Edy Tranker: Star der 1950er wäre heuer 100 Jahre alt geworden

Von Innsbruck aus eroberte er die Operettenbühnen der deutschsprachigen Welt: Nach heutigen Maßstäben war Edy Tranker er wohl ein Superstar seines Fachs. Nicht immer zum Wohlgefallen seiner Witwe Marie Luise.

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Edy Tranker brillierte in zahlreichen Operettenhits der 50er- und 60er-Jahre und eroberte so auch die Herzen des Innsbrucker Publikums.
© Stockklauser

Von Gabriela Stockklauser

Innsbruck – Es geschieht nicht allzu oft, dass Innsbruck einen Weltstar gebiert. Wenngleich sich der Ruhm des Edy Tranker „nur“ auf die deutschsprachige und die Welt der Operette erstreckte, war er doch genau das: ein umjubelter Star, der zu seiner Zeit von Innsbruck aus die Operettenwelt eroberte.

Häufiger passiert es, dass eine Stadt ihre einstigen Stars vergisst. So liegen auf den Tiroler Friedhöfen wohl zahllose große Frauen und Männer, derer zu gedenken sich lohnte. So wie Edy Tranker es wert ist, sich seines Ausnahmetalents zu entsinnen. Der Operettentenor, der weitestgehend Autodidakt war und lediglich eine basale Stimmausbildung genossen hatte, starb 2008. Auf dem Friedhof in Aldrans hat er seine letzte Ruhestätte gefunden.

Tranker wäre am 21. August 100 Jahre alt geworden. Nach heutigen Maßstäben war er wohl ein Superstar seines Fachs. Nicht immer zum Wohlgefallen seiner Witwe Marie Luise, einer gebürtigen Innsbruckerin, die noch heute im Umland der Landeshauptstadt lebt: „Es war oft sehr anstrengend, dauernd von so vielen Fans belagert zu werden.“

Aber der Reihe nach: Man schrieb das Jahr 1955, als den gebürtigen Steirer der Ruf an das Landestheater in Innsbruck ereilte. Schon zuvor hatte er im Osten des Landes, im Raimundtheater in Wien, in Graz und Klagenfurt für Furore gesorgt.

Es waren, nebst seiner Stimmkraft, vor allem seine Spielfreude, seine Bühnenpräsenz und das völlige Aufgehen in seinen Rollen, die das Publikum begeisterten. Schmetterte Edy Tranker eine seiner Lieblingsoperetten – es waren vor allem die von Franz Lehár und Johann Strauß –, hingen die Zuseher an seinem Mund und ihre eigenen blieben offen vor Bewunderung.

Nicht weniger als 65 (!) Vorhänge zählte man nach der Premiere seines „Zigeunerbarons“ am Innsbrucker Landestheater. Als Protagonist Sandor Barinkay musste er, mitten im Stück, schon sein Auftrittslied wiederholen. Sogar englischen Zeitungen war Tranker immer wieder jubelnde Rezensionen wert.

Für drei Bühnenjahre blieb der Operettentenor in Innsbruck, sein privates Zuhause wurde es auf Lebenszeit.

Nach dem Bühnenabschied aus Innsbruck startete Edy Tranker seine internationale Karriere mit Engagements und Auftritten in Nürnberg, im Münchener Gärtnertheater, im Theater des Westens in Berlin, im Pariser Théâtre des Champs-Élysées und bei den Seefestspielen in Mörbisch.


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