Deutscher Lokführer-Streik trifft Bahnreisende zweiten Tag in Folge

Der Streik der GDL soll in der Nacht zum Freitag enden. In Österreich betroffen sind manche Tagesverbindungen nach Deutschland, die nur im heimischen Abschnitt geführt werden können, sowie auch der Nachtreiseverkehr etwa nach Hamburg.

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Anzeigetafeln im Kölner Hauptbahnhof verkünden streikbedingte Zugausfälle.
© Henning Kaiser

Berlin, Frankfurt am Main – In Deutschland trifft der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL den zweiten Tag in Folge den Urlauber- und Berufsverkehr. Im Nahverkehr will die Deutsche Bahn mit etwa 20 bis 30 Prozent des Zugangebots Reisende ans Ziel bringen, wie Bahn-Sprecher Achim Stauss am Donnerstag in Berlin sagte. Am Mittwoch hatte die Bahn noch von 40 Prozent der Züge gesprochen, die gefahren seien. Im Fernverkehr soll es laut Stauss ein Viertel des sonst üblichen Platz-Angebots sein.

Am Mittwoch habe man den Ersatzfahrplan stabil fahren können. "Das ist auch heute das Ziel." Der Streik der GDL soll in der Nacht zum Freitag enden. Er sei optimistisch, dass im Laufe des Freitags der Verkehr dann wie gewohnt laufe, sagte Stauss. Er gehe auch davon aus, dass die Bahn die verschobenen Reisen dann in der nächsten Woche bewältigen könne.

Österreich weiterhin betroffen

In Österreich betroffen sind manche Tagesverbindungen nach Deutschland, die nur im heimischen Abschnitt geführt werden können, sowie auch der Nachtreiseverkehr etwa nach Hamburg. Der innerösterreichische Tagverkehr von Salzburg nach Tirol über den DB-Korridor ist von den Einschränkungen allerdings nicht beeinträchtigt. Ebenfalls sollen die Railjet Verkehre Wien/Klagenfurt nach München, sowie die EC Verkehre Italien - Kufstein - München planmäßig geführt werden.

Nach gescheiterten Tarifverhandlungen hatten sich die GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für den Streik ausgesprochen. Die Deutsche Bahn hatte der GDL zuletzt Lohnerhöhungen in zwei Schritten angeboten: 1,5 Prozent zum 1. Jänner 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024. Der GDL reicht dies nicht aus. Sie fordert unter anderem frühere Lohnerhöhungen, eine kürzere Laufzeit und einen Corona-Bonus von 600 Euro. Am Wochenende will die Gewerkschaft nicht streiken, wie GDL-Chef Weselsky sagte. Über weitere Arbeitskämpfe soll in der nächsten Woche beraten werden. Die Deutsche Bahn hat offen gelassen, ob sie der GDL ein neues Angebot macht. Allerdings forderte Stauss die Gewerkschaft erneut zu Gesprächen auf. "Der Konflikt kann nur am Verhandlungstisch gelöst werden. Dazu sind wir auch bereit".

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"Es geht um die Existenz der GDL"

Weiter erschwert wird der Konflikt auch durch die Rivalität der GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die bereits einen Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn geschlossen hat. EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel führte die Härte der Auseinandersetzung auch darauf zurück: "Es geht um die Existenz der GDL", sagte er im Deutschlandfunk. Die GDL wolle sich als größte Gewerkschaft bei der Deutschen Bahn etablieren und habe sich dabei verzockt. Insgesamt schade die Auseinandersetzung der Gewerkschaften aber den Beschäftigten: "Jede Form von Spaltung nutzt nur der anderen Seite."

Eine Zusammenarbeit sei daher grundsätzlich möglich. "Das bedeutet aber, dass man Vertrauen zueinander haben muss", sagte der EVG-Chef. Es dürfe nicht wie seit vielen Jahre ein Konfrontationskurs von der GDL gefahren werden. Der Betriebsfrieden sei zerstört. "Wenn das alles abgestellt wird, sind wir sofort bereit uns an den Tisch zu setzen und darüber zu reden, wie man vernünftig miteinander umgeht." Sollte die GDL jetzt im Konflikt ein besseres Ergebnis erreichen, sei klar, dass die EVG nachverhandeln könne. Das sei mit der Bahn vereinbart. (APA/Reuters)


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