Europaregion als Antwort auf Spaltungs-Tendenzen in der Gesellschaft

Reformvertrag für mehr Bürgernähe unterzeichnet. Euregio will in der Krise Sprung nach vorne machen, um Herausforderungen zu meistern.

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Fast schon wieder ein vertrautes Bild in Alpbach: Musik und Schützen marschierten auf.
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Alpbach – Wie jedes Jahr bildet das Europäische Forum in Alpbach den Rahmen für den Euregio-Tag. Der bis 2020 amtierende Alpbach-Präsident Franz Fischler hat damit auch den Anstoß für eine Reform der Europaregion Tirol gegeben. Zugleich sieht sein Nachfolger Andreas Treichl das Forum nicht nur als Teil von Alpbach, sondern auch als einen der Europaregion. Damit hatte der ehemalige Chef der Erste Bank schon gewonnen.

Die Corona-Pandemie überschattet jetzt schon zum zweiten Mal das Forum und damit den Euregio-Tag. Heuer kehrte man allerdings einen weiteren Schritt zur Normalität zurück, die Bilder mit dem schon traditionellen „Spaziergang“ zum Congress und dem anschließenden landesüblichen Empfang weckten aber bereits wieder Erinnerungen an Alpbach vor Corona. Die Landeshauptleute Günther Platter, Arno Kompatscher (Südtirol) und Maurizio Fugatti (Trentino) waren am Sonntag allerdings schon früh aufgestanden, mussten sie doch auf der italienischen Seite des Brenners die Vertragsreform für die Euregio unterzeichnen. Trotz des unionsrechtlichen Konstrukts des Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit gibt es eben noch die Brennergrenze.

LH Platter appellierte für Zusammenhalt.
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Gestärkt werden im Reformvertrag die Landtage, darüber hinaus werden ein eigener Gemeindebeirat für grenzüberschreitende Themen installiert und Bürger-Räte eingerichtet: „Mit der Stärkung der demokratischen Elemente holen wir die Bürgerinnen und Bürger noch mehr ins Boot, wodurch die drei Landesteile im europäischen Geist weiter zusammenwachsen werden“, ist Platter überzeugt. Er sieht in der Euregio außerdem eine Möglichkeit, die Spaltung in der Gesellschaft zu überwinden. „Es ist kein Zufall, dass die Europaregion gerade in einer schwierigen Zeit wie der Corona-Pandemie, die auch Grenzschließungen am Brenner mit sich gebracht hat, die Kraft für einen Sprung nach vorne nutzt.“

Strenge Auflagen: Franz Fischler wies seinen negativen PCR-Test vor.

Platter warnte zugleich vor Bruchlinien in der Gesellschaft und rief zur Zusammenarbeit als Antwort gegenüber Polarisierungstendenzen auf. Für Arno Kompatscher machen große Fragen, Krisen und politische wie gesellschaftliche Herausforderungen nicht an regionalen Grenzen Halt. Was den Klimawandel betrifft, „der auch bei uns spürbar wird“, gehe man „sehenden Auges einer Apokalypse“ entgegen, ein gemeinsames Vorgehen müsse deshalb das Ziel sein. Kritik ließ er ebenfalls am Umgang mit afghanischen Flüchtlingen anklingen. Die Europaregion benötigt aus seiner Sicht jedenfalls Mut und Realismus.

Für Neo-Forumspräsident Andreas Treichl war es eine Premiere.

Maurizio Fugatti hat in den vergangenen drei Jahren die Euregio zu einem wichtigen Teil seiner Politik gemacht, für das Trentino sei sie die Türe, meinte er. „Die Euregio ist in den vergangenen zehn Jahren zu einer konkreten Wirklichkeit herangewachsen, die den Bürgern in verschiedenen Bereichen – von der Kultur über Forschung bis zur Mobilität – echte Chancen eröffnet. Zudem sei es in einigen dramatischen Augenblicken der Pandemie gelungen, im Dialog mit den staatlichen Regierungen Lösungen zu erreichen, fügte der Trentiner Landeschef hinzu. (pn)


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