SPD hat Union eingeholt: Kopf-an-Kopf-Rennen in Deutschland

Umfrage sieht Sozialdemokraten und CDU/CSU Kopf an Kopf. Söder-Appell, um die Macht zu kämpfen. Merkel leistet Wahlkampfhilfe.

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Kanzlerin Angela Merkel gibt Armin Laschet (CDU) Wahlkampfhilfe.
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Berlin – „Ich habe keine Lust, keinen Bock auf Opposition.“ CSU-Chef Markus Söder sprach am Samstag beim offiziellen Start von CDU und CSU in die heiße Wahlkampfphase aus, was sich wohl die meisten in der Union denken. „Es ist Zeit, souverän und engagiert, sexy und solide zu zeigen, wer wir sind und was wir können. Und wir können es noch“, lautete Söders flammender Appell, „endlich vernünftig Wahlkampf zu machen“.

Die scheidende Kanzlerin Angela Merkel empfahl den Kanzlerkandidaten Armin Laschet in für sie ungewohnt klaren Worten. Laschet sei es immer wichtig gewesen, den Menschen mit seiner Würde in den Mittelpunkt zu stellen und zwischen den Menschen Brücken zu bauen. An ihn direkt gewandt sagte Merkel: „Lieber Armin, ich weiß, dass genau das Dein Handeln leitet und prägt.“

Und Laschet selbst? Er versuchte mit Angriffen auf die Konkurrenten, vor allem die gefährlich gewordene SPD, und Warnungen vor einer linksgeführten Regierung zu punkten.

Das kommt nicht von ungefähr. Dem wöchentlichen Sonntagstrend des Instituts Insa für Bild am Sonntag zufolge sackte die Union um weitere drei Prozentpunkte auf 22 Prozent ab, die SPD kletterte um zwei Punkte auf ebenfalls 22 Prozent. Damit liegen Union und SPD erstmals seit April 2017 in der Wählergunst wieder gleichauf. Die Grünen kamen auf 17 Prozent (minus 1).

Olaf Scholz (SPD) muss derzeit gar nicht viel sagen.
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SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hält das Ziel der Kanzlerschaft angesichts der gestiegenen Umfragewerte für die Sozialdemokraten inzwischen für realistisch. „Ein Regierungswechsel, ein Aufbruch in Deutschland ist möglich. Eine Kanzlerschaft von einem Sozialdemokraten ist jetzt sehr erreichbar geworden“, sagte Scholz am Sonntag am Rande eines Bürgergesprächs in Potsdam.

„Für mich sind die Umfragewerte sehr berührend, denn darin verbirgt sich ja auch eine wachsende Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu mir als Person“, fügt er hinzu. Den Parteivorsitz strebe er aber auch im Falle des Wahlsieges nicht an. Scholz war bei einer Mitgliederbefragung 2019 dazu, wer die SPD leiten solle, noch Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterlegen.

Angriffig zeigte sich am Wochenende die FDP, die im aktuellen Sonntagstrend um einen Punkt auf 13 Prozent zulegte. Parteichef Christian Lindner warf Unionskandidat Laschet mangelnde Führungsstärke vor. „Die letzten Wochen haben die Zweifel verstärkt, ob Armin Laschet die Führungskraft hat, die Anliegen der Grünen nach Umverteilung, Bevormundung und Subventionierung zurückzuweisen“, sagte Lindner der Bild am Sonntag. „Da die CDU inhaltlich nichts bietet, stehen wir allein für wirtschaftliche Vernunft.“ Wichtig sei es, „dass nicht die Grünen mit Herrn Habeck den nächsten Finanzminister stellen, sondern die FDP“, sagte Lindner.

Die AfD liegt derzeit bei 12 Prozent (+1). Die Linke bleibt stabil bei 7 Prozent. (TT, dpa)


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