Löschflugzeuge in Italien weiter im Dauereinsatz, Feuer vor Toren Roms

Besonders von den verheerenden Waldbränden bei Gluthitze betroffen sind aktuell die süditalienische Region Kalabrien und die Insel Sizilien. Aber auch vor Rom loderten die Flammen. In Griechenland entspannt sich indes die Lage.

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Seit Wochen flammen in Italien immer wieder weitläufige Waldbrände auf. Auf Sizilien wurden am Donnerstag zudem mehr als 48 Grad Lufttemperatur gemessen.
© Vigili del Fuoco/AFP

Rom – In Süditalien toben weiterhin heftige Brände. Besonders betroffen sind die süditalienische Region Kalabrien und die Insel Sizilien. Ein großes Feuer wütete in der Nacht auf Freitag in der Provinz Rieti nördlich von Rom. Die Flammen erreichten einige Häuser. Zwei Hubschrauber und ein Canadair-Löschflugzeug des Zivilschutzes waren bei den Löscharbeiten im Einsatz, berichteten Medien.

Drei Wohngebäude und eine soziale Einrichtung für Jugendliche wurden zudem in der Nacht auf Freitag evakuiert, nachdem es zu einem Brand in Tivoli östlich von Rom gekommen ist. 25 Familien und die Einrichtung, in der 30 Personen, darunter zehn Minderjährige, leben, mussten evakuiert werden.

Die Flammen entwickelten sich in einem 70 Quadratmeter großen Lager, berichteten die Behörden. Niemand wurde verletzt. Feuerwehrmannschaften kämpften stundenlang, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Badegäste in Apulien mussten flüchten

In der süditalienischen Adria-Region Apulien zerstörte ein Großbrand Dutzende Hektar mediterraner Wälder an einem der schönsten Küstenabschnitte des Salento. Viele Badegäste, die sich am Donnerstagnachmittag auf den Stränden aufhielten, strömten auf die Straße. Der Verkehr in Richtung Santa Maria di Leuca wurde sowohl auf der Hauptstraße als auch auf der Küstenstraße unterbrochen und auf andere Strecken umgeleitet, um die Löscharbeiten zu ermöglichen, die durch den Wind erschwert wurden. Am kritischsten war die Lage in der Nähe von Santa Cesarea Terme, wo die Gäste eines Resorts von der Hotelleitung vorsorglich evakuiert und in eine andere Unterkunft verlegt wurden.

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Angesichts der Rekordtemperaturen der letzten Tage herrscht auf der gesamten Halbinsel nach wie vor höchste Alarmbereitschaft. Drei französische Canadair-Löschflugzeuge sind bei der Brandbekämpfung im Dauereinsatz. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi, der die Situation aufmerksam verfolgt, führte am Donnerstagabend ein Telefon mit dem Bürgermeister der süditalienischen Stadt Reggio Calabria, Giuseppe Falcomata. Die Umgebung der Stadt ist schwer von den Flammen betroffen.

„Draghi rief mich an und sicherte unserer Gemeinde und ganz Kalabrien seine volle Unterstützung zu. Wir haben uns auf Entschädigungen für die von den Bränden betroffenen Gemeinden, einen außerordentlichen Plan zur Sicherung des Gebiets und die Wiederaufforstung der zerstörten Grünflächen geeinigt“, schrieb Falcomata auf Twitter. Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, wird am heutigen Freitag in Reggio Calabria erwartet, um die Lage vor Ort zu prüfen.

Fast 50.000 Feuerwehreinsätze in Italien seit 15. Juni

Seit 15. Juni hat die Feuerwehr in Italien 48.656 Einsätze durchgeführt, über 20.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (28.160). Nach Angaben der nationalen Einsatzzentrale der Feuerwehr muss man, um ähnliche Zahlen zu finden, bis ins Jahr 2017 zurückgehen, wo es bis zum 11. August 50.004 Einsätze gab.

Auch die Zahl der Canadair-Einsätze hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt: 879 gegenüber 359. Die Canadair-Maschinen und Hubschrauber der staatlichen Flotte haben allein am Donnerstag 33 Einsätze geleistet, um beim Löschen der Brände zu helfen.

Erste internationale Helfer kehren aus Griechenland zurück

Besser entwickelt sich derzeit die Lage in Griechenland. Erstmals seit Tagen sind die Brände in allen Regionen des Landes unter Kontrolle oder sogar weitgehend gelöscht. Dies teilte der griechische Zivilschutz am Freitagmorgen mit. Lediglich in der gebirgigen Region Gortynia auf der Halbinsel Peloponnes gebe es immer wieder kleinere Brände, die aber rasch von den Einsatzkräften gelöscht würden.

Die ersten Helfer aus 24 Staaten, die Griechenland zur Hilfe geilt waren, kehren zurück. Am Donnerstag wurden drei französische Löschflugzeuge abgezogen und zur Brandbekämpfung nach Italien geschickt. Auch zwei zypriotische Löschflugzeuge und 40 Feuerwehrleute kehrten in ihre Heimat zurück.

Gefahr nicht gebannt, Schäden enorm

Die Feuerwehr warnte jedoch, die Gefahr sei noch nicht vorbei: In vielen Fällen schwele es noch im Unterholz, und neue Brände könnten ausbrechen. Nach fast 15 Tagen Hitze mit Temperaturen über 40 Grad sollen die Thermometer in Griechenland am Freitag für die Jahreszeit normale Werte um die 32 bis 35 Grad zeigen.

Unterdessen hat die Registrierung der Schäden begonnen. Schätzungen zufolge wurden bei den schweren Bränden im August mehr als 100.000 Hektar Wald- und Buschland sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen zerstört. Eine abschließende Zahl der Häuser, die zerstört oder beschädigt wurden, lag vorerst nicht vor. (TT.com, APA)


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