Angriff auf Mutterkuh-Herde im Pitztal: Wolf oder Bär unter Verdacht

Im Pitztal griff ein Wolf oder Bär auf einer Alm mehrere Tiere an. Ein Ochse musste notgeschlachtet werden. Näheres soll nun eine genetische Untersuchung ergeben.

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Mehrere Tiere wurden bei dem Angriff in der Nacht auf Dienstag verletzt.
© Facebook/Patrick Wechselberger

Jerzens, Innsbruck – Hinter Steinen versteckt fand Karl Schrott Dienstagfrüh einen einjährigen Ochsen und die Leitkuh der kleinen Rinderherde. Beide verletzt, offene Wunden am Rücken und den Seiten, stark zitternd standen sie da. „Sie sind nicht wie sonst alle auf meine Lockrufe hin zu mir gekommen“, sagt der Hirt­e auf einer Alm im Riegetal in Jerzens im Pitztal. Deshalb habe er sich auf die Suche nach den Tieren begeben. „Den Ochsen mussten wir noch am selben Tag erlösen.“ Die Kuh sei gestern ins Tal gebracht worden. „Wir hoffen, dass wir sie gesund pflegen können, auch wenn es derzeit nicht danach ausschaut. Sie hat gekämpft und alles gegeben, um ihre Herde zu verteidigen.“

Diese wurde in der Nacht auf Dienstag wahrscheinlich von einem Raubtier angegriffen, wie das Land Tirol gestern berichtete. Nachdem der Amtstierarzt sich ein Bild der Lage gemacht habe, bestehe der Verdacht „auf die Beteiligung eines großen Beutegreifers“, heißt es in einer Aussendung. Ob es sich dabei um einen Wolf oder einen Bären handelt, ist noch unklar. „Näheres werden die Ergebnisse der genetischen Untersuchung ergeben“, betonen die Verantwortlichen des Landes.

Dass auch eine ausgewachsene Kuh ins Beuteschema des Raubtieres passt, ist ein weiterer Schock.
Karl Schrott (Hirte im Riegetal bei Jerzens)

Im Pitztal wurden heuer bereits mehrere Schafe von einem Bären gerissen, weshalb die Betroffenen von diesem Individuum als Verursacher ausgehen. „Natürlich war ich schon den ganzen Sommer sehr beunruhigt“, meint Karl Schrott. „Vor allem um die Kälber habe ich mir Sorgen gemacht. Dass auch eine ausgewachsene Kuh ins Beuteschema des Raubtieres passt, ist ein weiterer Schock.“ Als Folge des Angriffs wurden die Rinderherde wie auch auf einer Nachbaralm untergebrachte Zuchtpferde abgetrieben. „Mit so einem Bären in der Region ist die Almwirtschaft schlicht nicht möglich“, sagt der Hirte.

Drei tote Schafe wurden gestern in Hochoetz vom Amtstierarzt begutachtet. Auch hier besteht laut Behörden der Verdacht auf die Beteiligung eines Beutegreifers.

Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer und Obmann des Vereines „Almen ohne Wolf“, zeigte sich über den Angriff im Riegetal schockiert. „Wir sehen unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Raubtiere finden ihre Beute. Sind keine Schafe auf den Almen, gehen sie auf die Rinder los. Sind die Almen leer, wandern sie ins Tal.“ Hechenberger hofft, dass durch die Änderung des Tiroler Jagd- und Almschutz­gesetzes, welche Montag in Kraft tritt, „Abschüsse ermöglicht werde­n“. (bfk)


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