Muren, Hagel, Sperren: Heftige Unwetter forderten Tirols Einsatzkräfte

Muren, Überflutungen, umgestürzte Bäume: Eine heftige Gewitterfront samt Sturmböen und Hagel ist am Montagnachmittag über Tirol gezogen. 97 Feuerwehren rückten bis in die Nacht hinein zu 273 Einsätzen aus.

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Murenabgang bei der Farstrinne bei Umhausen.
© Zeitungsfoto.at

Innsbruck, Nassereith – Heftige Unwetter mit Starkregen, Sturm und Hagel haben die Tiroler Feuerwehren am Montagnachmittag erneut auf Trab gehalten und für zahlreiche Straßensperren gesorgt. Die Leitstelle Tirol sprach gegenüber der Tiroler Tageszeitung von kleineren bis mittelgroßen Vermurungen, umgestürzten Bäumen, überschwemmten Kellern, Garagen und Fahrbahnen.

Meldungen über Verletzte lagen keine vor. Allerdings war am Schlegeisspeicher im Zillertal eine Familie in eine alpine Notlage geraten. In Stummerberg schlug ein Blitz offenbar in eine Hochspannungsleitung ein, zwei Wochenendhäuser brannten völlig nieder.

📽️ Video | Erneut heftige Unwetter in Tirol

Bis Dienstagmittag war die Zillertalstraße (B169) zwischen Mayrhofen und Ginzling wegen eines Erdrutsches noch gesperrt, gegen 13 Uhr konnte sie für den Verkehr wieder freigegeben werden. Der Gerlospass ist zwischen Almdorf Königsleiten und Gerlos in beiden Richtungen gesperrt eine Umleitung für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen wurde eingerichtet.

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Die Sperren der Engadiner Straße (B184) zwischen Grenzübergang Schalkl und Kajetansbrücke in Pfunds sowie der Martinsbrucker Straße (B185) zwischen Grenzübergang Martinsbruck und Nauders wurden laut ÖAMTC am Vormittag wieder für den Verkehr freigegeben.

Erdrutsche – wie hier auf der Fernpassstrecke – führten am Montag zu Straßensperren in Tirol.
© Bezirksbauamt Imst/Strigl

Nach einem Murenabgang war die Fernpassstraße für rund anderthalb Stunden für jeglichen Verkehr gesperrt. Gegen 18 Uhr wurde sie wieder freigegeben – zur Sicherheit hat das Land eine Geschwindigkeitsbeschränkung sowie eine Straßenabsicherung eingerichtet.

Auch auf die Ötztal Straße zwischen Tumpen und Umhausen sowie auf die Reschenstraße zwischen Landeck und dem Reschenpass gingen am Nachmittag Muren ab. Diese Abschnitte sind mittlerweile ebenfalls wieder befahrbar. Sollte jedoch weiteres Material nachrutschten, müssen die Straßen erneut gesperrt werden.

⛔ Straßensperren bzw. Behinderungen in Tirol

Bezirk Schwaz:

  • Gerlospass (B165) zwischen Almdorf Königsleiten und Gerlos in beiden Richtungen gesperrt, Erdrutsch, Umleitung für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen eingerichtet
  • Stummer Straße (L216) zwischen Stumm und Kreuzung nach Haslach in beiden Richtungen

Bezirk Lienz

  • Virgentalstraße (L24) zwischen Obermauern und Prägraten wegen eines Erdrutsches

Bezirk Innsbruck-Land:

  • Sellraintalstraße (L13) zwischen Sellrain und Gries in beiden Richtungen für beide Richtungen nur ein Fahrstreifen abwechselnd frei
  • Wattenbergstraße (L339) zwischen Wattenberg und Keilfeld wegen Erdrutschgefahr
  • Innerbergstraße (L332) zwischen Kolsassberg und Kreuzung nach Weerberg wegen Erdrutschgefahr

Service: Aktuelle Verkehrsinfos für Tirol

Blitzeinschlag löste Brände in Gatterberg aus

Ein Blitzeinschlag setzte am Montagabend gegen 20.20 Uhr zwei Wochenendhäuser in Gatterberg im Gemeindegebiet von Stummerberg in Brand. Die Holzhäuser, in denen sich niemand aufhielt, wurden dabei schwer beschädigt. Die Freiwilligen Feuerwehren Stumm, Kaltenbach, Ried im Zillertal und Fügen konnten die Flammen schließlich löschen.

Als die Feuerwehr eintraf, standen die Wochenendhäuser bereits in Vollbrand.
© ZOOM.TIROL

Laut Polizei dürfte der Blitz in eine Hochspannungsleitung eingeschlagen haben, die über den Gebäuden verläuft. An mehreren umliegenden Häusern wurden die Verteilerkästen beschädigt. Der Strom fiel in der Umgebung aus.

