Schulanfang laut Diakonie für viele Familien nicht leistbar

Sozialexperte Schenk fordert eine Reform der Schülerbeihilfe und einen gut dotierten Schulausgleichsfonds. Ein Spendenkonto für Schulsachen für Kinder aus armen Familien wurde eingerichtet.

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Schon ein einfaches Startpaket für die Schule kostet zwischen 100 und 300 Euro. (Symbolfoto)
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Wien – In Österreich leben laut Diakonie fast 150.000 Schülerinnen und Schüler unter 14 Jahren in einkommensschwachen Familien. Für sie sei der Schulanfang "nicht leistbar" und auch die weiteren Kosten während des Schuljahrs schwer zu stemmen, warnte Sozialexperte Martin Schenk am Montag in einer Aussendung. Er fordert eine Reform der Schülerbeihilfe und einen gut dotierten Schulausgleichsfonds. Zur Akuthilfe zu Schulbeginn hat die Diakonie ein Spendenkonto eingerichtet.

Schon ein einfaches Startpaket für die Schule koste zwischen 100 und 300 Euro. Über das gesamte Schuljahr kommen durch Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Projekt- und Wandertage je nach Schultyp Kosten von bis zu 855 Euro an, rechnet Schenk vor. In der Coronakrise habe sich auch der Anteil an Eltern vervielfacht, die sich für ihre Kinder Nachhilfe wünschen würden, sich diese aber nicht leisten können - und zwar von fünf bis neun Prozent vor der Pandemie auf nunmehr 27 Prozent.

Schenk fordert deshalb Reformen: Die Schulbeihilfe müsse bereits ab der 9. Schulstufe beziehbar sein und es müsse besser über die Fördermöglichkeit informiert werden, immerhin sei die Inanspruchnahme trotz hohen Bedarfs zwischen 2010 und 2020 von 39 auf 21 Millionen gesunken. Außerdem brauche es bei den Finanzierungshilfen für Schulveranstaltungen mehr Mittel und bessere Informationen und einfachere Unterstützung in den Schulen, damit mehr Familien diese Unterstützung auch in Anspruch nehmen. "Ein gut dotierter Schulausgleichsfonds ist dafür notwendig", so Schenk, der auch für eine Mindestsicherung anstelle von "schlechter Sozialhilfe" und einen flächendeckenden, unbefristeten Chancenindex plädiert, bei dem Schulen mit vielen Kindern mit Förderbedarf mehr Mittel bekommen. (APA)


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