Eindeutiges Bekenntnis zum Uneindeutigen

Heimo Zobernig hat im Wiener mumok sein Atelier eingerichtet und mit Arbeiten aus 20 Jahren bestückt.

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Blick in die groß angelegte, von Heimo Zobernig selbst inszenierte Retrospektive im Wiener Museum für moderne Kunst im Museumsquartier.
© mumok/Georg Petermichl

Von Edith Schlocker

Wien – Das Grundmotiv seiner Kunst sei sein „eindeutiges Bekenntnis zur Uneindeutigkeit“, sagt Heimo Zobernig, der Maler genauso wie Bildhauer und Medienkünstler ist. Um sich 2015 bei der venezianischen Biennale sowie wie im Kunsthaus Bregenz als souveräner Raumverwandler zu erweisen. Wozu der 63-jährige Künstler, den man hierzulande von mehrfachen kleinen „Gastspielen“ in der Innsbrucker Galerie Widauer kennt, nun in ganz großem Stil im Wiener Museum für moderne Kunst Gelegenheit hat.

In einer von Zobernig selbst choreografierten bzw. inszenierten – von Hausherrin Karola Kraus kuratierten – Schau, die durchaus theatralische Züge aufweist. Um in ein auf einen ersten Blick irritierend provisorisch aus Stellwänden konstruiertes Setting Beispiele von Arbeiten seiner in den letzten Jahren entstandenen Werkblöcke zu implementieren. In denen es auf ganz unterschiedliche Weise um die Erweiterung des traditionellen Begriffs von Malerei geht. Um Grenzüberschreitungen ins Dreidimensionale und Digitale, um ein Erforschen der autonomen Prinzipien von Malerei genauso wie deren letztlich politische Dimension.

Dementsprechend ambivalent kommt die Schau im Wiener mumok auch daher. Als monumentale Werkstatt des Denkens und Machens voller Bezüge und Querverweise, die für den Besucher nicht immer leicht zu entschlüsseln sind. Was streckenweise allerdings auch durchaus vergnüglich sein kann, wenn der Künstler etwa eine amorphe Figur mit Riesenpenis in ein Regal zwängt neben einem, das poetisch mit Federn verklebt ist.

Flair des Provisorischen

Insgesamt verströmt die Schau Ateliercharakter, das Flair des Provisorischen, wie man es von musealen Ausstellungen eigentlich nicht kennt. Bestückt mit gern quadratischen Bildern, die mehr oder weniger bunt verpixelt, aber auch in expressivem Gestus gemalt oder mit glitzernden Swarovski-Steinchen besetzt sind. Dass Heimo Zobernig das ganz große Format mag, wird in der Schau offensichtlich. Da gibt es ganze Wände, die wie aus winzigen Fliesen gepuzzelt daherkommen genauso wie handliche Formate, in denen sich Buchstaben zu suggestiven Farbräumen überlagern oder von klaren Streifen mustrig durchkreuzt sind.

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Eingerahmt von Stellwänden mit schwarzweißem Schachbrettmuster steht eine Doppelliege mit einer kuscheligen Decke im selben Muster. Ein Objekt der Kunst, das zu benutzen der Ausstellungsbesucher allerdings eingeladen ist. Wahrscheinlich um auf diese Weise ein Nachdenken über museale Strukturen, aber auch das weite Feld der Berührbarkeit von Kunst im realen wie übertragenen Sinn anzuzetteln. „Bewohnt“ wird die Schau allerdings von sonderbaren weißen, in ihren Posen wie eingefroren anmutenden androgynen Figuren. Zur Ausstellung erschienen ist auch eine umfassende Monografie, die auf 400 Seiten in Wort wie Bild in Zobernigs Kunstkosmos eintaucht.


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