„Das Leben des Angelo Soliman“ in Telfs: Hier steppt der Prince

Puppen- und Schauspiel: „Das Leben des Angelo Soliman“ bei den Volksschauspielen Telfs.

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Josephine Buchwitz (Mitte) und O’tooli Fortune Haase führen die Angelo-Soliman-Puppe.
© Malyshev

Von Markus Schramek

Telfs – Die Geschichte Angelo Solimans wurde schon oft erzählt, zuletzt 2020 von Dramatiker Felix Mitterer in seinem ersten Roman „Keiner von euch“. Im Tauschweg mit einem Pferd wurde das Kind im 18. Jahrhundert aus Afrika verschleppt und nach Europa verkauft. In Sizilien wuchs er auf, ehe er an Blaublüter in Wien weitergereicht wurde.

Es war ein Dasein geprägt von Fremdbestimmung und Ausbeutung, daran änderte auch Solimans Tod 1796 nichts. Seine Körperhülle wurde präpariert und in Form eines „halbnackten Wilden“ in einem kaiserlichen Wiener Museum ausgestellt. Soliman wurde posthum zum Anschau-Objekt, zur Puppe.

Rechts: viel Gemunkel im Halbdunkel.
© Malyshev

Hier setzt das Theaterstück „Das Leben des Angelo Soliman“ an, das, in der Regie von Magdalene Schaefer und auf Basis eines Textes von Ramsès Alfa, vorgestern bei den Volksschauspielen Telfs uraufgeführt wurde. Soliman tritt dabei als Puppe in Erscheinung, man könnte auch sagen als Marionette, deren Richtung andere bestimmen.

Den Rahmen bildet eine bevorstehende, aktuelle Ausstellung über Soliman. Diese, so darf man annehmen, ist ein veritabler Skandal. Zu Gesicht bekommt man aber kein Exponat. Den Grund zu verraten, würde die Schlusspointe preisgeben. Daher: Psst!

Drei SchauspielerInnen, junge AbsolventInnen der Berliner Ernst-Busch-Hochschule, wechseln sich im Puppenspiel ab. Gekonnt führen sie Soliman durch Stationen seines Lebens.

Der Jüngling wird der höfischen Etikette entsprechend eingekleidet. Hinter einer Leinwand, als sinistres Spiel im Schatten, wird Solimans weiteres Schicksal besiegelt. Frau Marquise verschenkt den Buben an den Fürsten Lobkowitz in Österreich.

Jetzt hat der an sich 2016 verblichene Prince seinen Auftritt, genauer gesagt „the artist formerly known as Prince“: Schauspielerin Eileen Freiin von Hoyningen persifliert Solimans neuen Herrn von Lobkowitz als exzessiven, Geld verprassenden Salon-Schnösel. Mit aufgeklebtem Bart an der Lippe und reichlich „fake hair“ auf der Brust wagt die Prince-Mimin zu dessen Hit „Kiss“ ein laszives Tänzchen.

Das hat Potenzial. Oder hätte. Denn nach einer Stunde ist schon Schluss im aufgeheizten Kranewitter Stadl. Ausbaufähige Themen werden angetippt: Unterdrückung, Fremdsein, Einsamkeit. Wirklich in die Tiefe gelangt man dabei aber nicht.


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