Im Zillertal hat es kräftig gehagelt.
© ZOOM.TIROL

Hagel und Überschwemmungen in Aschau

Heftiger Sturm und Hagel zogen am Nachmittag auch durch das Zillertal. Teilweise kippten Bäume auf Straßen, in Aschau kam es zu Überflutungen. Laut der Österreichischen Unwetterzentrale zogen die Gewitter in Richtung Salzburger Land weiter, wo die höchste Alarmstufe „Violett" ausgerufen wurde. Vor allem im Pinzgau und Pongau kam es am Abend zu Murenabgängen.

📽️ Video | Unwetter in Aschau

Hagel in Aschau.
© ZOOM.TIROL

Bergrettung rückte am Schlegeisspeicher aus

In Finkenberg war eine Familie aus Deutschland beim Rückweg auf einer Wanderung von dem Unwetter überrascht worden. Die Eltern waren mit ihren drei Kindern – 7, 5 und ein Jahr alt – vom Furtschaglhaus zum Parkplatz des Schlegeisspeichers unterwegs. In ca. 1810 Metern Höhe suchten sie schließlich bei der sogenannten „Jagdhütte" Unterschlupf und setzten den Notruf ab. Während die Familie auf die Bergrettung Ginzling wartete, brach der Zufahrtsweg zur Hütte unter den Regenmassen weg. Das erschwerte die Rettung zusätzlich – den Helfern gelang es jedoch, die Familie unversehrt ins Tal zu bringen.

Unwetterschäden im Zillertal.
© ZOOM.TIROL

Mehr als 95 Feuerwehren im Einsatz

Reichlich Hagel gab es auch im Mittelgebirge, wie hier in Rinn.
© Nathalie Kurz

Wegen heftigen Regens und teilweise starken Hagels kam es am Montag ab dem frühen Nachmittag tirolweit zu zahlreichen Einsätzen. Laut Anton Wegscheider, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes, gab es bis Dienstagfrüh 273 Alarmierungen, 97 Feuerwehren rückten aus – die meisten davon im östlichen Mittelgebirge, aber auch im Zillertal, dem Pitztal und in anderen Teilen des Oberlandes.

„Es handelt sich häufig um Wasserschäden, Keller, die überflutet wurden. Tiefgaragen und einige Unterführungen standen unter Wasser. Auch kleinere bis mittlere Erdrutsche wurden verzeichnet“, sagt Wegscheider. Zudem traten durch Verklausungen einige Bäche über ihre Ufer.

Straßenschäden durch Starkregen auf der Landesstraße zwischen Neu-Götzens und Mutters.
© Zeitungsfoto.at

Feuerwehrmann in Nassereith von Mure verschüttet

Quer über Tirol waren bereits am Sonntagabend einige heftige Gewitter niedergegangen. Bei Aufräumarbeiten nach einer Vermurung in Nassereith wurde bereits am Sonntagabend ein Feuerwehrmann von einer Mure bis zum Kopf verschüttet. Gegen 21 Uhr stellte der Mann mit seinen Kameraden der Feuerwehr Nassereith gerade eine Beleuchtung auf, als plötzlich ein Hang samt Bewaldung abrutschte. Der 34-Jährige wollte noch flüchten, wurde jedoch von der Mure erfasst.

Der Feuerwehrmann wurde am Sonntag in Nassereith von den Erdmassen erfasst.
© FF Nassereith

Seine Feuerwehrkameraden und Helfer, die die Vermurung mitangesehen hatten, konnten den Verschütteten mit bloßen Händen ausgraben. Der 34-Jährige wurde mit Verletzungen unbestimmten Grades in das Krankenhaus Zams eingeliefert.

Mure und Überflutungen in Wenns

Unwetter in Wenns.
© FF Wenns

Ein starkes Unwetter mit Wolkenbruch und Hagel ging am Sonntagabend auch über Wenns nieder. Eine Mure ging ab, mehrere Bäche traten über die Ufer und ein Baum stürzte auf die L16 Pitztalstraße. Auch die L17 Piller Straße war betroffen, wie die Freiwillige Feuerwehr Wenns mitteilte. Im Einsatz standen 55 Mann aus Wenns, 35 Feuerwehrleute aus Jerzens und 20 Personen der Freiwilligen Feuerwehr Piller. Nach drei Stunden waren die Einsätze beendet.

Zwischen Kirchbichl und Langkampfen stand nach einem starken Unwetter eine Bahnunterführung unter Wasser. Ein 23-Jähriger versuchte mit seinem Auto dennoch durchzufahren. Nach 50 Metern blieb der Wagen liegen. Der Mann rettete sich unverletzt aufs Dach.

📽️ Video | Auto blieb in überfluteter Unterführung stecken


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