Prozess in Innsbruck: Pflegerin überwies Geld ihres Klienten an Arzt in Kabul

Eine 57-Jährige verfiel einem Schwindler, dem sie Geld ihres kranken Klienten überwies.

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Symbolfoto.
© Jan Hetfleisch

Innsbruck – Nur einmal hat sie ihn getroffen, vor Langem, auf einen Kaffee in ihrer Heimat Rumänien. Schwer verliebt, brach die heute 57-Jährige den Kontakt zu dem angeblichen Arzt aus Los Angeles selbst dann nicht ab, als dieser erzählte, künftig in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu praktizieren. Plötzlich bat er um Geld, die Frau überwies es – allerdings nicht nur aus eigener Tasche. Einem Oberländer, bei dem sie als Pflegerin arbeitete, soll sie für diesen Zweck mehrere tausend Euro abgeknöpft haben. Und musste sich deshalb gestern wegen des Vorwurfs des schweren Diebstahls und schweren Betrugs vor dem Innsbrucker Landesgericht verantworten.

„Ich habe nur dann etwas bekommen, wenn er einverstanden war“, rechtfertigte sich die Angeklagte. „Um damit meinem Freund zu helfen. Wegen Corona kann er nicht zu mir. Wenn das vorbei ist, besucht er mich.“ Laut Strafantrag hat die 57-Jährige insgesamt 21.000 Euro von ihrem kranken Klienten ergaunert.

Die Nichte des Pflegebedürftigen schilderte eine andere Geschichte. „Zum Onkel hat sie gesagt, das Geld sei für ihre kaputte Heizung in Rumänien“, meinte die 43-Jährige.

Da das mutmaßliche Opfer kürzlich verstarb und eine Zeugenaussage deshalb unmöglich war, wurde die Rumänin nicht rechtskräftig freigesprochen. „Weil nicht mehr feststellbar ist, was jetzt erlaubt war und was nicht“, erklärte die Richterin. Der Pflegerin, die bis zuletzt leugnete, einem Schwindler aufgesessen zu sein, redete sie ins Gewissen: „Er wird nicht kommen, will nur Geld, keine Liebe. Schalten Sie das Radio ein, dann wissen Sie, was derzeit in Afghanistan passiert. Dieser Tage sitzt dort sicher kein US-Arzt und wartet, bis die Pandemie vorbei ist.“ (bfk)

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