VW, Daimler und Co. zahlen immer höhere Pensionen an Ex-Chefs

Deutsche Großkonzerne geben ihren Vorständen immer höhere Betriebspensionen und kaschieren damit die Höhe der Manager-Gagen, kritisieren Aktionärsvertreter. Spitzenreiter bei Top-Pensionen sind VW und Daimler.

  • Artikel
  • Diskussion
VW-Vorstandschef Herbert Diess: Neben den jährlichen Millionengagen steht ihm auch eine üppige Betriebspension zu.
© AFP

München – Deutschlands Großkonzerne haben Milliarden für den Ruhestand ihrer Spitzenmanager auf die Seite gelegt. Die Pensionsverpflichtungen für Ex-Vorstände summierten sich Ende 2020 auf knapp 3,5 Mrd. Euro, wie eine Auswertung der Geschäftsberichte durch die Deutsche Presse-Agentur ergab.

Spitzenreiter ist der VW-Konzern, dessen Ex-Vorstände Anspruch auf Altersbezüge in Höhe von 396 Mio. Euro haben, gefolgt von Daimler mit 362 Mio. Euro. Addiert man die bereits erworbenen Ansprüche der derzeit aktiven Dax-Vorstände, kommen weitere gut 430 Mio. Euro hinzu. Die Gesamtsumme ist noch höher, da nicht alle Unternehmen Angaben zur Altersvorsorge für ihre Spitzenkräfte machen.

An den Pensionsverpflichtungen zeigt sich, dass sich die Gesamtkosten der Spitzenetage einigermaßen elegant verstecken lassen. Dabei sind die Vorstandsgehälter an sich bereits so hoch, dass die Spitzenmanager auf eigene Kosten für den Lebensabend vorsorgen könnten. VW-Chef Herbert Diess etwa bekam im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Euro.

„Ein immer größerer Teil der Vergütung wurde in die Altersvorsorge verlagert“, kritisiert Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW. „Das trägt zur Intransparenz bei, da die tatsächliche Höhe der Vergütung nicht mehr nachvollziehbar ist. Es spräche nichts dagegen, diesen Zopf abzuschneiden.“ Ein Verzicht auf solche Pensionszusagen würde dazu führen, dass die Fixgehälter steigen. „Doch das wäre aus unserer Sicht die bessere und transparentere Lösung“, meint Tüngler.

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Als Begründung für die üppige Altersvorsorge dient häufig das Argument, dass es andere Unternehmen auch so machen: „Das Vergütungssystem der Vorstandsmitglieder wird vom Aufsichtsrat festgelegt und beinhaltet aktuell auch einen marktüblichen und angemessenen Beitrag zu einer betrieblichen Altersversorgung“, heißt es bei Daimler. VW betont, dass die Höhe der Vorstandsvergütung „im nationalen und internationalen Vergleich angemessen und attraktiv sein“ soll. VW und Daimler haben mehr als 350 Mio. für ihre Spitzenpensionisten zurückgelegt. Jeweils über 200 Millionen sind es bei Deutscher Telekom, Deutscher Bank, BASF und Bayer. Auch die Telekom ist ein teilstaatliches Unternehmen.

Sechs andere Dax-Konzerne haben weniger als 50 Millionen zurückgelegt: Softwarehersteller SAP, Fresenius sowie Fresenius Medical Care, das Wohnungsunternehmen Vonovia, der Triebwerkshersteller MTU und das Chemieunternehmen Covestro.

Deutsche Wohnen und der Essenslieferant Delivery Hero, überlassen dem Führungspersonal selbst die Altersvorsorge und zahlen keine Betriebsrenten. (dpa)


Kommentieren


Schlagworte