Benebelt am Strand fläzen: Lorde mit neuem Album „Solar Power“

Stringenter Teenage-Angst-Pop: Lordes neuer, inzwischen dritter Longplayer „Solar Power“ plätschert schön dahin.

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Mit 16 den ersten Superhit: Lordes „Royals“ aus dem Debütalbum „Pure Heroine“ wurde mit drei Grammys ausgezeichnet.
© Ophelia Mikkelson Jones

Innsbruck – All jene, die von Lordes neuem Album eine physische Kopie zum Anfassen bestellt haben, werden mit leeren Händen zurückbleiben. Von „Solar Power“ wird es zumindest keine CDs geben. Im Briefkasten landet dafür eine Box, darin etwas Handschriftliches und Downloadlink mit zwei Bonustracks. Ein leises Bekenntnis zur Umwelt-Bewegung? Auch. Lorde jedenfalls sagt, alles, was sie physisch produzieren lässt, müsse etwas sein, das sie selbst auch zu Hause hat. Und CDs finden sich dort nicht. Warum auch? Sie, die eigentlich Ella Marija Lani Yelich-O’Connor heißt, ist eine Popsensation des Streamingzeitalters. Und seit nunmehr acht Jahren „big im business“. Sie ist immer noch erst 23.

Ihr Debüt „Pure Heroine“ von 2013 war ein Überraschungserfolg. Die Single „Royals“ mit ihrer süchtig machenden Hookline wurde im Jahr darauf mit gleich drei Grammys geadelt. Und Lorde blieb ein Liebling der Kritik, „Melodrama“ (2017) wurde für seine Andersartigkeit gefeiert.

Denn nicht nur gängigen Vermarktungswegen verweigert sich Lorde, sondern gern auch jenen Regeln, die Streamingplattformen heute festlegen. Grundsätzlich gilt: Die ersten 30 Sekunden zählen, müssen catchen, weil Spotify erst dann den Klick als solchen zählt. Gerade in Lordes „Solar Power“ wimmelt es aber nur so von Spätzündern. Die Drums verschlafen im Titelgeber schon mal gleich zwei Drittel.

Insgesamt hat Lorde die neue Platte minimalistischer angelegt, Akustikgitarre flirtet mit gedoppelten Stimmen, dazu gesellt sich mal ein Keyboard, mal Naturgeräusche. Soundtechnisch hat Produzent Jack Antonoff die Finger an den Reglern. Er hat mit Lana Del Rey und Taylor Swift zuletzt anständige Schlafzimmerfolk-Alben vorgelegt.

Den Sonnenaufgang verpasst man übrigens auch bei Lorde. In „Secrets From A Girl“ macht sie die Durchsage: „Welcome to sadness“, eine Begrüßung in ihrer Welt. Und weiter: „Die Temperatur ist unerträglich, bis Sie sich ihr stellen.“ Willkommen also in jenem Teenage-Angst-Pop, den Billie Eilish so gut beherrscht! Wie ihre Kollegin singt auch Lorde in 12 Songs über das Erwachsenwerden im Showbiz, dem Blitzlichtgewitter, das einen bei der Suche nach dem richtigen Weg blendet („The Path“), aber in den Reminiszenzen an ein verblendetes „California“ der Siebziger besonders schön leuchtet. So richtig schlau wird man aus Lorde gerade nicht. Vielleicht geht es einfach darum, stundenlang am Strand zu fläzen oder sich bekifft die Nägel richten zu lassen („Stoned At The Nail Salon“).

Inhaltliche Spreng- und treibende Pop-Kraft sucht man in „Solar Power“ vergebens. Die Musik plätschert einfach schön dahin. Beständig, ohne dass ein Hit sie dabei unnötig aufhält. (bunt)


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