Tiroler Einsatzkräfte im Dauereinsatz: „Die Kleinen nicht ausbluten lassen“

Heuer bereits 75.300 Einsatzstunden, 273 Ausrücken allein am Montag: Unwetter stellen Tirols Feuerwehren vor wachsende Herausforderungen. Landeskommandant Peter Hölzl wünscht sich deshalb mehr finanziellen Spielraum.

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Nach einem Blitzeinschlag brach Montagabend in zwei Wochenendhäusern im Zillertal ein Brand aus.
© zoom.tirol

Von Benedikt Mair und Marco Witting

Innsbruck – Kurz nach 20 Uhr heulen am Montag im Umland von Stummerberg die Sirenen. In Gatterberg, einem Ortsteil der Zillertaler Gemeinde, hat ein Blitz in eine Hochspannungsleitung eingeschlagen. Bei zwei unbewohnten Wochenendhäuschen, die direkt darunter standen, brach ein Brand aus. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Stumm, Kaltenbach, Ried im Zillertal und Fügen rückten an und konnten die Flammen eindämmen. Keine Menschen wurden verletzt, jedoch an mehreren umliegenden Gebäuden Verteilerkästen beschädigt. In dem Gebiet fiel der Strom aus. Das war einer von landesweit 273 Einsätzen, welche 97 ausgerückte Feuerwehren an diesem Tag abzuarbeiten hatten.

Schwere Gewitter zogen ab Montagnachmittag über weite Teile Tirols hinweg, oft begleitet von Starkregen oder Hagel. Die Folge waren, wie berichtet, überflutete Keller und Unterführungen, kleinere und mittlere Muren. Einige gesperrte Straßen konnten erst gestern wieder freigegeben werden. Unwetter stellen die heimischen Feuerwehren vor wachsende Herausforderungen. Heuer leisteten die Mitglieder im Zusammenhang mit Naturereignissen 75.300 Stunden Arbeit.

📽️ Video | Heftige Unwetter in Tirol: Muren, Hagel und Überflutungen

„Es ist immer was los. Wöchentlich haben wir Einsätze dieser Art. Und im Vergleich zu den vergangenen Jahren werden sie spürbar mehr“, sagt Landesfeuerwehrkommandant Peter Hölzl. Anders als andere Bundesländer sei Tirol vor gröberen Katastrophen, etwa mit Verletzten oder gar Toten, verschont geblieben. „Was auch daran liegt, dass selbst in entlegenen Gemeinden Feuerwehren etabliert sind. Die kennen die Gegebenheiten vor Ort, wissen, was im Ernstfall zu tun ist.“ Für Hölzl ein entscheidender Trumpf – der verspielt zu werden droht. Denn immer wieder gab es Kritik an den zahlreichen mit Infrastrukturen und Ausrüstung ausgestatteten Organisationen. Lokal- und Landespolitik legt er nahe, die „Feuerwehren da draußen zu unterstützen, die Kleinen nicht ausbluten zu lassen. Es ist der falsche Weg, kleinen Wehren zu sagen, dass sie zu teuer sind und nicht gebraucht werden.“

337 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Tirol,neue Geräte zu beschaffen, bedeutet für viele davon eine gewaltige Anstrengung. „Sie sind am Anschlag mit den finanziellen Mitteln. Die Anschaffungskosten sind in den vergangenen Jahren um bis zu 20 Prozent gestiegen“, meint Hölzl. Bei gleich bleibender Unterstützung der öffentlichen Hand, eine Rechnung, die nicht aufgeht. Tirols Landesfeuerwehrkommandant pocht daher auf etwas mehr Spielraum beim zur Verfügung stehenden Geld – etwa durch Steuererleichterungen oder Anheben der Zuschüsse.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter sagte gestern bei einem Medientermin, angesprochen auf die Frage, ob angesichts steigender Einsatzzahlen für die freiwilligen Helfer von der öffentlichen Hand mehr getan werden muss: „Das ist ein Thema, das uns beschäftigt.“ Konkretes wollte er dazu aber nicht nennen. Klar sei und bleibe allerdings, dass „das Ehrenamt von großer Bedeutung ist“.

Tote, Verletzte und enorme Schäden

In vielen Teilen der Alpen gingen am Montag heftige Gewitter nieder. Die Schäden sind enorm, es gab mehrere Verletzte. Und in Bayern sogar Tote.

Österreichweit gab es Hunderte Einsätze, am stärksten betroffen war das Bundesland Salzburg. Vor allem im Pinzgau und Pongau kam es zu Murenabgängen und Überflutungen. Bei Dienten im Pinzgau wurde ein Linienbus und ein Auto von einer Schlammlawine mitgerissen – die drei Insassen der Fahrzeuge konnten gerettet werden, sie alle wurden bei dem Zwischenfall verletzt. Insgesamt mussten mehr als 100 Menschen in verschiedenen Orten in Sicherheit gebracht oder evakuiert werden. Am Bahnhof Krimml, der sich auf dem Gemeindegebiet von Wald im Pinzgau befindet, wurde eine Garnitur der Pinzgauer Lokalbahn von Schlamm und Geröll verschüttet.

Nach einer Flutwelle in der Höllentalklamm an der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen wurde Dienstagfrüh eine Frau tot aus einem Fluss geborgen. Ein Mensch gilt noch als vermisst, teilte die örtliche Polizei gestern mit. Acht Wanderer, die am Montag von den durch die bei Touristen beliebte Klamm rauschenden Wassermassen überrascht wurden, konnten, wie berichtet, gerettet werden.

Auch in Südtirol kam es zu Muren und Überflutungen. Mehr als 200-mal rückten dort die Feuerwehren aus. (TT, APA, dpa)


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