Nach Mord in Wörgl: Flüchtiger Verdächtiger fordert freies Geleit

Vor genau zwei Jahren starb in Wörgl ein Afghane. Der Verdächtige ist flüchtig.

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Polizeibeamte sichern unmittelbar nach dem Gewaltverbrechen den Tatort in der Innsbrucker Straße in Wörgl ab.
© zoom.tirol

Innsbruck – Der gewaltsame Tod eines 20-jährigen Afghanen vor genau zwei Jahren in Wörgl beschäftigt noch immer die Innsbrucker Justiz. Denn der Mord ist nach wie vor ungesühnt. Obwohl der mutmaßliche Täter längst identifiziert ist, konnte er noch nicht vor einem Geschworenengericht zur Verantwortung gezogen werden. Der damals in Tirol wohnhafte Tschetschene ist unmittelbar nach dem Mord untergetaucht und seither auf der Flucht. Er wird irgendwo in Osteuropa vermutet.

Aber jetzt scheint der Mordverdächtige genug vom Leben im Untergrund zu haben. Der Mann hat sich zuletzt mehrmals an die Innsbrucker Justiz gewandt: „Nicht persönlich, wir wurden aber in seinem Auftrag von verschiedenen Rechtsanwälten aus Tirol und Wien kontaktiert“, bestätigt Thomas Willam, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Die Rechtsvertreter des Teschetschenen machten dabei ein ungewöhnliches Angebot: „Sie ersuchten quasi um freies Geleit für den Mann und erklärten, dass sich der Beschuldigte stellen würde, wenn der Europäische Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wird.“ Der Hintergrund für den auf den ersten Blick seltsamen Wunsch: „Der Verdächtige will sich wohl die Auslieferungshaft im Fall einer Festnahme im Ausland ersparen, die mehrere Monate dauern kann“, sagt Willam. Allerdings blieb es immer nur bei Anfragen, zu konkreten Gesprächen ist es noch nicht gekommen.

Wie schon mehrfach berichtet, war ein missglücktes Drogengeschäft der Auslöser für das Gewaltverbrechen. Am Abend des 21. August 2019 fuhren fünf Tschetschenen und ein Tiroler aus dem Raum Innsbruck nach Wörgl, um dort den Afghanen zu treffen. Vor einem Fastfood-Lokal in der Innsbrucker Straße wollten die Männer dem 20-jährigen Asylwerber 100 Gramm Kokain abkaufen. Allerdings konnten sich Kunden und Dealer nicht über den Preis einigen. Schließlich beschlossen die Tschetschenen, dem Afghanen das Suchtgift gewaltsam abzunehmen. Beim folgenden Gerangel zog ein Angreifer ein Messer und stach zu. Der Afghane erlag Stunden später im Kufsteiner Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. (tom)

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