Volksschauspiele Telfs: Den Mutigen gehört Kreislers Welt

Ein rasanter Abend mehr oder weniger frei nach Georg Kreisler bei den Telfer Volksschauspielen.

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Herzhafter Spaß und bitterböse Musik. Alles im Auge und auch im Griff haben Anne Simmering, Frajo Köhle und Harald Schröpfer (v. l.) bei der Premiere am Montag.
© Victor Malyshev

Telfs – Georg Kreislers sarkastische Aufmüpf-Chansons, so dunkelschwarz, wie das nur Wiener können, sind zeitlose Unterhaltungskunst. Eigentlich gehört diese museal geschützt. Ätzender Wortwitz trifft auf wendiges Wortspiel, schelmisches Augenzwinkern auf verbale Handkantenschläge. Zu scheinbar harmlosen Klängen, gerne im Dreivierteltakt, werden Tauben im Park vergiftet, Theaterkritiker als amouröse Nullen geoutet oder der Auszug von Frau Gemahlin mit euphorischer – letztlich voreiliger – Vorfreude besungen.

Kurzum: Kreislers Lieder sind brandgefährlich für all jene, die sich öffentlich in deren Interpretation versuchen. Da braucht es schon eine ausgewiesen patente Partie wie vor einiger Zeit bei Kreislers „Lola Blau“ im Tiroler Landestheater (mit Laura Schneiderhan in der Titelrolle).

Und nun bringen auch die Volksschauspiele Telfs einen pfiffigen Kreisler-Abend auf die Bühne, die dem großen, 2011 verstorbenen Vorbild posthum sehr zur Ehre gereicht. Vorgestern war Premiere, und man muss gar nicht lange in Wortgirlanden herumfabulieren: Kreisler in Telfs ist richtig gut geworden! Schräg im besten Sinn, nicht nachlassender Elan und das, bei allem Respekt vor den Originalen, mit sehr deutlicher eigener Handschrift in Gesang und Dramaturgie.

Auf der Flucht vor dem Unwetter muss das kleine Team vom Garten des Franziskanerklosters in den kleinen Rathaussaal ausweichen. Macht weiter nichts, denn hier im Trockenen geht bald schon die Post ab. Mit „Kreisler für Mutige“ ist der Abend übertitelt. Den Mutigen gehört bekanntlich die Welt.

Anne Simmering und Harald Schröpfer geben ein fantastisches Kreisler-Paar ab. Beide sind Sänger und Schauspieler (Schröpfer war in Telfs heuer im Stück „Vater“ zu sehen), eine ideale Häufung von Talenten. Begleitet, fallweise auch als Sänger, zumeist aber an diversen Instrumenten (Gitarren, singende Säge, Harmonika, Ukulele), werden die beiden von Frajo Köhle, einem Fleisch gewordenen Universalisten für alle musikalischen Lebenslagen. Köhle werkt als Lenker, Taktgeber und Mitschauspieler.

Anne Simmering ist ein Temperamentsbündel, das, hochhackig beschuht oder nicht, kaum stillstehen kann. Sie verrenkt sich gleichsam bis zum Umkippen, während Harald Schröpfer wie ein schräger Vogel aus dem Halbdunkel die Szenerie beäugt und mit tiefer Stimme das Morbide dick aufträgt. Alle drei verausgaben sich bis an die Schmerzgrenze.

Das operative Trio auf der Bühne wirkt ansteckend. Sein Spaß an der Spielfreude überträgt sich 1:1 auf die Ränge. Das Publikum gerät schier aus dem Häuschen, erklatscht sich dreimal Nachschlag und bedankt sich ausgiebig für einen tollen Abend.


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