Brände in Süditalien und -frankreich fordern weitere Todesopfer

Die Brände in Süditalien forderten bereits ihr fünftes Todesopfer. Ein Todesopfer wurde am Mittwoch in Frankreich gemeldet. Unter anderem kämpfen Griechenland, Süditalien und Portugal weiter mit den Flammen. Die Feuer in Jerusalem konnten gelöscht werden.

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Bereits am 10. August mussten Einsatzkräfte den Feuern in Palermo entgegentreten.
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Rom/Jerusalem – Die Brände in Süditalien haben ein weiteres Todesopfer gefordert. Die Leiche eines 78-Jährigen wurde in der Nacht auf Mittwoch in Acquaro in der Region Kalabrien entdeckt. Der Pensionist war von den Flammen eines Waldbrandes getötet worden, der auch sein Ackerland zerstört hatte.

Der Mann verließ sein Haus, nachdem er den Rauch bemerkte. Bei seinen Löschversuchen wurde er von den Flammen erfasst. Die Leiche des Pensionisten wurde von Verwandten gefunden, die sich Sorgen machten, weil er nicht zu seinem Bauernhof zurückgekehrt war, berichteten lokale Medien. Der Senior ist das fünfte Opfer der Brände, die seit Wochen in der Region Kalabrien wüten.

Seit August mehr als 140.000 Hektar in Italien verbrannt

Seit Anfang 2021 sind in Italien mehr als 140.000 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (Effis) der Europäischen Kommission brannten im Jahr 2017 141.000 Hektar. Dies wurde 2021 bereits übertroffen. 2018 brannten in Italien 14.000 Hektar, 2019 37.000 und im Vorjahr 53.000.

Am Dienstag wurde auch das Anwesen von Präsident Sergio Mattarella in Castelporziano bei Rom heimgesucht. Einige Bäume und ein kleiner Teil des mediterranen Buschwaldes fingen Feuer. Offenbar hatte jemand brennende Zündschnüre über die Begrenzungsmauer des Anwesens geworfen. Der Schaden beschränkte sich auf eine Fläche von lediglich 20 Quadratmetern.

Bauernverband: Feuer kosteten rund eine Milliarde Euro

Mattarella dankte den Bürgern, die den Brand gemeldet haben, sowie den Rettungskräften der Feuerwehr, deren rechtzeitiges Eingreifen schlimmere Folgen verhindern konnten. Die Staatsanwaltschaft Rom leitete eine Untersuchung ein. Der Bauernverband Coldiretti berichtete, dass die Feuer in Italien rund eine Milliarde Euro für Brandbekämpfung, Aufräumarbeiten und Wiederaufbau verschlugen hätten.

Dutzende Brände wurden am Mittwoch auch in der Provinz Palermo, wo die Temperaturen weiterhin hoch sind, gemeldet. Feuerwehrleute, Förster und Freiwillige des Zivilschutzes waren an verschiedenen Stellen im Einsatz. Die Flammen brachen in der Gegend von Altavilla aus, wo der Verkehr blockiert wurde. Auch auf den Hügeln entlang der Autobahn Palermo-Catania brannte es. Der starke Wind wehte weiterhin stark auf Sardinien, vor allem im Norden der Insel herrschte höchste Brandgefahr.

Brände in Südfrankreich fordern erstes Todesopfer

Auch in Südfrankreich gab es ein Todesopfer zu beklagen. Nach Angaben des Senders "France Bleu Provence" sei ein etwa 50 Jahre alter Mann von einem Freund tot in seinem ausgebrannten Haus entdeckt worden. Nach Angaben der Präfektur wurden bisher fünf Feuerwehrleute bei dem Einsatz leicht verletzt, rund 20 Menschen erlitten eine Rauchgasvergiftung. Die Brände waren nach großer Trockenheit und Hitze am Montag ausgebrochen. Wind fachte die Flammen trotz aller Löscheinsätze - auch mit Flugzeugen und Hubschraubern - immer wieder an.

