Viele einzelne Cluster: Land plant Maßnahmen im Hotspot Osttirol

Der Corona-Krisenstab des Landes analysierte am Wochenende die Situation im Bezirk Lienz. Viele einzelne Cluster weiten sich dort aus.

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In den nächsten Wochen sollen vor allem in Osttirol die niederschwelligen Impfangebote in den Gemeinden forciert werden.
© Falk

Von Peter Nindler

Innsbruck – Das Infektionsgeschehen der vergangenen Tage in Tirol liegt mit mehr als 50 Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) deutlich über dem Österreich-Schnitt. Am Sonntag verzeichneten die Gesundheitsbehörden im Land weitere 60 Ansteckungen, österreichweit waren es 553. Vor allem Osttirol bleibt weiterhin der Corona-Hotspot in Tirol. Aber auch in den anderen Bezirken wie auch in der Landeshauptstadt Innsbruck gab es zuletzt Zunahmen.

Im Bezirk Lienz ist es vor allem der Talboden und das Iseltal, wo es viele einzelne Cluster gibt. Auf Schwierigkeiten stoßen die Behörden, wie es heißt, immer wieder bei der Kontaktnachverfolgung. Nicht alle Kontaktpersonen werden nach einem positiven Fall angegeben. Bei neu auftretenden Fällen werden dann die Zusammenhänge mit den Infektionsketten allerdings deutlich. Für das Eindämmen der Infektionsherde ist das Contact Tracing jedoch entscheidend.

Am Wochenende hat sich der Krisenstab des Landes eingehend mit der Situation in Osttirol befasst, heute könnten entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Schließlich hat sich diese Situation seit Auftreten der ersten Cluster rund um ein Lokal in Lienz und Festival-Heimkehrer nicht gebessert. Im Raum stehen flächendeckende PCR-Tests.

Lage in Spitälern entspannt

Die Lage in den Spitälern ist jedenfalls nach wie vor entspannt. Vier Corona-Patienten mussten zuletzt intensivmedizinisch behandelt werden. Alle Erkrankten in den Spitälern waren nicht geimpft. Aus diesem Grund appelliert das Land, dass sich die noch nicht Geimpften impfen lassen. „Impfen ist nachweislich das wirksamste und beste Mittel gegen die Erkrankung und einen schweren Verlauf“, betont Gesundheits-Landesrätin Annette Leja (VP). Zum Effekt der Impfung würden Studien aus Israel, USA und Großbritannien vorliegen. „Alle sehen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Fortschritt der jeweiligen nationalen Impfkampagnen und der Inzidenz sowie Mortalität.“

Leja verweist auch auf das deutsche Robert-Koch-Institut, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle spielen. „Alle Impfstoffe führten zu einer deutlichen Reduktion der Infektionen und schützen vor schweren Verläufen.“ Was die Delta-Variante betrifft, betrage laut der österreichischen Gesundheitsagentur AGES die Effektivität aller Impfstoffe im Durchschnitt 88 Prozent. Bei einer Reinfizierung trotz Impfung sei eine geringere Virenausscheidung nachweislich.

Leja hatte am Samstag empfohlen, dass bei Neueinstellungen im Gesundheitsbereich geimpfte Personen bevorzugt werden sollten. Gleichzeitig wäre es für sie allerdings sinnvoll, wenn das Gesundheitsministerium bundesweit einheitliche Regelungen treffen würde. Das sieht auch der Verfassungsexperte Peter Bußjäger so. Auch bei der diskutierten teilweisen Impfpflicht im Gesundheits- und Bildungssektor. „Ich verweise nur auf die Innsbrucker Klinik, wo es Bundes- und Landesärzte gibt.“ Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) müsse sich dieser Frage jedenfalls stellen, sagt Bußjäger.


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