EU-Mitgliedstaaten durchsetzen. (APA/dpa)


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