Asthma-Cortisonspray mit sehr beschränkter Wirkung bei Covid-19

Am ehesten bewirken die Sprays eine etwas schnellere Genesung, so eine aktuelle Studie. Bei Hospitalisierungen und Todesfällen konnte jedoch kein ausreichender Effekt festgestellt werden.

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London/Wien – Im Frühjahr dieses Jahres kam es zu einem plötzlichen Hype rund um Uralt-Cortison-Asthma-Sprays mit Budesonide als mögliches Covid-19-Medikament. Doch für große Hoffnungen besteht laut der jetzt im Lancet veröffentlichten PRINCIPLE-Studie kein Grund. Am ehesten könnte dadurch eine etwas schnellere Genesung erreicht werden.

Die ersten und ausgesprochen hoffnungsreichen Meldungen über den Effekt einer Budesonide-Behandlung bei Covid-19-Patienten hatten sofort Schlagzeilen gemacht. Demnach sollte mit dem Asthmamittel zum Inhalieren unter anderem die Wahrscheinlichkeit von ambulanter oder stationärer Spitalsbehandlung innerhalb von 28 Tagen infolge einer SARS-CoV-2-Infektion um 90 Prozent reduziert werden können. Politiker forderten den schnellen und breiten Einsatz des Medikaments gegen Covid-19, auch Ärzte-Standesvertreter propagierten ein solches Vorgehen bzw. Studien – sowohl in Österreich als auch international.

Allerdings, die ersten positiven Aussagen wurden im April dieses Jahres unter der Berücksichtigung von der Daten von nicht einmal 150 Covid-19-Patienten gemacht, die zur Hälfte das Cortison erhalten hatten. Jetzt ist im Lancet online die eigentliche Studie dazu erschienen. Es ging um die Möglichkeit, mit inhalierbarem Budesonide bei Personen mit hohem Risiko weitere Komplikationen zu verhindern.

Probanden mit Budesonide fühlten sich schneller genesen

Aufgenommen wurden 4700 Probanden im Alter über 65 Jahren oder über 50 und Mehrfacherkrankungen. Sie mussten sich zumindest 14 Tage lang nach einem Covid-19-Verdacht krank gefühlt haben. 1073 Patienten erhielten zweimal täglich je 800 Mikrogramm Budesonide, 1988 Personen bekamen bloß die sonst übliche Versorgung, 1639 Studienteilnehmer andere Therapien. Die nunmehrige Auswertung basierte auf 2350 SARS-CoV-2-Infizierten von denen 787 Budesonide einnahmen, 1069 die sonst übliche Versorgung erhielten und 974 anders behandelt wurden.

🔎 Die Studie im Detail

🔗 HIER geht es zum Artikel im Lancet

Das Hauptergebnis laut den Autoren, von denen Ly-Mee Yu und Co-Autoren des britischen Nuffield Department für Primärversorgungsforschung und der Oxford University federführend waren: „In der Budesonide-Gruppe gab es einen Vorteil bezüglich der Zeitdauer bis zur von den Patienten selbst berichteten Genesung von durchschnittlich 2,94 Tagen." Die Befunde wurden offenbar nicht von Ärzten erstellt, sondern spiegeln bloß die Informationen der Teilnehmer.

Hospitalisierungen und Todesfälle nicht signifikant geringer

Es gebe zwar eine Chance, dass sich durch die Behandlung mit dem Asthma-Spray auch Hospitalisierungen und Todesfälle innerhalb von 28 Tagen verhindern ließen, die für die Studie geplanten Parameter zur Feststellung einer Überlegenheit der Therapie dafür seien aber nicht erfüllt worden, schrieben die Autoren. Eine um 2,2 Prozentpunkte geringere Häufigkeit von Spitalsaufnahmen bzw. von Covid-19-Todesfällen (6,8 Prozent versus 8,8 Prozent) war einfach zu gering für eine signifikante Aussage.

Der Budesonide-Hype im Frühjahr dieses Jahres hatte kurzfristig die Arzneimittelversorgung von Asthma-Patienten gefährdet. Die Abgabe der Sprays in Apotheken war plötzlich massiv in die Höhe geschnellt. (APA)


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