Angriff von Mob auf Syrer in Türkei: 72 weitere Festnahmen

Nach 76 Festnahmen nach Übergriffen auf Syrer wurden weitere 72 Personen verhaftet. Ein Mob hatte am Mittwoch Menschen syrischer Herkunft, ihre Geschäfte und Häuser angegriffen. Hunderte Menschen zogen durch den Bezirk Altindag, warfen Steine auf Wohnungen, in denen sie Syrer vermuteten und plünderten Läden.

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Auch Läden wurden geplündert und Steine durch Scheiben geworfen.
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Ankara – Nach den Übergriffen auf Syrer in der türkischen Hauptstadt Ankara hat die Polizei weitere Verdächtige gefasst. Es seien 72 Menschen festgenommen worden, teilte die Polizeidirektion Ankara am Freitag auf Twitter mit. Sie sollen sich teilweise Polizeianweisungen widersetzt und provokative Inhalte auf Social Media geteilt haben. Am Vortag waren bereits 76 Menschen in Zusammenhang mit den Ausschreitungen festgenommen worden.

Ein Mob hatte am Mittwoch Menschen syrischer Herkunft, ihre Geschäfte und Häuser angegriffen. Hunderte Menschen zogen durch den Bezirk Altindag, warfen Steine auf Wohnungen, in denen sie Syrer vermuteten und plünderten Läden, wie türkische Medien berichteten und auf Aufnahmen zu sehen war. Der Chef des türkischen Roten Halbmonds, Kerem Kinik, schrieb auf Twitter, ein syrisches Mädchen sei am Kopf verletzt worden. Auslöser für die Angriffe war der Tod eines 18-jährigen Türken, der Medien zufolge mutmaßlich von einem Syrer erstochen worden war.

Ein Einwohner Altindags, der aus Aleppo in Syrien stammt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, auch er, seine Familie und sein Haus seien angegriffen worden. Junge Männer hätten ihn und seinen Sohn unvermittelt verprügelt und mit Messern verletzt, die Scheiben seines Hauses und seines Autos seien eingeworfen worden. Gemeinsam mit anderen syrischen Nachbarn sei er aus der Gegend geflohen. Andere Bewohner hätten sich erst aus ihren Häusern getraut, als die Polizei vor Ort war. Aus Angst vor weiteren Angriffe könne er vorerst nicht nach Altindag zurückkehren.

Die Stimmung gegen Syrer und andere Ausländer im Land hat sich in den vergangenen Wochen aufgeheizt. Unter anderem hatten Videos in den sozialen Medien von Afghanen, die auf illegalem Weg über die Grenze mit dem Iran in die Türkei kommen, für Aufregung bei einigen gesorgt.

In der Türkei leben rund 3,6 Millionen geflüchtete Menschen aus Syrien, hinzu kommen Hunderttausende weitere Migranten etwa aus Afghanistan. (APA, dpa)


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