Waldbrände in Griechenland: Tiroler Feuerwehrleute helfen im Krisengebiet

Fünf Tiroler Feuerwehrleute brechen heute nach Griechenland auf, um dort bei der Brandbekämpfung zu helfen. Dies geschieht zur Unterstützung ihrer Salzburger Kollegen. Insgesamt gingen bereits 20 Nationen Griechenlands Bitte um Hilfe nach.

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Der Norden der Insel Euböa ist derzeit stark von den Bränden betroffen.
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Innsbruck/Athen – Heute werden fünf Tiroler Feuerwehrleute auf Anfrage ihrer Salzburger Kollegen mit ihnen nach Griechenland eilen, um bei der Brandbekämpfung zu helfen. Die Tiroler Einsatzkräfte sollen in Griechenland vor allem mit ihrem Wissen im Bereich Flugdienst die Löschmaßnahmen vor Ort unterstützen. Während sich die Brände rund um die Hauptstadt Athen beruhigt haben, sei die derzeitige Lage vor allem auf der Insel Euböa katastrophal, hieß es am Montag.

Die fünf Tiroler werden die Reise gemeinsam mit 35 Kollegen aus Salzburg antreten. Die Salzburger sollen eine Woche in Griechenland bleiben und anschließend von einer zweiten Schicht abgelöst werden, die auch eine Woche bleiben soll, so Michael Leprich vom Landesfeuerwehrverband Salzburg. Auch die Tiroler Einsatzkräfte sollen nach einer Woche abgelöst werden, wobei die Details hierfür noch in Ausarbeitung sind.

Die fünf Feuerwehrmänner Julian Hammerle, Christian Mayer, Georg Crepaz, Lukas Kaufmann und Jörg Degenhart werden von Schulleiter Georg Waldhart verabschiedet
© LFV/Wegscheider

Über Europäischen Zivilschutz-Mechanismus um Hilfe gebeten

Griechenland bat über den Europäischen Zivilschutz-Mechanismus um Hilfe. Die internationale Katastrophenhilfe wird vom Innenministerium koordiniert und basiert im europäischen Raum auf sogenannten Einsatzmodulen. Landes-Feuerwehrverband Salzburg ist ein „Ground Forest Firefighting – Modul“ für derartige Einsätze gemeldet und dieses wurde durch das Innenministerium angefragt.

Unterstützt werden die Salzburger Einsatzkräfte bei diesem internationalen Einsatz im Rahmen des "Union Civil Protection Mechanism" der EU durch fünf Feuerwehrmitglieder aus Tirol, welche mit einem Rüstlöschfahrzeug und zusätzlichem Spezialequipment zur Waldbrandbekämpfung ebenfalls die Reise nach Griechenland antreten.

Kurzfristiger Einsatz der Tiroler

Die Reisetaschen mit Einsatzbekleidung und persönlichen Gegenständen galt es dabei schnell zu packen. Am Sonntag erfolgte die Anforderung, heute Montag bereits die Abreise. Mit Jörg Degenhart wurde auch der Leiter des ÖBFV Sachgebiets für Waldbrandbekämpfung und Flugdienst entsandt, ebenso Georg Crepaz, der als Ausbilder an der Landes-Feuerwehrschule tätig ist. Mit an Bord des Löschfahrzeuges sind seitens der Freiwilligen Feuerwehr Landeck auch der Kommandant Christian Mayer und Feuerwehrmann Julian Hammerle, sowie Gruppenkommandant Lukas Kaufmann von der Freiwilligen Feuerwehr Zirl.

Gut gelaunt und top motiviert treten die Tiroler die weite Reise nach Griechenland an.
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Die fünf Kameraden sind ausgebildete Einsatzkräfte für die Waldbrandbekämpfung, sowohl im Flugdienst (Unterstützung Löschmaßnahmen aus der Luft) als auch der Bodenbrandbekämpfung und bringen viel Einsatzerfahrung von Waldbränden in Tirol mit. Jedoch sind sie weder die Dimensionen, eine so schnelle Ausbreitungsgeschwindigkeit noch die extremen Temperaturen gewohnt.

