Kein Raub, nur Hausfriedensbruch: Milde Urteile für Jugendliche am Landesgericht

Mit falschen Geldscheinen bezahlte ein 27-Jähriger Drogen. Dann erhielt er Besuch von fünf Jugendlichen.

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Die 80 Euro, mit denen ein Kunde Drogen bezahlte, waren nicht echt. In der Folge erhielt er Besuch vom Verkäufer samt Freunden.
© Keystone

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Ausgangssituation, die am Mittwoch zu einem Strafverfahren am Innsbrucker Landesgericht führte, erinnert an einen schlechten Witz. So soll ein 17-Jähriger einem Drogenabhängigen im März Kopfschmerztabletten als Ecstasy verkauft haben. Doch der scheinbar Betrogene erwies sich laut Anklage ebenfalls als Betrüger, der den Jugendlichen mit Falschgeld (80 Euro) bezahlte. So falsch, dass nur eine Seite der Scheine bedruckt war, das Wort „Fake“ stand auf der Rückseite.

Was dann folgte, war weniger lustig. Der Jugendliche wollte die 80 Euro mit der Hilfe von vier Freunden eintreiben. Das Vorhaben lief aus dem Ruder. Jetzt mussten sich die fünf Burschen wegen schweren Raubes und in einem Fall wegen schwerer Körperverletzung vor dem Schöffengericht verantworten. Auf der Anklagebank saß aber auch das Opfer: wegen Betrugs und Verbreitung von Falschgeld. Das Verfahren endete mit einer Überraschung und milden Urteilen.

„Ich war ziemlich zugedröhnt"

Es war am Abend des 26. März und kurz nach dem missglückten Deal, als der Jugendliche und seine Freunde dem 27-Jährigen in dessen Innsbrucker Wohnung einen Besuch abstatteten. Zwei Fußtritte genügten, um die Wohnungstür aufzubrechen. Ein Freund des 17-Jährigen ging voran und forderte das Geld für die acht Ecstasy-Pillen: „Er hat mich geschlagen und umgeschupft“, erzählte der 27-Jährige im Gerichtssaal. Dabei habe er sich den Mittelfußknochen gebrochen. Auch seine Geldtasche sei samt 175 Euro beim Überfall gestohlen worden. Dass er mit Falschgeld bezahlt habe, „war mir nicht bewusst, ich war ziemlich zugedröhnt“, bestritt der 27-Jährige den Betrugsvorsatz. Und betonte außerdem, dass die Ecstasy-Tabletten echt waren: „Das waren keine Schmerzpillen, ich kenn’ den Unterschied.“ Das bestätigte schließlich auch der Verkäufer.

Damit war der Raubvorsatz vom Tisch – der 17-Jährige „hatte einen Anspruch auf das Geld“, befand die Richterin. Außerdem bezweifelte der Schöffensenat, dass sich 175 Euro in der Geldtasche befanden. Und auch der Knochenbruch am Fuß war nicht eindeutig mit der Attacke in Zusammenhang zu bringen. Unterm Strich wertete das Gericht die Geschichte als schweren Hausfriedensbruch mit Körperverletzung. Vier Angeklagte erhielten teilbedingte Geldstrafen zwischen 240 und 1200 Euro. Ein Beschuldigter, der auch an einem Hoteleinbruch beteiligt war, wurde zu vier Monaten Haft verurteilt. Der 27-Jährige wurde vom Betrugsvorwurf freigesprochen, weil einseitig bedruckte Geldscheine nicht als Falschgeld gelten.

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