Land zieht die Corona-Zügel an, neue Beschränkungen in Osttirol

Ab Mittwoch gilt eine Ausreisetestpflicht für Oberlienz und Innervillgraten. Veranstaltungen werden bezirksweit eingeschränkt.

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Wie hier in Oberlienz wird es auch in Innervillgraten ab morgen Ausreisetests benötigen. Ausgenommen sind Geimpfte und Genesene.
© Blassnig

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Lienz – Es ist eine Virus-Melange aus Reiserückkehrern, Ansteckungen in Familienverbänden bzw. größeren Betrieben und einer im Vergleich zu Rest-Tirol unterdurchschnittlichen Impfquote, die nun Osttirol erneut Verschärfungen in der Bekämpfungen der Corona-Pandemie beschert.

Der Landeskrisenstab hat gestern nach intensiven Beratungen mit der örtlichen Bezirkshauptmannschaft sowie einer Videokonferenz mit den betroffenen Bürgermeistern eine Ausreisetestpflicht für die Gemeinden Oberlienz und Innervillgraten verhängt. Das dortige aktuelle Infektionsgeschehen sei derart rasant, dass dem Land allein schon aufgrund des Hochinzidenzerlasses des Bundes (über 300) keine andere Möglichkeit bleibe, als diese Maßnahmen einzuleiten, hieß es gestern. Die absoluten Fallzahlen der aktiv Positiven lagen gestern in Innervillgraten bei 15 (bei knapp 900 Einwohnern) sowie 17 im Fall von Oberlienz (rd. 1460 Einwohner). Für den Bezirk wies das Land gestern 207 von tirolweit 600 aktiv Positiven aus – die 7-Tage-Inzidenz für Osttirol liegt bei 332. Zwei von insgesamt aktuell drei Intensivpatienten in Tirol liegen im Krankenhaus Lienz – die allgemeine Lage in den Spitälern sei aber stabil, versichert Einsatzstabsleiter Elmar Rizzoli.

📽️ Video | Osttirol: Testpflicht und Obergrenzen

Die Ausreisetestpflicht gilt ab Mittwoch (0 Uhr) und dauert bis 24. August (24 Uhr). Davon ausgenommen sind – und das ist im Gegensatz zu bisherigen Ausreisetestpflichten neu – geimpfte Personen und Genesene (mit einer Impfung). Einen negativen PCR- oder Antigentest müssen alle Personen, die dort aufhältig waren oder sind (unabhängig von Wohnsitz und Dauer), bei der Ausreise vorweisen. Testmöglichkeiten werden in den Gemeindezentren eingerichtet. Veranstaltungen in den betroffenen Gemeinden mit über 50 Personen werden vorerst ebenso untersagt.

Damit das dynamische Infektionsgeschehen im gesamten Bezirk unterbrochen werden kann, gelten ab Mittwoch (bis 1. September) auch bezirksweite Verschärfungen der Corona-Maßnahmen. So gilt in Osttirol ein Verbot für Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern, für andere gilt eine Registrierungspflicht. Darüber hinaus wird die FFP2-Masken-Pflicht bei Indoor- wie Outdoor-Veranstaltungen für drei Wochen wieder eingeführt. Selbiges gilt ebenso wieder für den Handel.

Dass in Osttirol Handlungsbedarf auch hinsichtlich der Impfmoral besteht, hat das Land bereits erkannt. Nicht umsonst finden im Osttiroler Oberland (mit Villgratental und Tiroler Gailtal) sowie in der Region Hinteres Iseltal am 20. und 21. August dezentrale Impftage ohne Anmeldung statt. Die Anzahl der Vollimmunisierten liegt im Bezirk nur bei 49,5 Prozent der Gesamtbevölkerung (Tirol: 53,7%), in Oberlienz bei knapp 47 und in Innervillgraten nur bei 39 Prozent.

Doch auch tirolweit besteht in einigen Altersgruppen noch massiver Aufholbedarf, wie Gesundheitsdirektor Thomas Pollak gestern einmahnte. Bei den 12- bis 19-Jährigen haben mit Stand gestern 38 Prozent eine Erstimpfung erhalten, rund 24 Prozent sind vollimmunisiert. Bei den Personen in der Altersgruppe 20–29 Jahre lautet das Verhältnis 54 zu 44 Prozent. In Summe liegt Tirol mit 841.300 durchgeführten Corona-Schutzimpfungen bei einer Vollimmunisierung der impfbaren Bevölkerung (ab 12 Jahren) von 61 Prozent. „Die steigenden Infektionszahlen zeigen deutlich, dass wir noch nicht am Ziel sind“, so Pollak.


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