"Der Landesverband Tirol wird mit fünf Einsatzkräften, mit fünf Feuerwehrmännern, vorwiegend aus dem Flugdienst nach Griechenland reisen. Gemeinsam mit dem Landesverband Salzburg werden wir dort mithelfen und Erfahrungen sammeln was die Waldbrandbekämpfung in dieser Größenordnung anbelangt", so der Tiroler Landes-Feuerwehrkommandant Peter Hölzl.

20 Nationen unterstützen bei Brandbekämpfung

Die österreichischen Einsatzkräfte sind keine Ausnahmefälle. Nachdem Griechenland um Hilfe gebeten hat umfasst die Liste der ausländische Helfer diesen Morgen bereits 20 Nationen. Hierbei schickten Staaten wie Rumänien, Israel, Kuweit, Serbien, die Ukraine und Moldawien auch Einsatzkräfte. Zusätzliche Löschflugzeuge und -hubschrauber kamen unter anderem aus Frankreich, Kroatien, Schweden, Spanien und Ägypten.

Auch Deutschland will 221 Rettungskräfte entsenden. Diese sollen jedoch erst am Donnerstag einsatzbereit sein. Die Geschwindigkeit dieses Einsatzes bleibt in Deutschland nicht ohne Kritik.

Die Lage im Norden Euböas ist katastrophal.
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Lage in Euböa außer Kontrolle

Auch wenn sich die Situation rund um Athen entspannt hat kämpft Griechenland weiterhin mit zerstörerischen Waldbränden. Besonders im Norden der zweitgrößten griechischen Insel Euböa sei die Lage laut deren Bürgermeister, Giannis Kotzias, katastrophal. "Wir sind allein. Unser Ende ist nahe", sagte er dem griechischen Nachrichtensender Skai. Außer Kontrolle war Sonntag früh auch die Situation auf der Halbinsel Peloponnes.

📽️ Video | Drohnenvideo zeigt Ausmaß der Zerstörung auf Euböa

Die Bewohner Euböas hätten in der Nacht auf Montag gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Freiwilligen mehrere Dörfer vor dem Übergreifen der Flammen bewahrt. Zwar seien am Rande von Ortschaften wie Artemisio, Gouves und Pefki Häuser niedergebrannt, die Ortskerne seien bisher jedoch intakt, berichtete die Zeitung "Kathimerini" laut dpa. Weiterhin seien aber viele Ortschaften von Flammen umzingelt.

Die Bewohner der Insel Euböa kämpften gestern gegen die Flammen.
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Griechische Bürgermeister fordern mehr Hilfe aus der Luft

Obwohl das Feuer sich schon am Sonntagnachmittag auf die Dörfer zubewegt hatte, gab es nach Angaben der Bewohner in manchen Gegenden kaum oder keine Unterstützung aus der Luft. Der griechische Zivilschutzchef Nikos Chardalias begründete das am Abend mit den schlechten Bedingungen – die extrem starke Rauchentwicklung habe die Sicht derart eingeschränkt, dass manche Einsätze unmöglich gewesen seien.

Die Bürgermeister der Region fordern mehr Hilfe aus der Luft. Sie bemängelten, dass die Entscheidungsträger in Athen in den vergangenen Tagen mehr Löschflugzeuge im Raum der griechischen Hauptstadt einsetzten – mit dem Ergebnis, dass die Brände in den Provinzen außer Kontrolle gerieten.

Brandlöschung in Peloponnes am 5. August.
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Einsatzort der Österreicher noch unbekannt

Wo genau die österreichischen Feuerwehrleute zum Einsatz kommen sollen wurde noch nicht bekannt gegeben. Die Tiroler Gruppe zeigt sich trotzdem motiviert. "Wir haben jede freie Stelle im Fahrzeug genutzt, um unsere Ausrüstung für die Waldbrandbekämpfung unterzubringen und uns damit bestmöglich auf die voraussichtlichen Einsatzszenarien vorzubereiten. Der genaue Einsatzort und die genauen Aufgaben für uns sind noch in Abklärung mit den Behörden in Griechenland, wir sind jedoch zuversichtlich uns schnell auf die Gegebenheiten einzustellen und möglichst schnell nach Ankunft in den Einsatz zu gehen", schildert Jörg Degenhart. (TT.com, APA)


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