Die Flammen im bergigen Hinterland der Bucht von Saint-Tropez seien noch nicht unter Kontrolle: 7.000 Hektar seien bereits verbrannt, teilte die Präfektur in der Mittelmeerstadt Toulon Mittwochfrüh mit. Über 7.000 Anrainer und Touristen, die in Sicherheit gebracht worden waren, hätten die Nacht in Notunterkünften verbringen müssen. 900 Feuerwehrleute seien im Kampf gegen die Flammen im Einsatz. Es werde daran gearbeitet, die Telefon- und Stromversorgung wieder herzustellen.

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Südfrankreich und Portugal kämpfen mit Flammen

In Frankreich kämpften rund 900 Feuerwehrleute gegen den Waldbrand, der am Montag ausgebrochen war und sich über 5500 Hektar Land erstreckte. Auch Löschflugzeuge waren im Einsatz. Starker Wind behinderte die Löscharbeiten. Der Radiosender France Info berichtete von drei leicht Verletzten und rund 20 Menschen, die Rauchgasvergiftungen erlitten.

In Portugal kämpften am Dienstag rund 600 Feuerwehrleute gegen einen Waldbrand an der Algarve. Ein Feuerwehrmann wurde nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde bei Löscharbeiten nahe dem Ort Castro Marim verletzt und musste mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht werden, zwei weitere erlitten Rauchgasvergiftungen. Das Feuer fraß sich in Richtung Küste vor, die Autobahn zwischen dem Osten und dem Westen der Algarve wurde gesperrt.

Indes ist in Griechenland der Westen Athens betroffen. Das Problem mit dem Brand nahe der Ortschaft Vilia im Westen Athens liegt nach Ansicht des stellvertretenden Bürgermeisters der Region darin, dass es keine Straßen oder Schneisen gebe, damit die Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen die Brände auf den hohen Bergen erreichen kann. Daher hätten sich die Brände in der Nacht, in der die Bekämpfung der Flammen aus der Luft eingestellt wird, erneut ausgebreitet, sagte er dem Nachrichtensender Skai. Positiv ist derzeit, dass es keine starken Winde gibt. Die Feuerwehr hofft, den Brand bis Mittwochabend einzudämmen.

Waldbrand in Jerusalem gelöscht

Laut dem Sprecher des israelischen Ministers für innere Sicherheit, Omar Bar-Lev, konnten die Brände in Jerusalem indes nach drei Tagen gelöscht werden. Das Feuer war am Sonntag ausgebrochen und hatte sich trotz der intensiven Bemühungen der Feuerwehr und des Einsatzes von Löschflugzeugen immer weiter ausgebreitet. Grund dafür waren laut Medienberichten Trockenheit und starke Winde.

Nach Angaben der Polizei hatten Tausende Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Die Armee unterstützte die Evakuierungsmaßnahmen mit Hubschraubern. Mehrere Häuser in verschiedenen Ortschaften gingen laut Ministerpräsident Naftali Bennett in Flammen auf. Zeitweise war befürchtet worden, dass das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem evakuiert werden müsste.

Montags wurde bereit versucht, die Waldbrände in der Nähe von Jerusalem zu löschen.
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Die Palästinenserbehörde schickte fünf Feuerwehrfahrzeuge. Die Armee unterstützte nach eigenen Angaben mit einem großen Transportflugzeug die Bekämpfung der Flammen aus der Luft. Wie die "Times of Israel" berichtete, verbrannten bereits bis Dienstagfrüh rund 2.000 Hektar Wald. Nach einem Bericht des Armeesenders geht die Polizei davon aus, dass das Feuer von Menschen verursacht worden ist. Es müsse sich aber nicht unbedingt um absichtliche Brandstiftung handeln, sondern könne auch durch Unachtsamkeit entstanden sein.

In den vergangenen Wochen war es unter anderem in Griechenland, der Türkei, Italien und Algerien zu verheerenden Waldbränden gekommen. Wissenschafter machen die globale Klimaerwärmung und die anhaltende Dürre mit verantwortlich. (TT.com,APA,AFP,dpa)


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