Inflation bei 2,9 Prozent, Lebensmittel dürften sich erst verteuern

Ohne höhere Ausgaben für Verkehr und Wohnen hätte die Inflation im Juli 1,2 Prozent betragen. Der tägliche Einkauf wurde um 2,1 Prozent teurer. Wifo-Experte Baumgartner rechnet mit bald teureren Lebensmitteln.

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Nahrungsmittel dürften bald teurer werden, prognostiziert Wifo-Experte Baumgartner.
© Fabian Sommer

Wien – Die Inflationsrate ist im Juli auf 2,9 Prozent gestiegen, nachdem sie im Juni 2,8 Prozent betrug. Hauptausschlaggebend für den Anstieg der Teuerung waren Verkehr und Wohnen, teilte die Statistik Austria am Mittwoch mit. „Ein bisserl eine Überraschung sind die Nahrungsmittelpreise, die nach wie vor moderat steigen“, sagte Wifo-Experte Josef Baumgartner im Gespräch mit der APA mit Blick auf die Entwicklung auf internationalen Märkten für agrarische Rohstoffe.

Die Preisanstiege bei Nahrungsmitteln dürften laut Baumgartner im weiteren Jahresverlauf und 2022 „stärker werden“. So dürften aufgrund gestiegener Getreidepreise etwa die Kosten für Brot und Gebäck schon bald ansteigen.

Bereits jetzt – also im Juli im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres – verteuerten sich Ausgaben für Verkehr um 8,1 Prozent, Flugtickets wurden um 23,6 Prozent teurer. Ohne höhere Ausgaben für Verkehr und Wohnen hätte die Inflation 1,2 Prozent betragen, so die Statistik Austria. Gegenüber dem Vormonat Juni stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,3 Prozent.

„Insgesamt sind die Preissteigerungen beim Rohöl und bei den Problemen innerhalb der Lieferketten zu suchen“, sagte Baumgartner. „Wenn chinesische Häfen wegen Coronafällen gesperrt werden und sich der Transport dadurch verzögert, wird dieser teurer. Dazu kommt ein Mangel an Containern um der vermehrten Fracht in der sehr gut erholten Konjunktur Herr zu werden.“ Die starke Konjunktur sorge zudem ja auch für eine vermehrte Nachfrage nach Energie in der Industrie und Treibstoffen für den Transport. Dies alles seien Faktoren, auf welche die Europäische Zentralbank (EZB) wenig Einfluss habe.

Treibstoffe legten kräftig zu

Im Bereich Verkehr wurden auch Treibstoffe um 21,6 Prozent teurer. Schon im Juni belief sich das Plus auf 21,4 Prozent. Ebenso Reparaturen von Autos und Co verteuerten sich um 4,3 Prozent, gebrauchte Fahrzeuge kosteten um 3,8 Prozent mehr, neue um 2,8 Prozent.

Der Verkehr war im Juli Preistreiber.
© Thomas Böhm

Weiterer Preistreiber war einmal mehr das Wohnen. Wohnung, Wasser, Energie verteuerten sich durchschnittlich um 3,0 Prozent. Die Haushaltsenergiepreise stiegen durchschnittlich um 7,1 Prozent. Dazu trugen Teuerungen für Heizöl (+28,2 Prozent) sowie für Strom (+5,3 Prozent) bei. Die Preise für Gas stiegen um 4,5 Prozent, jene für Fernwärme um 2,7 Prozent und jene für feste Brennstoffe um 1,7 Prozent. Die Instandhaltung von Wohnungen kostete durchschnittlich um 3,8 Prozent mehr. Mieten stiegen insgesamt um 1,2 Prozent.

Für Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 3,3 Prozent mehr bezahlt werden. Ausschlaggebend dafür waren teurere Bewirtungsdienstleistungen (+3,1 Prozent). Die Preise für Beherbergungsdienstleistungen stiegen um 4,3 Prozent.

Täglicher Einkauf um 2,1 Prozent teurer

Die Preise beim Mikrowarenkorb, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf widerspiegelt, stieg im Jahresvergleich um 2,1 Prozent (Juni: +1,5 Prozent).

Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, stieg im Jahresabstand um 6,1 Prozent (Juni: +5,8 Prozent). (APA)

Inflation in der Eurozone legte im Juli kräftig zu

Die Inflation im Euroraum hat im Juli kräftig zugelegt. Die Verbraucherpreise erhöhten sich binnen Jahresfrist um 2,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mitteilte und damit eine erste Schätzung bestätigte. Seit Herbst 2018 ist das die höchste Inflationsrate. Im Juni war der Anstieg der Lebenshaltungskosten in der 19-Länder-Gemeinschaft noch bei 1,9 Prozent gelegen. Hinter dem Zuwachs stehen vor allem die Energiepreise.

Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Sie geht heuer von einem weiteren Anstieg der Teuerung aus. Der Höhepunkt wird mit rund 3 Prozent zum Jahresende hin erwartet. Aus Sicht der Währungshüter ist der Inflationsanstieg aber ein vorübergehendes Phänomen. Bereits für 2022 wird wieder mit schwächeren Inflationsraten gerechnet. Die EZB erklärt dies unter anderem mit Sondereffekten wie der vorübergehenden Senkung der deutschen Mehrwertsteuer im Jahr 2020.

Die Energiepreise nahmen im Juli binnen Jahresfrist um 14,3 Prozent zu. Im Juni lag der Anstieg noch bei 12,6 Prozent. Die Preise für Industriegüter ohne Energie erhöhten sich im Juli um 0,7 Prozent, die Preise für Dienstleistungen stiegen um 0,9 Prozent.


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