Keine Ermittlungen gegen ÖVP-Großspender Schütz

Deutsche Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Ex-Deutsche-Bank-Aufsichtsrat und ÖVP-Großspender Schütz rund um Wirecard ein.

  • Artikel
  • Diskussion
Nach dem Rat an Wirecard-Chef Braun, die Financial Times „fertigzumachen“, musste Alexander Schütz bei der Deutschen Bank gehen.
© C-Quadrat

Frankfurt – Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ermittlungen gegen den österreichischen ehemaligen Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Alexander Schütz wegen des Verdachts des Insiderhandels mit Wirecard-Aktien eingestellt. Der Anfangsverdacht einer Straftat bestehe nicht, es sei kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte dahingehend Anzeige erstattet. Ein Sprecher Schütz’ wollte sich laut der Nachrichtenagentur Reuters nicht äußern.

ÖVP-Großspender Schütz war wegen einer E-Mail an den österreichischen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun in Misskredit geraten. Im Februar 2019 hatte Schütz in einer persönlichen Mail an Braun geschrieben, Wirecard solle die Wirtschaftszeitung Financial Times wegen ihrer kritischen Berichte über Wirecard „fertigmachen“. Die Zeitung hatte in mehreren Artikeln über Bilanzierungsunregelmäßigkeiten bei dem Zahlungsdienstleister berichtet und letztlich den Wirecard-Betrugsskandal aufgedeckt. Im Juni 2020 meldete Wirecard Insolvenz an, Braun sitzt seither in Haft.

Die E-Mail von Schütz an Braun war Mitte Jänner bei einer Befragung von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag bekannt geworden. Daraufhin hatte sich die Deutsche Bank von Schütz distanziert. Zwei Monate später, im März, legte Schütz sein Aufsichtsratsmandat bei der Deutschen Bank nieder. Schon davor war er aus wichtigen Ämtern im Aufsichtsrat ausgeschieden, etwa dem Nominierungsausschuss.

In den Aufsichtsrat der Bank eingezogen war Schütz, der Gründer des Vermögensverwalters C-Quadrat war, im Jahr 2017 auf einem Ticket des chinesischen Mischkonzern HNA, weil C-Quadrat die HNA-Anteile an der Bank verwaltete. Später erwarb Schütz von HNA selbst Bank-Anteile über sein Family Office und hielt sie über eine komplexe Derivate-Konstruktion.

Der HNA-Konzern ging heuer pleite. In der HNA-Gruppe sollen Milliarden veruntreut worden sein. (TT, Reuters)


Kommentieren


Schlagworte