Tiroler Abwasser-Monitoring bleibt und wird ausgeweitet

Das Abwasser-Monitoring in Tirol, das im Zuge der Corona-Pandemie entwickelt wurde, soll weiter ausgebaut werden. Aus dem Probebetrieb soll ab Oktober ein Regelbetrieb werden. Es soll auch als Frühwarnsystem für weitere Krankheiten dienen.

  • Artikel
  • Diskussion
Das Abwasser-Monitoring soll auch als Frühwarnsystem für andere Krankheiten genutzt werden. (Symbolbild)
© pixaby

Innsbruck – Das Corona-Abwasser-Monitoring, das seit Mai 2020 in Tirol angewendet wird, soll nun ausgebaut werden. Der bisherige Probebetrieb des Frühwarnsystems soll ab Oktober in den Regelbetrieb starten. Das teilte das Land Tirol am Freitag in einer Aussendung mit.

Frühwarnsystem soll auch für weitere Krankheiten gelten

"In Tirol wurden mittlerweile insgesamt 47 Messpunkte im Einzugsgebiet von 43 Kläranlagen definiert, wo regelmäßig Proben gezogen werden. So wird die Entwicklung praktisch flächendeckend im ganzen Land dokumentiert, nämlich anhand des Abwassers von 98 Prozent aller Menschen, die sich in Tirol aufhalten", so Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Der Einsatz des Abwasser-Monitorings Tirol solle sich zudem nicht auf die aktuelle Corona-Pandemie beschränken. Das "niederschwellige Frühwarnsystem" solle die Tiroler Bevölkerung auch vor anderen auftretenden ansteckenden Krankheiten oder epidemiologischen Szenarien durch ein frühzeitiges landesweites Screening schützen. Das betreffe etwa Hepatitis A oder Polio ebenso wie auch künftige, neu auftretende Krankheitserreger, die über den Darm ausgeschieden werden, berichtet Platter.

"Es soll eine Steuerungsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Landes Tirol, der Medizinischen Universität Innsbruck – Gerichtliche Medizin und der Tirol Kliniken unter Führung des Landes eingerichtet werden. Nach derzeitiger Einschätzung sind dafür nur geringfügige Adaptionen des Systems erforderlich“, ergänzt Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP). Die Analyse der Abwasserproben erfolgt unter Leitung von Professor Herbert Oberacher am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität. Bei der Auswertung der Daten sollen die Wasserwirtschaft des Landes Tirol und Tiroler Kläranlagenbetreiber mitarbeiten, so Landeshauptmann-Stellvertreter Geisler (ÖVP). Regelmäßige Prognoserechnungen kommen vom Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol der Tirol Kliniken.

Fast eine Million Euro für bisherigen Testbetrieb

Für den bisherigen Testbetrieb stellte das Land Tirol 950.000 Euro zur Verfügung. Damit würden die Kosten abgedeckt werden, die am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Uni Innsbruck für Analysen angefallen sind, so das Land Tirol. Analytische Grundlage des Abwasser-Monitorings sei die, an der Gerichtsmedizin durchgeführte, Bestimmung der Virus-RNA-Konzentration im Zulauf von Kläranlagen. Die RNA der Coronaviren gelangt über den Stuhl ins Abwasser.

Das epidemiologische Früherkennungssystem des Landes sehe außerdem die laufende Untersuchung von Blutproben am Zentralinstitut für Bluttransfusion und Immunologische Abteilung in Innsbruck auf das Vorliegen von Corona-Antikörpern vor. Für diese Testungen und die Aufwendungen für tägliche Modellrechnungen des Landesinstituts für Integrierte Versorgung Tirol würde das Land die Kosten übernehmen, heißt es in der Aussendung. (TT.com)


Kommentieren


Schlagworte