Schreckensherrschaft bis 2001: So sah Afghanistan unter den Taliban aus

Vor 20 Jahren wurden die Taliban gestürzt, nun droht ein erneutes Aufleben ihrer Schreckensherrschaft. Bis 2001 herrschten dort unfassbare Zustände.

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Die Taliban haben sich mit Waffengewalt wieder die Macht in Afghanistan gesichert.
© WAKIL KOHSAR

Kabul – In Afghanistan haben die militant-islamistischen Taliban ab Mitte der 1990er einen islamischen Gottesstaat errichtet. Mit ihrer Schreckensherrschaft kehrten in dem Land mittelalterliche Zustände ein, bis zum Einmarsch der westlichen Truppen 2001.

Frauen durften nicht mehr arbeiten und nur noch verschleiert mit einer Burka und in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds das Haus verlassen. In der Öffentlichkeit war für sie lautes Sprechen oder Lachen verboten. Das Fotografieren und Filmen von Frauen war untersagt. Mädchen wurden vom Schulunterricht ausgeschlossen. Männer mussten Turban und langen Bart tragen. Die Sittenpolizei verprügelte diejenigen auf offener Straße, die gegen diese Regeln verstießen.

Auspeitschungen, Hand abhacken, Steinigungen

Die Willkürherrschaft in Afghanistan kannte keine klaren Gesetze und einklagbaren Rechte. Vergehen wurden mit Auspeitschungen geahndet, Dieben die Hand abgehackt. Homosexuelle wurden gesteinigt. Mörder wurden von den Verwandten ihrer Opfer exekutiert. Afghanen, die zu einer anderen Religion wechselten oder diese propagierten, konnten hingerichtet werden. Die Taliban untersagten den Gebrauch des Internets - etwa weil dort Obszönitäten, Unmoral und Propaganda gegen den Islam verbreitet würden, wie es hieß. Auch Fernsehen, Musik und Tanzen waren verboten.

Die Milizen verfolgten ihre Gegner rigoros. Der frühere Präsident Mohammed Najibullah etwa wurde nach der Eroberung Kabuls aus einem UN-Gebäude verschleppt und öffentlich hingerichtet.

Massenhinrichtung, Folter, Vergewaltigung

Andere Religionen und Kulturen hatten für die Taliban keinen Wert: Ein UN-Report von 1998 berichtete etwa von Massenhinrichtungen von schiitischen Hasara, einer ethnischen Minderheit, dazu brutale Folterungen und Vergewaltigungen. Die Hindu-Minderheit im Land wurde zum Beispiel gezwungen, ein gelbes Kennzeichen auf der Brust zu tragen – angeblich um nicht mehr von der Sittenpolizei wegen zu kurzer Bärte und fehlender Turbane belästigt zu werden.

In Erinnerung bleibt auch die Zerstörung zweier berühmter, in den Fels gehauener Buddha-Statuen im März 2001. Die 55 und 38 Meter hohen Bildnisse aus vor-islamischer Zeit in der Bamian-Provinz hatte die UNESCO als einzigartiges Gut des Welterbes eingeschätzt. Für den Obersten Rat der Taliban waren sie unislamisch.

Konkrete Aussagen über künftige Regeln noch ausständig

Es ist unklar, ob die Taliban heute gleich regieren werden, wie damals. Sie besprechen derzeit, wie ihre Regierung aussehen wird, welchen Namen und Struktur sie haben und wer sie führen wird. Bisher unterließen es ihre Offiziellen, konkrete Aussagen zu machen. Insgesamt geben sie sich jüngst sehr versöhnlich. Frauen sind auch nach ihrer faktischen Machtübernahme in der Hauptstadt in den Straßen unterwegs, sie sind auch weiter in Fernsehsendungen zu sehen. Taliban-Offizielle riefen auch explizit Frauen dazu auf, ihre Arbeit in den Regierungsstellen wieder aufzunehmen. Beobachter zweifeln, ob diese weiche Linie bleibt. (APA, dpa)


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