Von Problemwölfen bis Klimawandel: „Brauchen starke Alm-Netzwerke“

In den regionalen Produkten muss vor allem Ehrlichkeit stecken, plädierte „Botschafter“ Seppl Haueis am Mittwoch beim „Almgipfel“ auf der Falkaunsalm.

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Den Tiroler Almen kommt ein hoher Stellenwert bei den regionalen Kreisläufen und Produkten zu.
© Böhm

Von Helmut Wenzel

Kaunerberg – Wie sieht die Zukunft der Tiroler Almwirtschaft aus? Wie kann die Kooperation mit touristischen Partnern gestärkt werden? Müssen wir immer alles auf dem Teller haben, Steaks aus Südamerika oder Erdbeeren im Winter? – Mit Fragen wie diesen haben sich LH Günther Platter, LHStv. Josef Geisler, Bundesratspräsident Peter Raggl im Gespräch mit Experten und Praktikern gestern auf der Falkaunsalm bei Kaunerberg befasst.

„Unsere Almen sind Sehnsuchtsorte. Sie eröffnen Freiheit für viele Menschen.“ Damit leitete LH Platter gleich auf das unvermeidliche Thema Wolf über – den Beutegreifer brauche man in Tirol nicht. „Aber im Alpenraum ist noch kein Wolf legal entnommen worden. Wir arbeiten daran, dass wir bei Problemwölfen einen Entnahmebescheid ausstellen können.“ Ernstnehmen müsse man auch den Klimawandel. „Gerade hier hat die Almwirtschaft eine wichtige Schutzfunktion, wenn es darum geht, Erosionen zu vermeiden“, sagte er. Es bleibe eine Daueraufgabe der Politik, gute Rahmenbedingungen für die Almen zu schaffen. „Ich bin ein Fan von Almprodukten“, so das Bekenntnis des Landeshauptmanns.

Mit 100.000 Rindern, 30.000 Milchkühen, 3000 Pferden, 65.000 Schafen und 6000 Ziegen, die auf den 2000 Almen weiden, stehe Tirol im Bundesländervergleich klar an der Spitze, zeigte Bundesratspräsident Raggl auf. „Damit wir unsere vitalen ländlichen Räume im Tal erhalten können, brauchen wir auch starke Alm-Netzwerke sowie eine starke Partnerschaft mit dem Tourismus.“ Anstatt über Förderungen für die Almwirtschaft zu reden, spreche er lieber von Leistungsabgeltungen, sagte Raggl. „Die Abgeltungen liegen klar im öffentlichen Interesse.“

Der Zammer Wirt Seppl, „Botschafter für Regionalität“, gab Einblicke in die Erfolgsfaktoren der regionalen Küche: „In den Produkten muss vor allem Ehrlichkeit stecken. Wir müssen unseren Gästen Auskunft geben können über unsere Produkte und Geschichten darüber erzählen.“ Bei der Bewusstseinsbildung komme Kochlehrlingen „eine extrem wichtige Rolle“ zu. „Es ist der Koch, der maßgeblich entscheidet, ob industrielle Produkte oder regionale Lebensmittel eingekauft werden“, zeigte Haueis auf. Eine große Gefahr liege im Mitarbeitermangel der Restaurants. „Wenn in der Küche unter Zeitdruck produziert werden muss, greifen Köche und Mitarbeiter zu Convenience-Produkten.“

Neben Natur und Kultur brauche der Tourismus ökologische, ökonomische und auch soziale Nachhaltigkeit, erläuterte Armin Falkner vom TVB Tiroler Oberland.


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