Anna Caterina: Fromme Leiber, raue Sitten und fehlende Erben

Die Südtiroler Historikerin Elena Taddei spürt in ihrem soeben erschienenen Buch der exakt vor 400 Jahren verstorbenen, am kunstsinnigen Hof der Gonzaga in Mantua aufgewachsenen Anna Caterina nach, die eigentlich Nonne werden wollte.

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Anna Caterina Gonzaga, von einem oberitalienischen Meister vor 1582 gemalt.
© KHM-Museumsverband

Innsbruck – Anna Caterina Gonzaga, die zweite Frau von Erzherzog Ferdinand II., war nicht wirklich zu beneiden. Stand die Kaiserenkelin doch immer im Schatten ihrer „Vorgängerin“, der Augsburger Bürgertochter Philippine Welser, der scheinbar großen Liebe des Landesfürsten. Was diesen allerdings nicht von außerehelichen Eskapaden abhielt – genauso wenig wie davon, sich bereits zu Lebzeiten seiner kränkelnden Philippine nach einer passenden Nachfolgerin umzuschauen. Diesmal einer, die standesgemäß war, galt es doch, die Erbfolge zu wahren.

Die Südtiroler Historikerin Elena Taddei spürt in ihrem soeben erschienenen Buch der exakt vor 400 Jahren verstorbenen, am kunstsinnigen Hof der Gonzaga in Mantua aufgewachsenen Anna Caterina nach, die eigentlich Nonne werden wollte. Kein Wunder angesichts der damals in hochadeligen Kreisen üblichen Heiratspolitik, bei der so etwas wie Liebe keine Rolle spielte, sondern es allein darum ging, was etwa im Fall Ferdinands für den habsburgischen „Familienkörper“ von Vorteil war.

Dass Anna Caterina bei ihrer Hochzeit 1582 erst 16 und 37 Jahre jünger als Ferdinand war, der noch dazu ihr Onkel war, störte niemanden, auch nicht den Papst. Die eigentliche Aufgabe der jungen Landesfürstin, einen Stammhalter auf die Welt zu bringen, konnte die Mutter von „nur“ drei Mädchen allerdings in den 13 Jahren ihrer Ehe nicht erfüllen.

In Elena Taddeis Buch geht es allerdings um viel mehr als die Landesfürstin, ihren großen Einfluss im europaweiten dynastischen Kontext, ihre Rolle für das geistliche Leben in Tirol als Klostergründerin und schließlich Priorin ihres „Regelhauses“. Entwirft die Autorin doch weit darüber hinaus ein spannendes Sittenbild der Zeit um 1600. Da geht es um Kunst und Kultur genauso wie um hohe Politik, Staatsräson, fromme Leiber, raue Sitten und ausgefinkelte Netzwerke. (schlo)

Tyrolia Verlag, 200 Seiten, viele Abb., 27,95 Euro.


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