Am Berg falsch abgebogen: Bergretter trug Kind sechs Stunden lang ins Tal

In Oberösterreich bricht ein Mann mit seinem Bruder und seinem dreijährigen Sohn zu einer Bergtour auf den Feuerkogel auf. Doch es wird nebelig und die drei kommen von der Route ab. Schließlich müssen sie einen Notruf absetzen. Es beginnt eine spektakuläre Rettung, bei der ein Alpinpolizist zum Helden wird.

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Sechs Stunden lang trug der Alpinpolizist den Buben ins Tal.
© Bergrettung Ebensee

Ebensee – Einmal falsch an einer Wegkreuzung am Feuerkogel in Ebensee im Bezirk Gmunden abgebogen – das hat für einen 23-jährigen Deutschen, den 32-jährigen Bruder und dessen dreijährigen Sohn am vergangenen Mittwoch fatale Folgen gehabt. Sie verirrten sich und konnten schließlich im steilen Gelände nicht mehr weiter. 26 Bergretter und Alpinpolizisten sowie ein Polizeihubschrauber retteten sie aus der Bergnot. Das berichtete die Polizei in einer Presseaussendung.

Die drei waren am Dienstag mit der Seilbahn auf den Feuerkogel gefahren und zu einer Hütte gewandert. Nach der Übernachtung wollten sie wieder zur Bergstation der Seilbahn zurückkehren. Der Vater hatte seinen Sohn in einer Rückentrage, der Bruder trug den Rucksack samt Ausrüstung. Aber wenige Meter von der Hütte entfernt wählten sie die falsche Abzweigung, danach kamen sie von den markierten Wanderwegen ab. Sie stiegen irrtümlich zwei Stunden lang in den sogenannten Totengraben ab. Das Wetter wurde immer schlechter. Zuletzt kletterten die beiden Männer mit dem Kind im Nieselregen an einer seilgesicherten Stelle über die nassen Felsen etliche Meter senkrecht ab. Dann konnten sie aber in etwa 1450 Meter Seehöhe nicht mehr weiter und setzten kurz nach Mittag einen Notruf ab.

Sechsstündiger Abstieg

Der Abstieg verlief unter widrigsten Bedingungen.
© Bergrettung Ebensee

Die Suche nach ihnen war schwierig, weil sie ungenaue Angaben über ihren Standort machten. Die Besatzung des Polizeihubschraubers konnte sie dennoch entdecken. Die Wolken wurden allerdings so dicht, dass ein Versuch einer Bergung aus der Luft abgebrochen werden musste. Deshalb wurden drei Bergretter und ein Alpinpolizist auf die andere Seite des Berges geflogen. Von dort machten sie sich im dichten Nebel auf den Weg. Gegen 15 Uhr lokalisierten sie die Gesuchten durch Rufe und begannen den sechsstündigen Abstieg mit ihnen. Der Polizist trug das Kind, die Bergrettungsmänner sicherten die beiden Erwachsenen. Die Sicht betrug mittlerweile keine zehn Meter mehr, die Navigation war nur noch per GPS möglich.

Alpinpolizist Martin Loitlesberger schilderte gegenüber ntv: „Es hat zu regnen begonnen der Nebel wurde so dicht, dass man teilweise keine 20 Meter mehr gesehen hat." Die Verständigung mit der Familie sei zudem mehr schlecht als recht gelaufen. „Der Vater des Buben ist gehörlos, da war die Verständigung nur mit Gebärdensprache möglich." Beim Abstieg lief zunächst alles gut, in den ersten zwei Stunden habe der Bub auf seinem Rücken noch sehr ambitioniert gewirkt. Dann kippte die Stimmung allerdings und er weinte mehrmals. Loitlesberger schaffte es, das Kind immer wieder aufzumuntern.

Unverletzt unten angekommen

Weitere Helfer kamen ihnen schließlich aus dem Tal entgegen. Sie sicherten bei ihrem Aufstieg den Rückweg mit Bohrhaken und Seilen. Gegen 21 Uhr erreichte die Einsatzmannschaft mit den drei unversehrt Gebliebenen das Tal. Eine Stunde später kamen auch die letzten Helfer, die ihre Seile wieder abgebaut und ungesichert abgestiegen waren, bei völliger Dunkelheit wieder vom Berg zurück. (APA)


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