Hochbetrieb bei Tiroler Telefonseelsorge: „Reden entlastet bei Liebeskummer“

Im Sommer herrscht bei der Telefonseelsorge der Diözese Innsbruck Hochbetrieb. Leiterin Astrid Höpperger erklärt, wieso gerade jetzt so viele die Nummer 142 wählen.

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Astrid Höpperger, Leiterin der Telefonseelsorge.
© Diözese Innsbruck/Cincelli

Warum wenden sich im Sommer so vielen Menschen mit Liebeskummer an die Telefonseelsorge?

Astrid Höpperger: Im Sommer geht man viel nach draußen und wenn man selber unter Liebeskummer leidet, sieht man zwangsläufig viele glückliche Paare. Auch im Radio etwa ist alles happy, es geht nur um Schwimmbad und Eis essen, das ist ein großer Kontrast für denjenigen, der sich traurig fühlt. Auch kann man sich im Sommer einfach schlechter verkriechen als im November.

Können Sie Beispiele geben, wer anruft? Sind das eher Jüngere oder Ältere?

Höpperger: Das geht quer durch, vom 13-jährigen Mädchen, das von ihrem Freund verlassen wurde, bis zum 70-Jährigen mit einer Bekannten, für die er mehr empfindet, sie aber nicht für ihn. Liebeskummer beschäftigt uns das ganze Leben.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt, bei der Telefonseelsorge anzurufen?

Höpperger: Es gibt Menschen, die sich zurückziehen und mit niemanden reden wollen, und andere, die das Bedürfnis haben, viel zu reden. In der Telefonseelsorge glauben wir daran, dass bei Liebeskummer Reden entlastet. Aber wenn ich meinen Kummer 100.000-mal Freunden erzähle, hängt das denen irgendwann bei den Ohren raus. Mit Freunden soll man nicht nur seinen Kummer teilen, sondern auch wieder etwas Schönes erleben. Bei uns ist der Ort, wo man jammern kann.

Hat die Corona-Pandemie zu mehr Anrufen geführt?

Höpperger: Am Telefon sind wir an der Kapazitätsgrenze, unsere Chat- und Mail-Beratungen sind explodiert, bei den Chats um das Vierfache. Oft geht es um Einsamkeit und soziale Isolation.

Wie viele Anrufen haben Sie im letzten Jahr entgegengenommen und wie erreicht man sie?

Höpperger: Es waren 16.000 Anrufe unter Nummer 142, ohne Vorwahl aus ganz Tirol. Oder Chat und Mail unter onlineberatung-telefonseelsorge.at

Das Interview führte Matthias Christler


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